HOCHWASSER 23.05.2014

Versöhnung im Angesicht der Katastrophe

© zVg.
Viele sprechen in diesen Tagen von einer interethnischen Versöhnung zwischen den einst verfeindeten Volksgruppen Ex-Jugoslawiens. Das Hochwasser in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien hat auch einige der nationalen Vorurteile weggespült.


„So eine Katastrophe musste geschehen, damit die Menschen begreifen, dass es keine Rolle spielt, wer Hühnerfleisch und wer Schweinefleisch isst“, wird ein Bürger der Stadt Doboj in der Republika Srpska, dem mehrheitlich serbischen Landesteil Bosnien-Herzegowinas, in einem Bericht der Nachrichtenagentur FENA zitiert. Seine Heimatstadt zählt zu den am schwersten betroffenen Gebieten der Hochwasserkatastrophe.

Die Bürger von Doboj berichten, vor allem aus dem Landesteil der Föderation Bosnien-Herzegowina besonders viel Hilfe erhalten zu haben. Eine Welle der Solidarität kam aus der nahegelegenen Stadt Tešanj (Föderation) in dem vorwiegend Bosniaken leben. Aus der benachbarten kroatisch besiedelten Gemeinde Usora wurde eine mobile Ambulanz mit medizinischer Hilfe nach Doboj geschickt.

Seit dem Dayton-Abkommen von 1995, dass den blutigen Krieg in Bosnien-Herzegowina beendete, ist das Land in zwei Teile geteilt – in die vorwiegend von Serben bewohnten Republika Srpska (RS), und den von mehrheitlich Kroaten und Bosniaken bewohnten Teil, der Föderation-Bosnien-Herzegowina.

Gulasch für 10.000 Menschen

In der Stadt Maglaj (Föderation), die zu den ersten Opfern des Hochwassers gehörte, kam es zu einer bewegenden Geste der Solidarität. Einwohner aus dem nahegelegenen Prnjavor (RS) kamen in die Stadt, um den Opfern der Hochwassers zu helfen. Mitten im Ortszentrum stellten sie einen riesigen Kessel auf, in dem sie ein Kesselgulasch zubereiteten. Die Zutaten für 10.000 Portionen Gulasch wurden von einfachen Bürgern und Unternehmern aus Prnjavor gespendet. Auch eine Brauerei in Banja Luka hat mehrere Tonnen Lebensmittel nach Maglaj geschickt.

Auch aus Serbien kommen ähnliche Meldungen. So wurde aus der serbischen Stadt Obrenovac berichtet, dass serbische Polizeibeamte und Angehörigen der kroatischen Polizei angesichts der Katastrophe zusammengearbeitet haben. In einem Beitrag des kroatischen Privatsenders Happy TV berichten die Polizeibeamten von einer reibungslosen Kooperation angesichts der Krise.

Solche Berichte geben Anlass zur Hoffnung. Das Hochwasser in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien könnte auch einige der nationalen Vorurteile weggespült haben. Bleibt abzuwarten, ob das nicht nur auf die Hochwasseropfer sondern auch auf die Politiker zutrifft.

KOSMO-Redaktion

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