INTERVIEW 05.03.2014

Österreich spricht viele Sprachen

© VWF/Magdalena Possert
Wir trafen Meri Disoski, Geschäftsführerin des Verein Wirtschaft für Integration (VWFI), zum Gespräch über ihren persönlichen Bezug zu ihrer Arbeit, ihre Erfahrungen Migrantin zweiter Generation und über die mehrsprachigen Jugendlichen beim Redewettbewerb „SAG’S MULTI!“.


KOSMO:  Frau Disoski, was ist Ihr Traumjob?

Meri Disoski: Ich bin in meinem Traumjob! Als Geschäftsführerin von Wirtschaft für Integration bin ich in einem sehr vielfältigen Job tätig. Ich lerne viele, auch internationale Menschen kennen, gestalte die inhaltliche Ausrichtung unseres Vereins mit, verantworte unser Budget und darf ein junges, kreatives Team leiten. Durch unseren Redewettbewerb „SAG’S MULTI!“ und das Nachfolgeprojekt, das Patinnenprogramm „KONNEX“, habe ich viel Kontakt mit Jugendlichen. Ich mache also, was mir Spaß macht und was ich gut kann.

Welche Rolle spielt Ihr eigener Migrationshintergrund bei Ihrem Engagement im Migration- und Integratonsbereich?

Ich bin eine sogenannte Migrantin der zweiten Generation. Ich selbst bin in Wien, meine Eltern in Mazedonien geboren. Als ich in der 4. Klasse war, haben mich meine Eltern für das Gymnasium angemeldet, woraufhin sie zu Direktorin geholt wurden: „Glauben Sie nicht auch, dass die Hauptschule und das Polytechnikum für ihre Tochter ausreichend sind? Als Gastarbeiterkind ist sie nicht gut genug fürs Gymnasium.“ Dabei war ich immer Klassenbeste gewesen. Meine persönliche Geschichte ist also definitiv ein Grund für mein Engagement. Darüber hinaus bin ich eine Verfechterin der Gleichheits-Idee: Kein Mensch ist mehr wert, als ein anderer und niemand darf diskriminiert werden.

Was ist für Sie das besondere beim Redewettbewerb „SAG’S MULTI!“?

Das besondere an „SAG’S MULTI!“ sind für mich jene Momente, in denen ein junger Mensch am Rednerpult steht und voller Selbstbewusstsein vor großem Publikum in seiner Muttersprache spricht. Viele der Jugendlichen teilen die Erfahrung, dass sich kaum jemand für ihre Muttersprache interessiert. Beim Wettbewerb erfahren sie, dass diese Sprachen wertgeschätzt werden. Für viele Rednerinnen ist es eine Initialzündung für ihre Auseinandersetzung mit ihrer Mehrsprachigkeit.

Was wäre Ihr Thema, wenn Sie eine Rednerin bei „SAG’S MULTI!“ wären?

Ich würde Zitate aus Reden der bisherigen Redewettbewerbe zu einer Collage montieren und diese vortragen. In den letzten fünf Jahren haben über 1.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen und darin sehr viel Intelligentes, Reifes, Kluges und Bewegendes vorgetragen. Besser kann ich es definitiv nicht machen, darum die Idee einer Zitaten-Collage.

Sie haben eine Initiative zur Änderung des Staatsbürgerschaftsgesetzes präsentiert. Wie sehen Sie die aktuelle Integrationspolitik in Österreich?

Die Politik hat Integration als Zukunftsthema erkannt, die Wirtschaft bekennt sich zur Zuwanderung. Aber Österreich hat trotzdem eines der restriktivsten Staatsbürgerschaftsgesetze, was keineswegs zeitgemäß ist. 2012 gab es in Österreich mehr als eine Million Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Rund 11 Prozent der Gesamtbevölkerung sind somit von der vollen politischen Mitbestimmung ausgeschlossen, da diese an die Staatsbürgerschaft gekoppelt ist. Wir brauchen ein modernes, zeitgemäßes Staatsbürgerschaftsgesetz!

Interview: Sandra Radovanović / KOSMO


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