ÖSTERREICH 20.06.2013

Versicherungsschutz bei Naturkatastrophen

© istockphoto.com
In ganz Österreich laufen nach der Hochwasser Katastrophe, die Ende Mai und Anfang Juni in weiten Teilen Österreichs, Deutschlands und Tschechiens große Schäden hinterlassen hat, nun die Aufräumarbeiten. Hilflos mussten die Menschen zusehen, wie ihr Hab und Gut von den gewaltigen Wassermassen zerstört und davon geschwemmt wurde. Eigenheime, die teils von eigener Hand mühevoll aufgebaut wurden, standen komplett unter Wasser und neben dem Inventar und Wertsachen sind auch persönliche Erinnerungen, Träume und Existenzen zu Bruch gegangen.

Die Bilder und Erfahrungsberichte über die Auswirkungen des aktuellen Jahrhundert-Hochwassers in Teilen Deutschlands, Österreichs, Tschechiens und weiteren Ländern sind schockierend. Die Bewohner in den betroffenen Regionen scheinen den immensen Wassermassen hilflos ausgeliefert zu sein und können nur darauf warten, bis der Was-serspiegel sinkt, um dann das Ausmaß der Naturkatastrophe begreifen zu können und zu sehen, was die braune Brühe noch gelassen hat. Das Wasser wird gehen, aber der Schlamm und die angerichteten Schäden bleiben.

Naturkatastrophen in Deutschland, Österreich und dem Balkan

Im Vergleich zu den USA und auch Asien sind die Naturkatastrophen bezogen sowohl auf die Anzahl, als auch auf die Schäden in Europa relativ glimpflich. Dennoch gibt es Erdbeben, Schneestürme und vor allem Hochwasser, die Europa immer wieder schwer zu setzen. Durch die Elbe und Donau ist in Österreich und Deutschland Hochwasser die größte Gefahr und in Alpengebieten gefährden immer wieder Erdrutsche und Lawinen die Bevölkerung. Die technische Weiterentwicklung in Form von Frühwarnsystemen mit Kartenprojektionen inklusive der Kennzeichnung von Gefahrenzonen wird dadurch immer bedeutender.  Gefahrenzonen können so teilweise frühzeitig erkannt und evakuiert werden.

Bei der Auswertung von Katastrophenszenarien besitzt die Balkanhalbinsel erhöhtes Gefahrenpotenzial. Albanien, Serbien, Griechenland und Kroatien sind besonders gefährdet, wenn es um Dürreperioden, Überschwemmungen, Großbrände und Erdrutsche geht. Erst vor wenigen Wochen hat ein Erdbeben der Stärke 4,4 Athen erschüttert und Schäden verursacht. Laut behördlichen Angaben gab es aber keine Verletzten.

In Bosnien und Herzegowina geht das Wetter jedes Jahr von einem Extrem ins andere über: Neben Hitzewellen im Sommer, die das Land austrocknen und zu Wassermangel und Ernteausfall führen, ist das Land auch von extremen Unwettern betroffen, die die Seen überschwemmen lassen und für gefährliche Hochwasser auf dem Festland sorgen. Zuletzt wurde 2010 der höchste Pegel seit 104 Jahren beim Grenzfluss Drina zwischen den drei Balkan-Ländern Bosnien, Serbien und Montenegro verzeichnet: Der Fluss wurde zum reißenden Strom und Häuser in Ufernähe standen teilweise bis zum Dach unter Wasser. Weite Flächen wurden überschwemmt, der Notstand ausgerufen und viele Be-wohner aus Sicherheitsgründen evakuiert. 

In Kroatien hat die oft sehr extreme Sommerhitze bereits häufig zu Busch- und Waldbränden geführt, die nur schwer in Griff zu bekommen waren. Erst im Sommer letzten Jahres gab es im Dalmatinischen Hinterland die schwersten Waldbrände seit 10 Jahren, die hunderte Hektar Land zerstörten.

Versicherungen als Schadensprävention

Für viele bleibt nach einer Katastrophe neben der Leere und Trauer auch die bittere Erkenntnis, dass das Verlorene wahrscheinlich nicht mehr in vollem Maße ersetzt werden kann. Besonders schwer haben es Betroffene, die keine entsprechenden Versicherungen  abgeschlossen haben, um zumindest einen Basisanteil des persönlichen Hab und Guts entsprechend zu versichern und zu schützen. Denn ein Basisschutz der Haushaltsversicherung inkludiert nur Schäden, die durch Hagel, Sturm oder beispielsweise Steinschlag verursacht wurden. Naturereignisse, wie Muren, Lawinen oder extreme Hochwasser müssen zusätzlich versichert werden.

Geht man also von einem Eigenheim mit Keller und einer Wohnnutzfläche von 100m2 aus, so wären monatlich lediglich 43,65 Euro Versicherungsprämie einzuzahlen. Der Schutz bei einer solchen Eigenheimversicherung umfasst neben Schäden durch Feuer auch Schäden, die durch Naturgewalten verursacht werden- wie Hagel, Sturm, Felssturz, Steinschlag, Erdrutsch und Hochwasser- oder auch Schäden, die durch den Austritt von Leitungswasser entstehen“, rechnet Versicherungs-Experte Hanns-Ulrich Brockhaus mit dem Versicherungsrechner von ERGO Direkt vor. Die Versicherungssumme für das Ei-genheim beläuft sich in diesem Fall auf EUR 300.000,-.

Die Versicherungssumme für Naturgewalten wie Hochwasser ist aber im Regelfall weitaus geringer. Daher ist es empfehlenswert sich im Vorfeld ganz genau zu erkundigen bis zu welcher Summe man versichert ist. Die Arbeiterkammer OÖ  hat ermittelt, dass sich die Deckungssummen für Katastrophen im Bereich von 3.000 bis 10.000 Euro bewegen. Ein detaillierter Vergleich beim Abschluss ist daher unbedingt anzuraten, so der Experte. Be-sonders Hausbesitzern in Hochwasser-Krisengebieten, die oft von Hochwasser betroffen sind, können solche Vergleiche und eventuelle Zusatzversicherungen zu Gute kommen, um im Ernstfall zumindest den finanziellen Schaden etwas in Grenzen halten zu können.

Idee einer verpflichtenden Naturkatastrophen-Versicherung


Der Basisschutz von Haushalts- und Eigenheimversicherungen ist für Katastrophenszena-rien nicht ausreichend und viele Betroffene halten es für nicht notwendig einen ergänzenden Katstrophenschutz in Form einer speziellen Versicherung abzuschließen. Daher wird der Ruf nach einer verpflichtenden Naturkatastrophen-Versicherung immer lauter, auch wenn dieses Modell polarisiert, weil hierdurch jeder Bürger zu zusätzlichen Steuerzahlungen verpflichtet werden würde.  Eine verpflichtende Deckungserweiterung soll gewährleisten, dass im Schadensfall die Betroffenen Anspruch auf eine vollständige Entschädigung haben, die jedoch von allen Versicherten durch die Zahlungen abgedeckt werden müsste. Die staatlichen Krisenfonds könnten dadurch gesenkt werden, aber die finanzielle Steuerbelastung der Versicherten würde steigen.
Jahrhunderthochwasser und andere Katastrophenszenarien zerstören Existenzen, aber eine entsprechende Vorbeugung durch spezielle Zusatzversicherungen kann den Neustart erleichtern. Die technische Weiterentwicklung und Serviceleistungen, wie SMS-Warnungen vom Versicherer an den Kunden können dabei helfen, aber das Problem nicht vollends lösen. Im Vordergrund stehen immer noch die Bereitschaft der Menschen zur Mithilfe und die Aufarbeitung der Ereignisse, um Betroffenen in Zukunft mehr Sicherheit gewährleisten zu können.

KOSMO-Redaktion

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