INTERVIEW 10.03.2014

Von Bach bis Sevdah

© KOSMO / Radule Božinović
Wir sprachen mit dem jungen Klarinettisten Emir Radišević (20) über die Liebe zur Musik von Bach und Sevdah.


KOSMO: Die Klarinette und du, ihr seid seit der Musikgrundschule über das Musikgymnasium (B-H) bis jetzt zum Konservatorium in Wien unzertrennlich. Warum gerade dieses Instrument?

Emir Radišević: Eigentlich wollte ich Harmonika spielen wie alle Kinder in Bosnien, weil die dort so populär ist. In der ersten Prüfungsfrist für die Einschreibung in die Musikgrundschule in Tuzla bin ich durch die Aufnahmeprüfung gefallen. Im nächsten Jahr wollte ich wieder Harmonika spielen, aber das ging nicht, denn ich hatte gerade eine schreckliche Phase mit diesem Instrument. Die anderen Optionen waren Klarinette und Flöte, und so habe ich mich am Ende, natürlich nach dem Rat meiner Eltern, für die Klarinette entschieden.

Du hast schon viele Preise gewonnen, sowohl zu Hause wie auch im Ausland. Welcher ist dir der liebste und warum?

Am liebsten ist mir mein allererster Preis. Das war bei einem Wettbewerb in Bosnien-Herzegowina, ich glaube 2004 oder 2005. Da habe ich den ersten Preis bei einem Studentenwettbewerb gewonnen, und ich weiß, dass ich seitdem noch ernsthafter an meiner Musik arbeite.

Du bist schon mit vielen Volksmusikorchestern und auch klassischen Orchestern aufgetreten und du bist Mitglied im Orchester der Wiener Klarinettisten. Welche Musik spielst du lieber?

Ich glaube, dass jeder Musiker Genres kennen sollte, angefangen von Bach bis hin zu Sevdah. Darum habe ich, als ich noch in Bosnien in die Schule gegangen bin, oft auch mit Volksmusikorchestern gespielt. In Wien sind die Dinge ein wenig anders. Hier beschäftige ich mich viel mehr mit dem, was ich auch in meinem Leben machen will, d.h. mit klassischer Musik. Hier gibt es viel mehr Möglichkeiten, in Orchestern zu spielen, sowohl in Symphonieorchestern als auch in kleineren Kammerorchestern.

Wo und wie kann man deine Auftritte sehen?

Ich trete genauso oft in Wien auf wie auch außerhalb von Wien. Es laufen auch einige Konzertverhandlungen in Belgien und Frankreich. Ich spiele auch Klassenabende im Konservatorium, d.h. öffentliche Stunden, wo meine Kolleginnen und Kollegen und ich präsentieren, was wir im Unterricht machen.

Was sind deine weiteren Pläne?

Mein Plan ist es, das Grundstudium, möglichst bald abzuschließen und danach ein Masterstudium zu beginnen, vielleicht an einem Konservatorium in Österreich, aber vielleicht auch anderswo. Außerdem habe ich eine Art Minitournee durch die Länder des ehemaligen Jugoslawien geplant. Mit Fleiß erreicht man immer auch gute Resultate, davon habe ich mich schon unzählige Male überzeugt.

Interview: Sandra Radovanović


Das könnte Sie auch interessieren:

Amira Medunjanin: „Sevdah ist tiefste Emotion“
Interview Frenkie: „Bosnien muss sich erheben“
Die musikalische Balkanmischung

Lesen Sie mehr aus der
KULTUR

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook