KOSMO-BLOG: AUSTRIA MEETS BALKAN 24.09.2014

Verliebt in Kroatien

© Privataufnahme
Wenn Österreich auf Balkan trifft: Unsere Bloggerin Nicole Rauscher war zum ersten Mal auf Strandurlaub in Kroatien.


Bolje ikad nego nikad*

Wie bei den meisten Švabos ging es bis weit in die Pubertät im Urlaub immer an den italienischen Hausmeisterstrand. Jahr für Jahr ein Campingplatz im Vèneto, ein Holzbungalow für die ganze Familie, am Strand Gelati und die Marokkaner, die für wenig Geld gefälschte Uhren und Handtücher verkauften – und die Beine in die Hand nahmen, sobald jemand „Polizia!“ rief. Vor diesem Hintergrund kann man sich meinen Enthusiasmus vorstellen, als der Liebste vorschlug, meinen Reisehorizont um Hrvatska* zu erweitern.

Zikaden im Olivenhain

Als ich auf kroatischem Boden zum ersten Mal aus dem Auto stieg, dröhnte die Luft vom Gesang der Zikaden. Des Hundes wegen und aus Budgetgründen entschieden wir uns für eine Fischerhütte im dalmatinischen Tisno, mit Solardusche und Strom aus LKW-Batterien, der jegliches Guthaben beim ökologischen Fußabdruck wieder zunichte machte. Das Privatgrundstück war bis auf einen großzügigen Bereich mit liebevoller Kräuterbepflanzung vor der kuća und dem Weg zum Strand komplett verwildert. Die zahlreichen Olivenbäumen, zu denen sich hie und da eine Feige gesellte, bogen sich unter der Last der Früchte und die Hängematte vor dem Haus hätte ich nach dem ersten Probeliegen beinahe als Zweitwohnsitz angemeldet. Das Nachbargrundstück zur Linken hatte ewig niemand betreten. Zu unserer Rechten lag eine videoüberwachte Starlet-Villa, die in der verschlafenen Landschaft wie ein Hochsicherheitstrakt  wirkte.

Na Moru*

Die weiße Steinmauer, die, oft nur zwei Handbreit hoch, das Grundstück begrenzte, ließ zum Meer hin einen Stufenabgang frei. Der eigens angelegte Steg samt Liegefläche war zwar auf öffentlichem Grund, allerdings nur via Boot einfach zu erreichen und deshalb wunderbar einsam gelegen. Nur einmal verirrte sich ein deutsches Pärchen zu uns, das das abgelegene Plätzchen zum Ganzkörper-Sonnen nutzte.
Auf meinen allerersten Seeigel hatte ich mich mit Badeschuhen vorbereitet. Den stacheligen Bastard ließ die Zentimeter-dicke Gummisohle allerdings völlig unbeeindruckt und nach 10 Minuten im Wasser, hatten wir schon schmerzhaften Vollkontakt.

Dolče vita


Für das leibliche Wohl von Hund und Mensch sorgte fast ausschließlich der örtliche mesar*, der sich über die Menge von uns gekaufter Innereien fast ebenso freute, wie wir uns über seine Čevapčići und Pljeskavice*. Aus Gründen urlaubsbedingter Faulheit füllten wir den Biervorrat im Supermarkt des nächstgelegenen Campingplatzes und den Autotank an einer Bootstankstelle auf. Den landestypischen Prošek, der seit dem EU-Beitritt wegen «frappierender» Namensähnlichkeit zum italienischen Prosecco ins Gerede kam, kauften wir bei einem Haus mit Pappschild um zu viel Geld für eine Plastikflasche mit grünem Deckel.

Als wir zum Abschied bei Jadran in Murter Thunfisch-Steak von Alu-Serviertellern aus den 80ern aßen, philosophierten wir darüber, dass man so schon leben könnte. Zwischen im Sonnenlicht silbrig glänzenden Olivenblättern, von der Bura geküsst.

Nicole Rauscher

*Švabo-Legende:
Bolje ikad nego nikad. – Besser irgendwann als nie. / Hrvatska – Kroatien / na moru – am Meer / mesar – Fleischer / Pljeskavice – Fleischlaberl


From Belgrade with Love

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