POLITIK 21.05.2015

„Wir sind alle Wienerinnen und Wiener“

© KOSMO / Radule Božinović
Der gebürtige Sarajevoer und Wiener Politologe Ahmed Husagić ist im Team des Integrationsbüros der Wiener SPÖ für die Beziehungen zur bosnischen, kroatischen und serbischen Community zuständig.


KOSMO: Wie wichtig ist unsere Community für die Wiener SPÖ?

Ahmed Husagić: Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Stärke ist sie äußerst wichtig, vielleicht sogar die wichtigste Zuwanderergruppe. Ich selbst komme aus Bosnien-Herzegowina, ich habe all die Hindernisse durchlaufen, denen jeder Migrant in Österreich begegnet. Darum glaube ich, dass ich ihre Interessen in der SPÖ vertreten und auf ihre Probleme hinweisen kann. Wir im Integrationsbüro der SPÖ Wien bemühen uns, aktiv mit der gesamten BKS-Gemeinschaft zusammenzuarbeiten und Projekte zu unterstützen, die der Integration und dem Zusammenleben Priorität geben.

Kann man die BKS-Community im politischen Sinne als eine Gruppe sehen oder ist das politische Profil der Bosniaken, Kroaten und Serben inzwischen doch unterschiedlich?

Die Politik der Wiener SPÖ basiert auf dem Grundsatz, dass wir alle Wienerinnen und Wiener sind. Wir teilen die Menschen nicht nach ihrer religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit ein. Natürlich hat jede Gruppe ihre spezifischen Bedürfnisse, und um diese muss sich die Politik kümmern. 99 Prozent der Probleme der Menschen sind jedoch identisch, sie betreffen Ausbildungen, das Wohnen, die Beschäftigung oder das Gesundheitswesen.

Was sind eigentlich die echten Probleme der BKS-Community?

Zunächst muss man sagen, dass in Wien viel getan wird. Warum sollte man nicht erwähnen, dass Wien zum x-ten Mal zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt gewählt wurde – und das ist ein Verdienst der SPÖ als führender politischer Kraft in der Stadt. Die Migranten, auch die vom Balkan, stehen trotzdem vor dem Problem eines erschwerten Zugangs zu guten Ausbildungen. Die Politik hat einen einheitlichen Rahmen für alle geschaffen, aber leider kommt es bei der Umsetzung zu Diskriminierungen. Die Stadt Wien unterstützt Migranten z.B. durch das sogenannte Wiener Startpaket oder die Wiener Ausbildungsgarantie beim Erwerb von Bildung.

Warum gibt es nicht mehr Migranten in der Politik?

Ich bin dagegen, jemanden aufgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zu favorisieren. Ich stelle fest, dass es unter den Migranten, besonders unter denen aus dem ehemaligen Jugoslawien, noch immer nicht genügend politische Aktivitäten gibt. Die starren Hierarchien der Parteien sind inzwischen aufgeweicht worden, in Wien rücken derzeit junge Leute, die besonderes Engagement in der Partei gezeigt haben, in die Schlüsselpositionen nach. Die Zuwanderer der BKS-Community bringen viel Ererbtes aus dem ehemaligen Staat mit und viele von ihnen haben kein Grundwissen über die Demokratie. Unsere Landsleute müssen hierzulande begreifen, dass sie sich für ihre Emanzipation in die politischen Geschehnisse einschalten müssen. Überhaupt ist der politische Aktivismus die höchste Stufe der Integration.

Gibt es in Wien Diskriminierung gegenüber den Migranten vom Balkan?

Studien zeigen, dass es Diskriminierung gibt. Die Stadt Wien und die SPÖ kämpfen jedoch mit aller Kraft gegen Diskriminierungen jeder Form an und fördern das Zusammenleben. Ich will nur unsere Wiener Charta des Zusammenlebens erwähnen, die weltweit einzigartig ist. Wir in der SPÖ und in der Stadt Wien bemühen uns, den Menschen zu erklären, dass die Probleme in unserem Leben, aber auch unsere Ziele ähnlich sind und dass sie nichts mit der unterschiedlichen ethnischen Herkunft zu tun haben.

Bei den letzten Wahlen hat die FPÖ viele Stimmen bekommen. Die Resultate der Wiener SPÖ wirken, als ob sie nicht zu den Wählern durchdringen würde?

Wir sind die stärkste politische Kraft in der Stadt, unsere Botschaften erreichen die Wähler. Meiner Meinung nach darf man den Wahlkampf nicht ausschließlich auf den Faktor Wohlstand ausrichten. Die Menschen wollen einen Schritt vorwärts. Das haben wir in der SPÖ auch gezeigt, indem wir entschieden haben, neue Gemeindewohnungen zu bauen, das öffentliche Verkehrssystem auszubauen (U5) und in der Stadt mehr Angebote für junge Leute zu schaffen.

Nedad Memić / KOSMO

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