INTERVIEW: TURBOKROWODN 07.05.2015

Von der Tamburica zur E-Gitarre

Sie singen in österreichischer Mundart und Burgenlandkroatisch – Turbokrowodn sind junge kreative Burgenlandkroaten, die sich ganz dem Genre des „Krowodnrock“ verschrieben haben.

KOSMO: Ihr nennt eure Musik „Krowodnrock“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Turbokrowodn: Krowodnrock ist die seltenste Musikrichtung der Welt. Das Genre gibt es nur im Mittelburgenland. Erfinder sind die burgenlandkroatische Rockformation Bruji. Bruji haben viele junge Bands inspiriert - wir sind das neueste Produkt.

Wieso habt ihr euch entschieden, eure Lieder zweisprachig zu machen?

Wir sind alle fünf Burgenlandkroaten und möchten Musik in unseren Muttersprachen machen - Burgenland-Kroatisch und Deutsch. Wir sind der Meinung, dass unsere Songs so am authentischsten klingen. Die Lieder auf dem ersten Album, welches demnächst erscheinen wird, sind zu 80 Prozent auf Burgenland-Kroatisch. Es ist auch ein wichtiger kultureller Aspekt und schadet dem Erhalt der burgenlandkroatischen Sprache in keinster Weise!

Eure Texte sind teilweise von burgenländisch-kroatischen Volksliedern inspiriert. Was ist das Besondere an diesen alten Liedern?

Alte Lieder erzählen tolle, aber auch sehr traurige Geschichten. Viele davon geraten in Vergessenheit, wir wollen dem ein bisschen entgegensteuern. Teilweise bauen wir auch Melodiefragmente dieser Lieder in unsere ein. Außerdem sind sie eine super Inspirationsquelle.  

Wenn ihr die burgenland-kroatische Kultur mit einer einzigen Sache repräsentieren könntet – was wäre das?

Hm, am ehesten die Tamburica – obwohl die Tamburica ja eigentlich gar nicht typisch für unsere Kultur ist. Die ist ja erst so um 1900 zu uns gekommen und die ganzen Tamburica-Gruppen waren halt super zur Unterhaltung der Touristen... Vielleicht wird der Krowodnrock auch einmal so bekannt werden (lacht).

Euer Sound erinnert an klassischen Yu-Rock. Was fasziniert euch an dieser musikalischen Periode?

Ja das ist richtig (lacht). Wir haben uns bewusst für einen erdigen Sound entschieden, weil wir der Meinung sind, dass das für Rock das Beste ist. Aber auch Quetschen (Akkordeon), Geigen und Tamburicas finden Platz in unseren Arrangements. Natürlich kennt man auch bei uns im Burgenland Parni Valjak, Bijelo Dugme, Prljavo Kazaliste & Co. - die haben einfach Spitzenmusik gemacht. Bei uns ist von allem etwas drin, aber den größten Einfluss hatten sicherlich Bruji auf uns.

Ihr habt vor kurzem den ersten Song eures neuen Albums veröffentlicht. Was erwartet uns auf dem Album?

Auf dem Album wird es elf Nummern geben – von Rockkrachern bis Balladen ist alles dabei. Wir haben viel Zeit in die Arrangements gesteckt und vor allem in der Vorproduktion viele verschiedene Dinge ausprobiert. Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und hoffen, dass es auch bei unseren Fans gut ankommt. Wir haben mit dem Lied „Črni oči“ diese Woche bei der SongChallange den Einzug ins Finale geschafft. Das Gesamtergebnis erfahren wir am 15. Mai bei der Siegerehrung in Eisenstadt.

Was sind eure weiteren Ziele als Band?

Wir wollen in Zukunft regelmäßiger Konzerte geben, auch im Ausland – einfach unsere Songs unter die Leute bringen. Aber auch in Wien gibt es ja eine große Szene, da wollen wir auf jeden Fall mehr machen. Uns ist aber auch klar, dass das ganze sehr anstrengend wird, schließlich haben wir ja auch noch unsere „richtigen“ Jobs.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSMO

ANHÖREN: Turbokrowodn - „Črni oči“  


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