31.01.2014

Wiener Polizeipräsident: Nähe zu rechten Burschenschaften

© zVg.
Nach den Krawallen bei den Demos gegen den Akademikerball wurden diese Woche Verbindungen zwischen dem Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl und der rechten Burschenschaft Franko Cherusker bekannt.


Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl steht nach den gewalttätigen Zwischenfällen am Akademikerball der FPÖ vergangene Woche in der Kritik. So wurde diese Woche bekannt, dass der Polizeipräsident Kontakte zu eben jener Szene unterhält, gegen die die Demonstrierenden aufgetreten waren. Pürstl war während seiner Schulzeit bei der Wiener pennalen Burschenschaft Franko Cherusker gewesen. Den Franko Cheruskern wird laut Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) ein Naheverhältnis zum Rechtsradikalismus bescheinigt.

Die Verbindungen des Wiener Polizeipräsidenten zu den rechten Burschenschaften waren vom Grünen-Politiker Peter Pilz aufgedeckt worden. Dieser brachte am Donnerstag eine parlamentarische Anfrage an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) ein. Pilz verlangt darin die Aufdeckung von detaillierten Informationen über Pürstls Mitgliedschaft bei der Burschenschaft und eine Stellungnahme der Ministerin und des Österreichischen Verfassungsschutzes hinsichtlich seiner Tauglichkeit, Polizeimaßnahmen bei Demonstrationen gegen rechte Burschenschaften zu leiten. In einem Interview mit dem Standard hatte der Polizeipräsident bestätigt, weiterhin Kontakte zu Freunden aus der Mittelschule und aus verschiedenen Verbindungen zu haben.

Rücktrittsforderungen gegenüber Pürstl

Für weitere Kritik sorgten die Aussagen des Polizeipräsidenten bei einem Ö1-Interview am Donnerstag. Zu den Zwischenfällen bei den Demonstrationen gegen den Akademikerball hatte er gesagt: „Die Frage ist, ob man diesen Gewalttaten entschiedener entgegentreten hätte müssen, ob man nicht, anstatt zu versuchen zu deeskalieren, bereits mit Waffengebrauch entgegentreten hätte müssen.“

Mittlerweile hat sich auf Facebook eine Gruppe unter dem Titel „Wir fordern den Rücktritt von Polizeipräsident Pürstl“ formiert. Sie wird bereits mit 10.000 Stimmen unterstützt. Hier wird er mit einer weiteren Aussage zitiert, die er nach den Demonstrationen getätigt hatte: „Das ist gut, wenn (Demonstranten Anm. d. Red.) bei der Rettung waren, da gibt es die Daten, dann können wir sie ausforschen.“ Polizeipräsident Pürstl.

Die Grünen und die Wiener SPÖ haben bereits unterdessen am Donnerstag eine Resolution im Wiener Gemeinderat beschlossen, die fordert, dass der Akademikerball nicht mehr in der Wiener Hofburg abgehalten wird.

KOSMO-Redaktion

Lesen Sie auch:

INTERVIEW: NOWKR - „Rassisten treten in Österreich offen auf“

Facebook-Seite "Wir fordern den Rücktritt von Polizeipräsident Pürstl"


Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook