KOMMENTAR 01.12.2014

Verkauftes Christentum?

© zVg.
Für einen arabischen Sponsor entfernt Real Madrid das christliche Kreuz aus seinem Logo. Das erinnert an die Diskussion über Kreuze in Österreichs Klassenzimmern.


Der spanische Traditionsverein Real Madrid hat vor kurzem etwas gemacht, das für Kontroversen sorgte: Er entfernte das christliche Kreuz aus seinem Vereinswappen. Der Grund: Ein großer Sponsoring-Vertrag mit der Nationalbank von Abu Dhabi. Ist das der Ausverkauf des Christentums? Oder gar der Kniefall vor den Befindlichkeiten muslimischer Milliardäre? Ähnlich hitzige Diskussionen gab es schon über Kreuze in Österreichischen Klassenzimmern oder den Besuch des Nikolo in heimischen Kindergärten.

Das sich die Änderung des Logos nur auf die Kreditkarten der Nationalbank Abu Dhabi bezieht, wird in den markschreierischen Schlagzeilen gerne überlesen. Daneben sollte man nicht vergessen: Real Madrid ist, wie alle erfolgreichen Sportteams unsere Zeit, ein sehr multikultureller Verein. Seine Erfolge verdankt er Spielern aus unterschiedlichsten Herkunftsländern, mit unterschiedlichen Hautfarben, Kulturen und Religionen – oder auch Atheisten. Es ist also durchaus eine legitime Frage, wieso all diese Menschen unter einem christlichen Kreuz spielen sollten.

Haben religiöse Symbole etwas im Sport zu suchen?


Gerade der Sport sollte ein Feld sein, auf dem Religion, Abstammung oder Nationalität keine Rolle spielen. Was zählt ist der Einsatz und die Leistung der Sportlerinnen und Sportler. So gesehen, ist es nur konsequent, religiöse Symbole aus den Logos der Mannschaften zu entfernen.

Wie weit man die eigenen Traditionen zurücknehmen sollte, um dem anderen entgegen zu kommen, ist wohl für jeden eine individuelle Entscheidung. Und wie sehr ein Kreuz in einem Fußball-Logo oder ein als Nikolo verkleideter Pädagoge den tatsächlichen religiösen Glauben widerspiegeln oder ob es sich eher um kulturelle Bräuche handelt, ist eine andere Frage. Wirklich bedauerlich ist nur, dass das Kreuz allein wegen eines (vermutlich entsprechend großen) Sponsoring-Deals aus dem Mannschafts-Logo weichen musste und nicht als Ergebnis einer demokratischen Diskussion.  

Ljubiša Buzić / KOSMO

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