REPORTAGE 29.01.2014

„Wir lernen BKS“

© Ljubiša Buzić / KOSMO
Integration mal anders herum. KOSMO besuchte einen BKS-Kurs in der Wiener Volkshochschule. So lernen Österreicher Bosnisch, Kroatisch und Serbisch:


Dass Integration keine Einbahnstraße sein muss, beweisen die Teilnehmer des Kurses BKS - Bosnisch, Kroatisch, Serbisch A1 in der Volkshochschule Margareten jeden Dienstagabend aufs Neue. Nadine, Klara, Sebastian und Thomas lernen seit drei Monaten die Sprachen der Länder des ehemaligen Jugoslawien, die seit einigen Jahren unter der Abkürzung BKS zusammengefasst werden. 

Von Vuk Karadžic bis Lepa Brena

Der Unterricht beschränkt sich aber nicht nur auf Grammatik und Vokablen. Hier lernt man auch etwas über die Kultur und Bräuche der Region. So hält Klara heute ein Referat über Lepa Brena. Das ist eine „pevačica“ oder auch „glazbenica“, wie man in Kroatien sagen würde. Und welche Lieder kennt sie von ihr? „Hajde da se volimo“ und „Mile voli disko“, antwortet Klara. Ein ermutigendes „Odlično“ von der Kursleiterin Suzana Živković  folgt auf den Fuß.

Die blonde Kultsängerin ist den Kursteilnehmern mittlerweile ebenso ein Begriff, wie Vuk Karadžić, der Reformator der einstigen serbo-kroatischen Sprache oder Petar Preradović, der kroatische Nationaldichter. Natürlich kennen sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstädte, auch wenn die Aussprache von Namen wie Skadarlija, Medveščak oder Baščaršija ab und zu etwas schwer fällt. Die richtige Aussprache von international gebräuchlichen Worten wie Laptop mit bosnisch/kroatisch/serbischer Betonung (mit „A“ natürlich) sorgt für dagegen regelmäßig für Schmunzeln bei Suzanas Schülern.

Über 800 BKS-Schüler in Wien

Suzana Živković unterrichtet seit zwei Jahren BKS an der Volkshochschule Wien. Die gebürtige Bosnierin bemüht sich dabei, alle drei Standards möglichst gleichberechtigt zu vermitteln.

Insgesamt 85 BKS-Kurse hat die Volkshochschule Wien im vergangenen Jahr angeboten. Zusätzlich widmeten sich 23 Kurse nur dem serbischen und 120 dem kroatischen Standard. Zusammen genommen wurden die Kurse von über 800 Teilnehmern besucht. Insgesamt hat die VHS Wien 60 verschiedene Sprachen im Programm. Dazu gehören auch exotische Sprachen wie Khmer, Mongolisch oder Suaheli.

„Die Motivation für das Lernen der Sprache ist ganz unterschiedlich“, erklärt Suzana. Das können berufliche Gründe sein, genauso wie Beziehungen oder einfach ein Interesse für die Kultur. Drei von den vier Teilnehmerinnen und Teilnehmern in diesem Kurs haben private Gründe. „Es ist natürlich auch schön für die Familie meines Freundes, wenn ich die Sprache kann“, sagt Klara, die mit einem Bosnier in einer Beziehung lebt. Die junge Frau mit der Brille kennt Sarajevo mittlerweile ganz gut und auch in Belgrad war sie schon zu Besuch bei Freuden. Von den Sehenswürdigkeiten Belgrads hat sie nicht so viel gesehen. Dafür hat sie aber das Belgrader Nachtleben umso mehr genossen.

Integration anders herum

Thomas,  der junge Politikwissenschaftler, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Integration nicht nur von den "Zugereisten" kommen muss. Er ist der einzige in der Gruppe, der nicht mit einer Bosnierin, Kroatin oder Serbin liiert ist. Warum er die schwierige Sprache trotzdem lernt? „Ich wohne im 15.“, lacht Student mit der Adidas-Jacke. Irgendwann einmal mitreden können, sich mit Menschen die hier leben in ihrer Muttersprache zu verständigen, das ist das Ziel des 27-Jährigen. Oder kurz zusammengefasst: „Sich eines Tages ins Cream in der Märzstraße hinein trauen“, sagt er scherzend.

Ljubiša Buzić / KOSMO


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