BIOGRAFIE 25.10.2013

Zlatan Ibrahimovic: Vom Straßenkind zum Fußballgott

© zVg.
In seiner gerade erschienenen Autobiografie, rechnet Zlatan Ibrahimović mit der Fußballwelt ab. Was steckt hinter dem Fußballvirtuosen mit dem notorischen Bad-Boy-Image?


Auf Youtube reihen sich Zlatans Fußballkünste ins Unendliche. Neben seiner Virtuosität als Fußballer, verfolgt ihn stets auch der Ruf des aggressiven Balkan-Rowdys. Anfang Oktober 2013 erschien im Malik Verlag die deutsche Ausgabe der Autobiografie "Ich bin Zlatan Ibrahimovic". Verfasst wurde die Biografie des bosnischstämmigen Superstars vom renommierten schwedischen Schriftsteller und Journalisten David Lagercrantz, übersetzt  von Wolfgang Butt.

"Du hast keine Eier! Fahr zur Hölle!"

Die Sprache ist einfach gehalten und enthält jede Menge Fußballjargon (etwa  "Tackling" für den Körperkontakt, oder "Big Shot" für eine einflussreiche Person). Auch die unvermeidlichen Beschimpfungen in verschiedenen Formen dürfen nicht fehlen. Gleich am Anfang des Buches konfrontiert Zlatan den Leser mit einer Attacke gegen den ehemaligen FC Barcelona Coach Josep „Pep“ Guardiola: "Du kauftest einen Ferrari, aber du fährst ihn wie einen Fiat", wettert  Zlatan gegen seinen Trainer als er beim Spiel auf der Ersatzbank sitzen muss. Nachdem ihn Guardiola aufforderte, den Verein zu verlassen, erwiderte Zlatan: "Du hast keine Eier! Fahr zur Hölle!"

Psychologie eines Rowdys

Aber was steckt hinter dem Benehmen dieses tollwütigen Bullen? Aufgewachsen in einem sogenannten sozialen Brennpunkt am Stadtrand Mallmös, im „schwedischen Ottakring“, erzählt Zlatan von seinen jungen Jahren als  Fahrraddieb: "Wir wohnten in Rosengard, da wimmelte es von Somaliern, Türken, Jugos, Polen und Schweden. Wir machten es auf hart.“ Mit solchen und ähnlichen Sprüchen pflegt er sein Image als harter Junge von der Straße und erzählt, wie er mit 17 Jahren das Sportgymnasium verließ und beim maroden Meister Malmö FF anfing. Das Buch beschreibt seinen Aufstieg und seine Niederlagen, etwa, wie er vom seinem ersten Verein beim Transfer zu Ajax Amsterdam finanziell ausgenutzt wurde.

Skandalimage verkauft sich gut

Die Geschichten im Buch sind fast immer chronologisch aufgebaut, was dem Leser hilft, sich ganz auf die Erzählung zu konzentrieren. Im Interview mit Zlatans Biografen David Lagercrantz erfährt man, dass er lange Gespräche mit dem Fußballstar führte, bis er sich in seine Rolle hineinversetzen konnte.

Er verwendet eine einfache, umgangssprachliche Ausdrucksweise, und spricht damit ein Zielpublikum an, das normalerweise nicht unbedingt zu Büchern greift. Aber das Konzept passt gut zum öffentlichen Image von Zlatan Ibrahimovic, was sich auch in den Verkaufszahlen niederschlägt. Mit über  500.000 Exemplaren ist dieser Bestseller für den schwedischen Literaturpreis am 26. November 2013 nominiert.

Konfuse Ansichten und wirre Statements

Insgesamt hinterlassen Zlatans Geschichten einen etwas selbstbesessen und auch konfusen Eindruck. Seine selbstbewusst vorgetragenen Ansichten verstricken sich in Gegensätze, etwa bei seinem Lebensmotto: "Nicht Zuhören. Und Zuhören!". Während er in einem Kapitel protzt, anonymen Fans in hohen Positionen limitierte Produkte beschaffen zu können, zeigt er im nächsten Kapitel  Scheue vor seiner eigenen Fanpost, denn es gibt auch Briefe von schwer kranken Kindern, die ihm schreiben.

Das Buch ist sicher kein literarisches Meisterwerk und aufgrund seines mitunter  derben Vokabulars auch nicht gerade als Jugendlektüre zu empfehlen. Wer jedoch zur Arbeit pendelt, findet hier einen guten Zeitvertreib.

Josip Andrejevski / KOSMO

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook