KOMMENTAR 28.10.2013

Worte und Taten

© zVg.
Über die Haltung der Politik gegenüber rechter Hetze und die jüngsten Gewalttaten in Wien. Ein Kommentar von KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić.


Am Sonntag, den 27. Oktober, einen Tag nach dem Nationalfeiertag, stürmt eine Gruppe von 40 rechtsextremen Hooligans der FK-Austria-Wien-Fangruppe „Unsterblich Wien“ ein türkisches Vereinslokal in Favoriten. Eine Person wird verletzt, neun Personen verhaftet. Die Öffentlichkeit in Wien ist überrascht. Tatsächlich sind wir solche Gewaltausbrüche gegen Migranten in Österreich nicht gewohnt. Gleichzeitig werden im österreichischen politischen Diskurs fremdenfeindliche Äußerungen seit Jahren toleriert – lösten sie anfangs noch heftige Reaktionen aus, werden sie mittlerweile von der Politik und Öffentlichkeit größtenteils ignoriert. Ein gefährliches Signal. Dass Hassparolen schnell zu gewaltsamen Taten führen können, zeigt uns die jüngste Geschichte. So ging den Gräueltaten und dem Völkermord im Jugoslawienkrieg eine umfassende Kriegspropaganda voraus, in der immer die andere Seite für alles Übel die Schuld trug.

Die österreichische Gesellschaft muss eine effektive und durchgreifende Antwort auf die Rhetorik des Hasses und ihre gewalttätigen Folgen finden. Es ist längst nicht genügend, dass der Kanzler oder Vizekanzler von „rechter Hetze“ sprechen – und genau nichts dagegen unternehmen. Mit der politisch propagierten Hetze in Österreich darf sich die österreichische Gesellschaft nicht ohne Weiteres abfinden. Auf jede solche Gewalttat muss eine Maßnahme folgen, die das Miteinander in dieser vielfältigen Gesellschaft stärkt. Denn kaum jemand von uns möchte, dass solche Vorfälle wie jener vom letzten Sonntag zur Normalität werden.

Nedad Memić / Chefredakteur KOSMO

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