MUSIK 22.10.2014

Vom Balkan um die Welt

© Barbara Heske
Die Wiener Band Balkan Tango Vibes spielt eine Mischung aus Balkan und Tangomusik. Gegründet wurde die Multi-Kulti-Truppe von ihrem Komponisten, Sänger und Geiger Risto Nikolić. KOSMO traf ihn zum Interview.


KOSMO: Risto, du bist ein echter Kosmopolit - geboren in Sarajevo, geflüchtet nach Belgrad und dann weiter nach Kanada, Studium in den USA und in New York gelebt, wo du Geiger der Punkband „Bad Buka“ wars. Wie bist du nach Wien gekommen und hast Band Balkan Tango Vibes gegründet?

Risto Nikolić:
Das ist schon verrückt. Vielleicht war ich die ganze Zeit auf dem Weg nach Wien, aber auf Umwegen. Aus Amerika haben sie mich nach fünf Jahren hinausgeworfen, weil ich mir nicht rechtzeitig ein Visum besorgt hatte. Aber immerhin verdanke ich den Amerikanern, dass ich jetzt hier bin. Ich bin eigentlich zum Studieren nach Wien gekommen und habe hier meine besten Freunde kennengelernt, die Mitglieder unserer Band Miroslav Jankeh (Harmonika), Matthias Waldthaler (Gitarre), Matthias Eichhorn (Bassgitarre) und Dušan Milenković (Schlagzeug).

Wie kamt ihr zu eurem Stil?

Das ist dieser „Opa-cupa’’-Stil, den wir entwickelt haben. Von allem ist ein bisschen was in unseren Sound eingeflossen, von Bosnien-Herzegowina bis zur Slowakei, von Serbien bis nach Südtirol. Der Tango ist durch die Hintertür dazugekommen. Schon der Name „Balkan Tango Vibes“ beschreibt meinen Kompositionsstil: Wir sind eine echte Multi-Kulti-Band, das sieht man auch an den Nationalitäten unserer Bandmitglieder.

Bildet diese Lebendigkeit eures Stils einen Kontrast zu dieser Stadt? Man sagt ja oft, dass das in Wien fehlt…

Wie soll ich einen Abend in Wien beschreiben? Wien ist eine der interessantesten Städte der Welt, wenn es um Kunst und Kultur geht. Künstler sind empfindsame Menschen, die auf ihre Umgebung reagieren. Die österreichische Metropole inspiriert uns, sie ist in unserer Musik. Ich muss sagen, dass Wien sehr lebendig ist. Man muss nur offen, besser informiert und zum Handeln bereit sein.

Welche Botschaft wollen ihr mit eurer Musik vermitteln?

In unseren Konzerten gibt es keinen Computer, keine Flammenwerfer oder ähnliches Gerät. Wir versuchen, das Leben auf seine Wurzeln zurückzuführen, auf Spiel und Liebe. Von der Bühne sehen wir oft junge Leute, die sich kennenlernen, einander näherkommen, sich küssen und Ähnliches. Wenn irgendetwas davon durch unsere Musik ausgelöst wurde, dann ist sie gut!

Warum geht es in euren Liedern dann nicht öfter um die Liebe und das Kennenlernen? Meistens sind es ja Parodien…

Weil das Leben selbst eine absurde Parodie ist. Unsere Texte haben vielleicht kein Happy End à la Hollywood, aber sie sind didaktisch und die Botschaft ist immer optimistisch. Viel davon liegt auch im Rhythmus, der Melodie, der Show und der positiven Atmosphäre der Konzerte. Das heißt: Ja, wir glauben an die Liebe; für sie geben wir alles (lacht).

Kürzlich sind Sie auf dem S.A.R.S.-Konzert als Vorgruppe in Wien aufgetreten…

Wir treten schon seit drei Jahren mit der Spitze der Wiener World Music-Szene auf. Auf dem Integrationsball im Rathaus wurden wir als eine der derzeit einflussreichsten Weltmusik-Bands aus Österreich vorgestellt. Das S.A.R.S.-Konzert war fantastisch und die Atmosphäre phänomenal. Wir sind den Kollegen von der Belgrader Szene dankbar, dass sie so ein unwahrscheinliches Publikum zusammengebracht haben. Solche Auftritte versetzen unsere Grenzen.

Tretet ihr auch auf dem Balkan auf?


Wir führen erste Gespräche mit verschiedenen Festivals in unserer ganzen Region. Den Winter verbringen wir in Wien und dann kommt die musikalischere Jahreszeit, da treten wir so ziemlich überall auf. Ich möchte nur das Demo Fest in Banja Luka erwähnen, das für neue Bands ein hervorragendes Sprungbrett ist. Aber Wien ist unsere Basis und wir laden alle Ihre Leser ein, zu unseren Auftritten zu kommen. Unser nächstes Konzert ist am 11.11. bei der feierlichen Eröffnung des „Schwarzenberg“-Clubs (des ehemaligen Ost-Klubs).

Interview: Sandra Radovanovic / KOSMO

www.balkantangovibes.com

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