INTEGRATION 23.06.2015

Wien: Erste Kassenpraxis mit Videodolmetsch

© Medico Chirurgicum
Das Medico Chirurgicum in Wien Alterlaa ist die erste österreichische Kassenpraxis, die muttersprachliche Übersetzungen per Videoübertragung macht. Derzeit noch auf eigene Kosten, da eine Einigung mit den Krankenkassen noch aussteht.

Die migrantische Mutter, die den siebenjährigen Sohn zum Übersetzten mitbringt, ist ein typisches Bild aus dem Alltag vieler österreichischer Ärzte und Krankenbetreuer. Wenn ein Patient nicht ausreichend gut Deutsch kann, greift man in vielen Spitälern und Ordinationen auch zu anderen provisorischen Lösungen, indem jemand aus Belegschaft oder ein Verwandter mit einer holprigen Übersetzung aushilft. Wenn ein Patient wegen eines Übersetzungsfehlers zu Schaden kommt, ist die Schuldfrage oftmals schwer zu klären.

„Kein Luxus, sondern Notwendigkeit“

Mit dem Videodolmetsch-System, das derzeit im Medico Chirurgicum in Wien Alterlaa, als der ersten Kassenpraxis Österreichs eingeführt wird, will man die Risiken für Patienten aber auch für die Ärzte minimieren. Was hier erstmals angeboten wird, sei „kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit", wie der Patientenanwalt Gerald Bachinger betont. Das neue System soll nicht nur eine angenehmere Situation für fremdsprachige Patienten schaffen, sondern auch Rechtssicherheit für die Ärztinnen und Ärzte bringen. „Der Behandlungsvertrag ist nur gültig, wenn der Patient auch versteht, was ihm erklärt wurde“, stellt Bachinger die rechtliche Situation klar.

500 Dolmetscher in mehreren Ländern


Das System garantiert, dass innerhalb von knapp zwei Minuten eine Leitung zu einer qualifizierten Dolmetscherin in den 20 gängigsten Sprachen steht. Insgesamt sind derzeit 500 ausgebildete Dolmetscherinnen und Dolmetscher in verschiedenen Ländern, davon 18 in Wien, jederzeit abrufbar. Eine 15-minütige Übersetzung kostet 30 Euro und wird derzeit in Medico Chirurgicum kostenlos angeboten. Die Kosten werden von den Ärzten der Gruppenpraxis selbst getragen. Dr. Friedrich Anton Weiser vom Medivo Chirurgicum hofft aber auf eine baldige Einigung mit den Krankenkassen.

„Unverständlich, dass sich die Kassen bis dato nicht engagieren. Jeder in gute Kommunikation investierte Euro rechnet sich durch das bessere Behandlungsergebnis bzw. Minimieren der Kosten von suboptimaler Behandlung“, so Weiser. Denn schließlich: Was nützt das beste medizinsiche Know-how und die neueste Technik, wenn sich Arzt und Patient nicht verstehen?

KOSMO-Redaktion

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