INTERVIEW 16.02.2015

„Was ich schreibe, ist wichtiger als meine Herkunft“

© Dirk Skiba
Die junge Autorin Sandra Gugić hat kürzlich ihren ersten Roman „Astronauten“ veröffentlicht. Wir sprachen mit ihr über Literatur mit und ohne Migratiosnhintergrund.


KOSMO: Ihr Debut-Roman ist gerade erschienen. Worum geht es darin?

Sandra Gugić: Es ist eine episodische Geschichte über sechs sehr unterschiedliche Figuren, drei Jugendliche, einen Vater, einen Polizisten und einen jungen Junky. Ihre Geschichten verflechten sich, indem sich ihre Wege in der Stadt kreuzen.

Welche Bedeutung hat der Titel „Astronauten“?

Der erste Satz des Buches lautet „Gott ist ein Astronaut“. Das ist ein Spruch, den der Jugendliche Zeno an eine Wand sprüht. Es ist auch ein Spruch, von dem er sich erinnert, dass ihn sein Vater Alen einmal gesagt hat. Der wiederum meint, das sei nur ein Hirngespinst seines Sohnes. Beim Titel ging es für mich um dieses Gefühl von Menschen, keinen Platz zu haben.

Die Figuren haben Namen wie Zeno, Darko, Alen oder Mara – aber ihr Migrationshintergrund wird trotzdem nicht wirklich zum Thema…

Ein bisschen kommt es schon vor. Es gibt Einsprengsel, wo je nach Protagonist, deren Geschichte ein wenig näher beleuchtet wird. Bei Alen ist das relativ stark, weil er einen starken Reibungspunkt mit seiner Elterngeneration hat.

Ihre eigene Familie stammt aus Serbien. Abgesehen von den, fast zufälligen, ausländischen Namen ihrer Figuren –  wie spiegelt sich Ihre eigene Herkunft in ihren Texten wider?

Auf jeden Fall darin, dass ich mich für Menschen interessiere, die einen Hintergrund haben – das muss nicht unbedingt ein Migrationshintergrund sein – der sie die Dinge ein wenig anders sehen lässt. Thematisch schreibe ich aber keine klassischen Geschichten von Menschen mit Migrationshintergrund. Es geht nicht darum, mich selbst als Person irgendwo hinzustellen, sondern eher um meinen Text.

Sie haben ursprünglich eine Ausbildung an der Modeschule Hetzendorf gemacht. Was hat Sie an Mode interessiert?

Mode war für mich eine Schule, die man schon im jungen Alter besuchen kann, an der man das Handwerkszeug für kreatives Arbeiten bekommt. Nach der Modeschule, habe ich am Theater im Bühnenbild assistiert und bin später an die Grafik gegangen.

Wie sind Sie bei der Literatur gelandet?

Schreiben wollte ich schon immer, aber ich war sehr kritisch und habe sehr lange gebraucht, um dem Zeit zu geben. Eine Initialzündung war ein Text, den ich 2008 beim Verein Exil eingeschickt habe und für den ich den zweiten Preis bekommen habe. Das hat mich bestärkt, mich an der Uni für angewandte Kunst für das Fach Sprachkunst zu bewerben. Es war natürlich ein Risiko – ich war schon berufstätig.

Welche Einflüsse abseits von Literatur beeinflussen Ihre Arbeit?

Ich liebe Kino und das Theater. Ich liebe bildende Kunst und Fotografie. Alles, wo man Eindrücke sammeln kann, die gar nicht unbedingt ans Wort gebunden sind.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSNO

„Astronauten“ von Sandra Gugić ist bei C.H.Beck erschienen und im Buchhandel erhältlich.


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