POLITIK 05.07.2013

WAHLDUELL: Stronach vs. Strache

© zVg
Unsere Wahlkampf-Berichterstattung geht mit dem zweiten Duell der Parteienchefs weiter: Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Frank Stronach (Team Stronach) stehen unserem Chefredakteur Nedad Memić Rede und Antwort.


MIGRANTEN

1.    Warum sollen Personen mit Migrationshintergrund aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Serbien bei den kommenden Nationalratswahlen gerade Sie wählen?

HC Strache: Der FPÖ wird von Gegnern immer wieder vorgehalten, eine ausländerfeindliche Partei zu sein. Ich halte fest, dass wir das keineswegs sind. Es geht uns darum, dass Österreich sich das Recht vorbehalten soll, die richtigen Menschen in unser Land einzuladen und auch Konsequenzen zu ziehen, wenn Zuwanderer mit Drogen handeln, ein Gewaltverbrechen begehen oder einfach nur ins Land kommen, um statt zu arbeiten das Sozialsystem zu belasten. Jeder, der dieses Land und seine Kultur mag und sich hier durch ehrliche Arbeit eine fruchtbare Existenz aufbauen will, muss ebenfalls Interesse an klaren Regeln haben.

Frank Stronach: Wir begrüssen alle Menschen in unserem Land, die etwas dazu beitragen wollen, dass wir Arbeitsplätze erhalten, neue schaffen und den Wohlstand der Bürger sichern können. Die Migranten, die wie jene aus Ex-Jugoslawien eine besonders gute Arbeitsethik und Einstellung haben, können hier besonders viel beitragen.

2.    Wie ist ihre Position zum Thema Staatsbürgerschaft?

HC: Die Staatsbürgerschaft ist für uns ein großer Wert und ist mit Rechten und Pflichten verbunden. Unbedingte Voraussetzung für die Verleihung der Staatsbürgerschaft müssen Unbescholtenheit sowie die ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache und der Landeskunde sein.

FS: Wenn Menschen eine gewisse Zeit hier gelebt haben, sich in die Gesellschaft integriert haben, gut Deutsch sprechen und vor allem auch die Gesetze respektieren, soll es möglich sein die österreichische Staatsbürgerschaft zu erwerben.


3.    Wie soll man die weitere Zuwanderung nach Österreich steuern?

HC: Wir wünschen uns für Österreich eine Zukunft, in der Leistungsbereitschaft belohnt wird und jene, die tatsächlich in Schwierigkeiten geraten, auch soziale Unterstützung erfahren. Das ist aber nur dann möglich, wenn wir verhindern, dass erstens Österreicher Sozialmissbrauch betreiben und zweitens Menschen nur deswegen nach Österreich kommen, um Sozialleistungen zu erhalten. Ich persönlich habe in den letzten Jahren viele Freunde aus dem ehemaligen Jugoslawien gewonnen und weiß, dass diese Bevölkerungsgruppe hier sehr viel leistet. Hier gibt es keine Integrationshürden, wie wir sie von Gästen beispielsweise aus Anatolien noch immer in zu hohem Ausmaß kennen.

FS: Wir sind offen für arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen, die unser Arbeitsmarkt braucht, aber wir lehnen die Zuwanderung ins Sozialsystem ab.


STEUERN UND BILDUNG

4.    Was sind Ihre Vorschläge zur Steuerreform und Entlastung des Mittelstands?


HC: Österreich gibt derzeit zu viel Geld für seine Verwaltung und für Subventionen aus. Im Vergleich zu der ohnehin nicht optimal verwalteten Bundesrepublik Deutschland kostet unsere Verwaltung herunter gebrochen auf die Größe unseres Landes um 3,5 Milliarden Euro pro Jahr mehr. Österreich ist überverwaltet und das bezahlt jeder Arbeitnehmer und jeder Unternehmer mit seinen Steuern und Abgaben.

FS: Wir wollen die Steuern senken, und vor allem klein- und mittelständische Betriebe sowie Familien entlasten. Die Steuergesetze sind unübersichtlich, ungerecht, kompliziert und durch unzählige Ausnahmebestimmungen nicht rechtssicher. So wird viel Geld und Zeit verschwendet. Wir brauchen ein einfaches Steuersystem, so dass jeder Bürger und Unternehmer ohne großes Spezialwissen verstehen kann. Dies würde viel Geld sparen. Wir wollen eine gestaffelte Fair Tax, um Menschen mit niedrigem Einkommen besonders zu unterstützen.

5.    Wie wollen Sie Bildungs- und Karrierechancen junger ZuwandererInnen verbessern?

HC: Wir wollen sicherstellen, dass junge Zuwanderer so rasch wie irgendwie möglich gute Sprachkenntnisse erwerben, um die Teilnahme am Unterricht ohne Hürden sicherzustellen. Sprache ist der absolute Schlüssel dazu, um eine Bildungskarriere und beruflichen Erfolg sicherzustellen.

FS: Da hat die Politik in den letzten Jahren und Jahrzehnten versagt. Aus meiner Erfahrung als internationaler Wirtschaftsmann kann ich jedenfalls sagen, dass ich dafür bin, dass alle guten Leute eine Chance bekommen. Wir brauchen Chancengleichheit und dann sieht man ja wer welche Talente hat und dadurch besonders weit kommt.

6.    Wie kann das Miteinander verschiedener Kulturen zum Wohlstand in Österreich beitragen?

HC: Es gibt in Österreich bereits seit vielen Jahren ein gutes Miteinander der autochthonen Volksgruppen. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt. Wesentlich ist für uns, dass man seine eigene Herkunft kennen und schätzen muss, um auch andere Kulturen schätzen und verstehen zu können. Es gilt also, das Gemeinsame zu suchen und vom Unbekannten zu lernen.

FS: Ich lebe ja auch in Kanada und in Toronto leben Menschen aus über 100 Nationen. Toronto ist eine pulsierende Stadt und ich glaube, dass eine bunte Gesellschaft, die Werte hat, sehr produktiv sein kann.


Lesen Sie diesen Artikel auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch in unserer aktuellen KOSMO-Ausgabe (Nr. 45. 07-08/2013).

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