INTEGRATION 04.09.2014

Wien sagt Danke zu Gastarbeitern

© KOSMO / Radule Božinović
Zu Ehren der Gastarbeiter, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Österreich kamen, wurde gestern ein großer Empfang im Wiener Rathaus abgehalten. Die Spitzen der österreichischen Politik bedankten sich bei den Zuwanderern der ersten Generation für ihre Leistungen für das Land und die Stadt.


Damals, als sie in ihrer Jugend nach Österreich kamen, meist nur mit einem Koffer in der Hand und einer Menge Hoffnungen und Ängste, haben sich die sogenannten Gastarbeiter sicher nicht träumen lassen, dass sie eines Tages im prunkvollen Festsaal des Wiener Rathauses sitzen werden, um eine Ehrung zu empfangen. Heute sind sie alle Pensionisten und mit ihren Kindern und Enkelkindern zu diesem für sie bedeutenden Abend zusammengekommen. Begegnungen mit Freunden aus der Jugend und feste Umarmungen treiben vielen von ihnen die Tränen in die Augen. Nebeneinander, vereint in der Erinnerung an die gemeinsamen Anfänge, sitzen hier Menschen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, mit deren Heimatländern Österreich im Jahr 1964 bzw. 1966 das sogenannte Anwerbeabkommen unterzeichnet hat.

„Diese Menschen sind voller Hoffnung in ein neues Land gekommen und haben tatkräftig daran mitgearbeitet, diese Stadt zu dem zu machen, was sie heute ist“, sagte die Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger „Wien wäre heute ärmer ohne Ihren Mut, sich auf das Wagnis der Migration und das Leben in der Fremde einzulassen“, so die Stadträtin.

"Die Stadt hat Ihnen viel zu verdanken"

Auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl bedankte sich bei den Anwesenden: "Die Stadt hat Ihnen viel zu verdanken. Unter teilweise widrigen Bedingungen haben Sie geholfen, die Stadt zu dem zu machen, was sie heute ist. Wien wäre heute ärmer ohne Ihren Mut, sich auf das Wagnis der Migration und das Leben in der Fremde einzulassen", so Häupl weiter, der daran erinnert, dass die damals angeworbenen Arbeitskräfte, ihre Kinder und Enkelkinder heute selbstverständlicher Teil der Stadt sind. Er wies auch darauf hin, dass ein friedvolles Miteinander nur dann möglich sei, wenn alle in der Stadt respektvoll und rücksichtsvoll miteinander umgehen. "Es gibt in unserer Stadt klare Regeln des Miteinanders, die für alle gelten", so der Bürgermeister. "Unser Ziel ist es, gemeinsam in dieser Vielfalt zu leben."

Auch Bundespräsident Heinz Fischer richtete das Wort an die Anwesenden: "In den 60ern und 70ern fehlten überall Arbeitskräfte. Die Menschen waren froh, wenn sich jemand für Österreich entschieden hat", erinnert sich Bundespräsident Heinz Fischer. Zahlreiche Projekte wären in den Wachstumsjahren der 1960er und 70er-Jahre ohne GastarbeiterInnen nicht realisierbar gewesen, so Fischer weiter. "Dafür gebührt Ihnen ein großer Dank!"

Am 15. Mai 1964 nahm das erste österreichische Anwerbebüro für Gastarbeiter in Istanbul seine Arbeit auf. 1966 folgte das Gastarbeiterabkommen mit dem damaligen Jugoslawien. Mittlerweile leben in Österreich 370.000 Menschen mit Wurzeln in der Region des ehemaligen Jugoslawien, davon ca. 156.000 in Wien. Österreichweit gibt 160.000 ehemalige türkische Gastarbeiter und deren Nachkommen. Experten sind sich heute über die große Bedeutung der Gastarbeiter für den wirtschaftlichen Erfolg Österreichs einig.

KOSMO-Redaktion

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