COVER-STORY 14.07.2014

„Wir fliegen zum Mars“ – Teil 2: Die bosnische Marsfrau

© zVg.
Da die kleinen grünen Männchen anscheinend nicht auf die Erde kommen wollen, beginnen die Menschen, den Mars zu besiedeln. Die Chancen stehen gut, dass auch einige unserer Landsleute zu den ersten Kolonialisten des Roten Planeten gehören werden.


Ana Vodopivec, 43, Bosnien-Herzegowina

Ana Vodopivec ist in Sarajevo geboren und lebt seit den frühen neunziger Jahren in Deutschland. Von dem Projekt Mars One hörte sie zum Mal im Fernsehen und wusste sofort: Das ist es, was sie unbedingt will. Schon 2008 wollte sich die Informatikerin als Astronautin bewerben.

„Als ich sah, dass auch Frauen in meinem Alter genommen werden, konnte mich nichts mehr stoppen", erzählt sie. Ihre Umgebung reagierte unterschiedlich - von Lachen bis zur Frage: „Bist du vom Mars gefallen?“ Ihr Mann war skeptisch, was die Seriosität der Veranstalter betrifft, ihre Tochter (12) war zuerst traurig, aber ihr Sohn (14) war begeistert und half ihr sogar das Bewerbungsvideo zu drehen.

„Meine Arbeitskollegen und Freunde reagieren unterschiedlich, aber niemand versucht, mir das auszureden. Sie wissen, dass ich hartnäckig und starrköpfig bin. Nur meiner Mutter habe ich es noch nicht gesagt, damit sie sich nicht vorzeitig aufregt, denn ich weiß ja noch nicht, ob ich unter den Auserwählten sein werde“, erzählt die sympathische Ana.

Marsfrau als Statement

Mit dem Mars hat auch eine Anekdote aus Anas Sarajevoer Leben zu tun, die sie voller Charme erzählt - dennoch ist offensichtlich, dass diese Zeit ihre Spuren in ihr hinterlassen hat: “Irgendwann kurz vor dem Krieg fand in Bosnein-Herzegowina eine Bevölkerungszählung statt. Unter anderem sollte ich eintragen, ob ich Serbin, Muslimin oder Kroatin. Ich habe mich als Marsfrau deklariert, was die Behörden nicht akzeptieren wollten. Aber ich blieb stur und habe hart darum gekämpft, dass das so bleibt, und darum bin ich schon seit langem offiziell eine Bewohnerin des Roten Planeten“, erzählt Ana.

Als sie aus Sarajevo geflohen ist, konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie eines Tages aus Deutschland auf den Mars würde gehen wollen. „Von dort aus werde ich nicht in irgendeine andere Galaxie fliegen können, aber so wie ich mich kenne, werde ich das sicher wollen“, erzählt Ana Vodopivec lachend.

Hartes Training

Während sie auf die Einladung zum Interview wartet, das die bestehende Gruppe stark dezimieren wird, studiert Ana Literatur und trainiert ihre Fitness, denn wenn sie in die nächste Runde kommt, erwarten sie anstrengende Trainings. Wenn die Gruppe auf die geplante Anzahl von Kandidaten geschrumpft ist, erwarten sie achtjährige Vorbereitungen unter Bedingungen, die denen des Mars ähneln.

Während der Vorbereitungen werden die Kandidaten bei der Stiftung Mars One angestellt und von ihren Familien getrennt sein.“ Ich wurde informiert, dass bereits ein Vertrag mit einer Fernsehanstalt besteht, die das alles filmen wird, um das Projekt zu finanzieren“, verrät Ana.

Bestens vorbereitet

Bei der zukünftigen Marsfrau weckt nur der Gedanke an die lange Reise durch das Weltall und an den Moment, in dem die Kapsel auf der Marsoberfläche aufsetzt, Unbehagen. „Die Reise bis zu unserem Ziel dauert sechs bis acht Monate in dem engen Raum der Kapsel. Wir müssen Übungen machen, damit unsere Muskeln nicht absterben. Die Isolation kann psychische Probleme verursachen, darüber haben die Russen zahlreiche Experimente gemacht. Unser Volk kommt mit diesen Bedingungen gut zurecht, und die verhältnismäßig hohe Zahl von Kandidaten aus unserer kleinen Region bestätigt meine Behauptung."

STECKBRIEF:

Beruf: Sie hat Informatik studiert und mit einer Spezialisierung in Amerika abgeschlossen. An der Universität Würzburg arbeitet sie am Wissenschafts- und Technologietransfer in kleinen und mittleren Unternehmen.

Botschaft: „Ich habe keine Angst vor dem Unbekannten, und die Kommunikation mit Menschen ist meine starke Seite, vor allem weil ich neben unserer Sprache auch Deutsch, Englisch, Russisch und Italienisch spreche. Wenn ich in Pension gehe, wird es mir egal sein, ob ich irgendwo in Kroatien sitze oder auf dem Mars Tomaten pflanze, was im Verhältnis zu unserem Alltag, in dem überhaupt nichts Neues mehr passiert, eine große Herausforderung wäre. Auf dem Mars werden wir versuchen, eine bessere Gesellschaft aufzubauen als die, die wir auf der Erde haben. Wenn es hier zu eng wird, haben die Menschen einen Ort, an den sie ausweichen können.“

Fehlen wird mir: „Meine Kinder und mein Mann. Meine Garderobe, der Friseur und die Kosmetik werden mir nicht fehlen, denn daran liegt mir auch hier auf der Erde nichts. Ich weiß aber nicht, wie ich ohne Kaffee, Pita und Ćevapčići auskomme.“

Vera Marjanović /KOSMO

LESEN SIE TEIL 1: Von Montenegro zum Mars

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