SERVICE 10.09.2014

Wien wächst – aber die Mieten auch

© stockphoto.com
Der Preis fürs Wohnen ist zu einem großen gesellschaftlichen Problem geworden. Und die Nachfrage steigt weiter, denn immer mehr Menschen wandern nach Österreich – und vor allem nach Wien – ein.


„Die Wohnungsmieten in Wien sind für einen Arbeiterhaushalt nicht mehr erschwinglich“, verkündete Rudolf Kaske, der Präsident der Wiener Arbeiterkammer (AK). Zwischen der Volkszählung vom Frühjahr 2001 und dem August 2014, hat Wien einen Zuwachs von 200.000 Einwohnern verzeichnet und ist von 1,55 auf 1,78 Millionen Bewohner angewachsen. Allein in Wien und seinem Umland leben bereits 2,7 Millionen Einwohner und damit fast ein Drittel der österreichischen Bevölkerung. Die Nachfrage nach Wohnraum steigt ständig. Bauparzellen und Wohngebäude werden aber immer teurer.

Langsame Lösung eines brennenden Problems

Die neue Regierung aus Sozialdemokraten und Volkspartei hat ein ganzes Kapitel ihres Fünfjahresplans der „Reform des Wohnrechts“ gewidmet. Hauptziel ist, die relevanten Vorschriften zu vereinheitlichen und transparenter zu machen. Wohnen für Mieter unter 35 Jahren soll verbilligt werden; jedes Jahr sollen 48.000 neue Wohnungen angeboten werden.

Leider ist jedoch bisher wenig geschehen. Die Expertengruppe des österreichischen Bundesjustizministeriums, die bereits seit dem vergangenen Jahr an einer Reform des Mietrechts arbeitet, wird ihre Arbeit nicht vor diesem Herbst abschließen. Nach Mitteilungen aus dem Kabinett von Minister Wolfgang Brandstätter ist das Mietrecht ein äußerst komplexer Bereich und es bestehen auch „Dschungelrechte“, wenn es um die Kompetenzen geht, welche staatliche Institution in diesem Bereich wofür zuständig ist. Bundesmittel werden weiterhin für Umgehungsstraßen oder andere Objekte eingesetzt, die nicht dem Wohnen dienen, aber besser dem Interesse der Landesregierungen entsprechen.

Für diejenigen, die eine Wohnung kaufen, ist der Quadratmeterpreis in Wien heute (fast) doppelt so hoch wie noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts. Nach Angaben der Wiener Arbeiterkammer stiegen auch die Privatmieten seit 2005 im Durchschnitt weit stärker an als die Inflation und doppelt so stark wie die Einkommen der Wiener Haushalte in den vergangenen zehn Jahren. Der durchschnittliche Mietpreis für eine anständige Wohnung hat in vielen Teilen Wiens die 10 EUR/m² bereits überschritten.

Hilfe und Information

Was sollte man tun, wenn man sich als Opfer eines „Wohnungshais“ fühlt, wenn man beim Mietpreis betrogen oder auf andere Weise schikaniert wird? Die erste Adresse in Wien ist das Mieterhilfe-Telefon (Telefonische Hilfe für Mieter: 01/4000-8000), die von Montag bis Freitag von 08:00 bis 20:00 Uhr besetzt ist. Vor Ort kann man sich auch an die Experten von der Gebietsbetreuung in einem ihrer 17 Büros wenden (Adressen unter: www.gbstern.at). Wer ein konkretes Problem mit seiner Wohnung hat, etwa mit der Miete oder den Betriebskosten, kann sich direkt an die Schlichtungsstelle für wohnrechtliche Angelegenheiten wenden. Wenn nötig, können Mieter von der Stadt Anwalts- und Prozesskosten erstattet bekommen. Der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (diesen Monat auch im KOSMO-Interview) betont, dass alle Servicestellen der Stadt Wien kostenlos, verständlich, umfassend und schnell informieren.

Bereits seit 103 Jahren gibt es in Wien auch die Österreichische Mietervereinigung (Telefon: 05/0195-2000, Montag bis Donnerstag 08:30-17:00; Freitag bis 14:00 Uhr), die ihren Mitgliedern mit Rat und Rechtsschutz zur Seite steht.

Hilfe bei Wohnungsproblemen bietet auch die Arbeiterkammer (AK) allen ihren Mitgliedern, d.h. allen Menschen, die in Österreich offiziell beschäftigt sind, unabhängig von ihrer Nationalität. Kürzlich hat die AK einen Musterprozess gegen einen Immobilienmakler gewonnen. Der Makler hatte die Mieterin dazu bewogen, einen Mietvertrag für eine Altbauwohnung im 15. Wiener Bezirk zu unterschreiben. Die Wohnung war 56 m² groß, ging auf eine laute Straße hinaus, lag im dritten Stock ohne Lift und Keller und sollte, ohne Betriebskosten, 538 Euro monatlich kosten. Damit lag der Preis um 88 % über dem gesetzlichen Höchstpreis für eine solche Wohnung in Wien (285 Euro). Natürlich hatte der Makler auch eine entsprechend überhöhte Provision von zwei Monatsmieten eingenommen.

Milan Ilić / KOSMO

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