BUSINESS 31.03.2015

Österreichisch-bosnische Innovation

© KOSMO / Radule Božinović
Sead Ahmetović (26) ist fleißig, hat Ideen und ist schnell im Denken und Entscheiden. In seinem Geschäft verbindet er zwei Welten – die, aus der er stammt, und die, in der er lebt.


Er war erst drei Jahre alt, als er aus seiner Heimatstadt Odžak (Bosnien-Herzegowina) nach Steyr in Oberösterreich kam, wo seine Eltern seit 1988 lebten. Im Wunsch, bessere Bedingungen für das Leben der Familie zu schaffen, hatten sie in dieser schönen Stadt ein Restaurant eröffnet, das noch heute besteht.

 „Meine ersten Ideen über meinen zukünftigen Beruf kreisten immer um die Gesellschaftswissenschaften. Aber mein Vater riet mir,  mir etwas mit einer besseren Perspektive zu suchen. Seiner Meinung nach war das die IT-Branche. Ich bin ihm für diesen Rat dankbar und bedaure es überhaupt nicht, dass ich auf ihn gehört habe“, erklärt Sead. „Es geht nicht nur um Geld, auch wenn man damit leichter lebt. Erfolgreich zu sein, heißt, dass ich machen kann, was ich will und mit wem ich es will“, erklärt der junge Unternehmer, der mit seinem Geschäftspartner Benjamin Ruschin (28), denn er 2009 kennenlernte, eine Start-up-Firma gründete.

Frische Ideen

Nach einen Jahren stellten die jungen Männer fest, dass die älteren Kollegen ihre Ideen ein wenig ausbremsten und dass sie gemeinsam gut als Team arbeiten konnten und sich gegenseitig ergänzten. „Wir schätzen beide die Erfahrung und die Leistungen der älteren Kollegen, aber wir Jungen denken anders und wir wollen, dass alles schneller geht, selbst wenn das mit einem gewissen Risiko verbunden ist“, erklärt der Jungunternehmer.

„Wir haben gesehen, dass technische Kompetenzen in Österreich sehr gefragt sind, und so haben wir 2013 unsere gemeinsame Firma Vienna Digital gegründet. Damit wollten wir hiesigen Agenturen ausschließlich IT-Dienste anbieten“, betont Sead, der in führen Anstellungen die.

Neben der Erstellung digitaler Strategien und ihrer Implementierung, d.h. dem Consulting für Firmen, die ihr digitales System modernisieren wollen, aber auch für jene, die sich für eine digitale Umstellung entschieden haben, betreibt Vienna Digital auch Ausbildungsarbeit.

 „Wir haben die Vienna Digital Academy gegründet und organisieren jeden Monat in Wien verschiedene Ausbildungsformate für Marketingagenturen, Banken und Versicherungen. Für die Seminare und Trainings gewinnen wir bekannte Experten als Vortragende. Außerdem haben wir im vergangenen Jahr ein Netzwerk mit dem Namen Manageers gegründet, in dem bereits mehrere Hundert junge Leute Mitglied geworden sind. Für sie organisieren wir mehrmals im Jahr Events mit Top-Managern, die ihnen Karrieretipps geben“, erzählt Sead Ahmetović stolz seine Geschichte.

Alle Wege führen nach Bosnien

Seit Beginn dieses Jahres hat Vienna Digital eine Tochterfirma in Bosnien-Herzegowina. Das ist das Resultat von Seads Wunsch, eine engere geschäftliche Verbindung in die Heimat zu haben. Aber begonnen hat alles fast zufällig.

 „Ich war in Odžak, und da das Wetter schlecht war, habe ich mich entschieden, etwas zu unternehmen. Ich habe einen Saal in einem Sarajevoer Hotel gemietet und über Facebook IT-Fachleute und Studenten aus der Branche eingeladen. Das Echo war hervorragend und Ben und ich waren vom fachlichen Potential dieser Leute überrascht. Im vergangenen Jahr haben wir in Sarajevo ein IT-Talent Center organisiert, und aus der Gruppe von 50 jungen Leuten haben wir zwei sofort eingestellt und sind für mehrere andere Mentoren geworden.“, erklärt dieser fleißige Mann.

Es ist bekannt, dass in Österreich ca. 10.000 IT-Fachleute fehlen und dass 51 Prozent der Firmen in diesem Sektor Probleme haben, gutes Personal zu finden. Genau im Füllen dieser Lücke sieht Sead eine Chance für die Experten aus Bosnien-Herzegowina.

 „Es ist nicht mein Ziel, den Brain-Drain aus Bosnien-Herzegowina zu fördern, sondern ganz im Gegenteil. Unser Engagement sehe ich als Brückenbau im IT-Sektor. Ich bin überzeugt, dass wir die Tür zur Zusammenarbeit gerade erst aufstoßen und dass uns noch eine ganze Reihe von Aktivitäten erwarten, die allen nützen werden“, stellt Sead voller Optimismus fest.

 „Ich fühle mich in Wien wohl, denn diese Stadt hat mir viel gegeben. Aber ich empfinde doch noch immer Bosnien-Herzegowina als meine Heimat. Mein Ziel ist es, mittelfristig und langfristig möglichst viel in Bosnien-Herzegowina zu sein“, unterstreichen der Inhaber der Firma Vienna Digital und betonen, dass sie auch mit Firmen in Serbien und Kroatien in Kontakt stehen. Sie fördern die Multikulturalität, die ihre Firma im besten Sinne des Wortes lebt.

Vera Marjanović / KOSMO

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