COVER-STORY 14.07.2014

„Wir fliegen zum Mars“ – Teil 1: Von Montenegro zum Mars

© Nenad Mandić / KOSMO
Da die kleinen grünen Männchen anscheinend nicht auf die Erde kommen wollen, beginnen die Menschen, den Mars zu besiedeln. Die Chancen stehen gut, dass auch einige Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien zu den ersten Kolonialisten des Roten Planeten gehören werden.


Das Leben im Weltall war bis vor kurzem nur Thema für Science Fiction-Filme. Nun jedoch plant die holländische Stiftung Mars One, in zehn Jahren mit der Besiedlung des Mars zu beginnen. Begleitet werden soll das Projekt mit einer Reality Show im Stil von „Big Brother“. Die Einnahmen der Show sollen gleichzeitig die Mission finanzieren. Einen wichtigen Hinweis gab es jedoch bei dem weltweiten Aufruf zur Marsmission: Es handelt sich um eine einfache Hinfahrt – eine Reise ohne Rückfahrkarte.

202.586 Menschen aus 99 Ländern der Erde meldeten sich auf den Aufruf. Nach Tests mit sorgfältig ausgearbeiteten Fragen wurden 1.058 Kandidaten ausgewählt, mit denen eine ernsthafte Kommunikation begann. Gegenwärtig erwarten 705 Kandidaten eine Einladung zum Bewerbungsgespräch, das in den Regionalzentren stattfinden soll. Wir haben mit zwei Kandidaten aus dem Raum des ehemaligen Jugoslawien gesprochen - der Marsfrau aus Bosnien-Herzegowina und unserem Marsmann aus Montenegro:


Miloš Vujković, 29, Montenegro

Der einzige Montenegriner, der auf den anderen Planeten übersiedeln wollte, war Miloš Vujković (30), Ingenieur aus Kotor. Von dem Projekt hatte er im Internet gelesen. „Ich dachte zuerst, ich würde keine Chance haben, denn was immer ich auf dieser Welt versuche, ich stehe immer vor verschlossenen Türen, weil ich kein Visum habe oder mein Land ist irgendwo nicht Mitglied ist. Ich hatte schon erwartet, dass unten auf der Seite ein Sternchen und ein kleingedruckter Text stehen würden: Nur für US- und EU-Bürger“, erzählt Miloš gegenüber KOSMO in der Marina Tivat.

Das Absenden der Bewerbung war erst der Beginn, denn die erste Auswahl geschah aufgrund eines Tests, der das Persönlichkeitsprofil jedes Kandidaten erhob. „Das waren delikate Fragen vom Typ: Wovor haben Sie Angst, was geht Ihnen auf die Nerven“, erinnert Miloš. Gefordert war, diese Fragen in längerer Form auf Englisch zu beantworten. Überprüft werden sollte, ob sich die Leute das gut überlegt hatten und ob sie zu diesem entscheidenden Schritt wirklich fähig wären.

Familie steht hinter ihm

Seine jüngere Schwester war die erste, der er von seiner Absicht erzählte, und sie war begeistert, während seine beiden Brüder es noch immer nicht glauben. Die Eltern waren nicht sehr überrascht. „Sie wissen, dass ich sehr unkonventionell denke. Meine Mutter hat nicht geweint, denn sie denkt, dass das nur eine Marotte ist, und sie ist überzeugt, dass ich nicht genommen werde.

Überrascht haben ihn die Reaktionen einiger Leute, die seine Motive nicht verstehen. „Ich laufe nicht vor diesem - sehr guten -  Leben davon. Ich habe tolle Freunde, eine wunderbare Familie, einen gut bezahlten Job, interessante Hobbys, ich reise durch die ganze Welt auf dem Motorrad. Ich gehen nicht auf den Mars, um zu sterben, wenn ich aus der Kapsel aussteige, sondern ich will dort leben“, beteuert der junge Mann.

Heiraten vor dem Abschied?

Miloš hat eine Freundin und wird bald heiraten. Sie weiß natürlich von seiner Entscheidung und unterstützt ihn. Wenn sie Kinder haben sollten, wird er sich so gut um sie kümmern, wie er kann. „Bevor ich gehe, werde ich versuchen, den Kindern Werte zu vermitteln, an die sie sich erinnern, wenn ich physisch nicht mehr bei ihnen bin. Ich werde ihnen erklären, dass die Tatsache, dass ich nicht bei ihnen bin, keine emotionale Vernachlässigung bedeutet. Ich werde etwas aus meinem Leben machen, der Mensch muss zu Opfern bereit sein. Dies ist die eine Sache auf der Welt, für die ich meine Liebsten physisch verlassen würde. Dies ist das größte Projekt der Geschichte. Wir glauben, dass wir den Gipfel erreicht haben, weil wir das Penicillin und die Mobiltelefone haben, aber in Wirklichkeit sind wir sehr naiv. Ein Asteroid kann uns ein einem einzigen Moment auslöschen, so wie er die Dinosaurier ausgelöscht hat“, behauptet der junge Montenegriner.

STECKBRIEF:

Beruf:
Er hat die elektrotechnische Fakultät abgeschlossen und arbeitet in der Marina Porto Montenegro an der Wartung des Computernetzwerks.

Botschaft: „Als Kind habe ich in den Himmel geschaut und mich gefragt, ob uns von dort oben jemand zuschaut. Ich habe Bücher über Raumschiffe, Wunderschwerter und die kommende Apokalypse verschlungen und später auch Literatur über Weltraumforschung. Ich träume von der Chance, bei der Schaffung des Menschen 2.0 dabei zu sein, denn die Flickschusterei an der existierenden Version bringt nicht viel. Mich fasziniert der Gedanke an die Geburt des ersten Menschen, der die Welt als entfernten Planeten am Himmel sehen wird.

Fehlen wird mir: „Die Natur, das Motorradfahren, aber auch Hühnerfleisch, denn am Mars werden wir kein Fleisch haben. Ich weiß nicht, wie ich reagieren werde, wenn ich mich von meiner Familie, meinen Freunden und der vertrauten Welt verabschieden muss."

Vera Marjanović /KOSMO

LESEN SIE TEIL 2: Die bosnische Marsfrau




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