REPORTAGE 07.03.2014

Verbotene Liebe

© KOSMO / Radule Božinović
Auch heute noch gibt es Geschichten wie Romeo und Julia. Aber in den Geschichten, die wir hier bringen, hat die Liebe gesiegt. KOSMO sprach mit einigen dieser Paare.


Dragana und Simo

Sie waren beide 17, als sie sich in einer Wiener Diskothek zum ersten Mal sahen. “Ich wusste sofort – “Die wird meine Frau”, erinnert sich Simo Simić (37). Ihre und Simos Freunde trafen sich mehrere Wochenenden in Folge, dann begannen sie, sich alleine zu treffen, und schließlich wurden die beiden ein Paar. Es war alles wie im Märchen. Bis es zum ersten Treffen mit seinen Eltern kam.

„Meine Eltern waren geschockt, als sie sie sahen. Die Tatsache, dass Dragana eine Romni ist, war für sie das Ende der Welt. Eines Tages beriefen sie einen großen Familienrat ein, wo sie mich vor die Wahl stellten: mich von Dragana zu trennen oder ihre Wohnung zu verlassen“, erinnert sich Simo an seinen Rausschmiss. Es war Winter, Simo hatte kein Geld, aber ich er zog zu einem Freund, und wurde bald ins Elternhaus seiner Dragana aufgenommen.

Als er schließlich doch wieder zu seiner eigenen Familie zurückkehrte, begann alles von Neuem. „Sie erpressten mich, drohten mir, machten Versprechungen - und ich gab nach. Ich versuchte mehrere Monate lang, mich von ihr fernzuhalten, aber ich litt schrecklich, genauso wie sie”, erzählt Simo traurig.

Heute, nach zwanzig Jahren, lebt das Paar immer noch zusammen. Mittlerweile verheiratet, mit Kindern und einem eigenen Haus. Dragana wurde Filialleiterin in einer Bank und Simos kleine Firma machte gute Fortschritte. Dennoch macht sich Simo keine Illusionen mehr, wenn es um die Beziehung seiner Eltern zu Dragana geht. „Vor gar nicht langer Zeit erst sagte mir mein Vater, dass es für mich noch nicht zu spät sei, mich scheiden zu lassen“, erzählt Simo.

Romeo und Julia aus Serbien und Kosovo


Bilja (23) ist Serbin und Ljurdim (25) ist Albaner aus dem Kosovo. Nach Wien kamen sie auf der Flucht vor dem Zorn ihrer Eltern.

„Wir sind beide in Österreich geboren und kennen uns schon aus der Schule. Als wir uns kennenlernten, sprachen wir nur Deutsch miteinander, wie auch alle anderen in unserem Freundeskreis. Niemand fragte nach der Herkunft”, erzählt Bilja leise und knetet nervös die Spitzen ihrer langen Haare zwischen den Fingern. „Wahrscheinlich hätte unser stilles Glück angedauert, wenn meine Mutter nicht davon erfahren hätte. Als ich eines Abends nach Hause kam, erwartete mich das Chaos. Meine Mutter weinte und mein Vater begann sofort, mich anzuschreien. Er erwähnte die Gräber unserer Vorfahren und die Schande, die ich über ihn brachte, weil mein Freund Albaner sei“, fährt Bilja fort.

Zwei Tage lang hörte  Ljurdim  nichts von seiner Freundin. Erst am dritten Tag erhielt er eine SMS, in der stand, dass ihre Eltern glaubten, er sei Albaner und dass sie deswegen zuhause einen Aufstand gemacht hätten. „Ich antwortete, dass es stimmt, dass ich Albaner bin, aber dass ich nicht wüsste, warum sie das so ärgerte. Ich war schockiert, als sie mir antwortete, dass sie aus Serbien stamme und dass es für uns keine Zukunft gäbe.“

Das junge Paar lebte noch fünf Monate in seiner Geburtsstadt. Sie arbeiteten und lebten bescheiden. Die Eltern behandelten sie weiterhin schlecht, nur Ljurdims älterer Bruder blieb mit ihnen in Kontakt. Als die Schikanen nicht aufhörten, wurde ihnen klar, dass sie sich einen neuen Platz zum Leben suchen mussten.

Über Freunde fanden sie eine  Wohnung und Arbeit in Wien. Schnell haben die beiden geheiratet, und sind hier zum ersten Mal zur Ruhe gekommen. Auch ein Baby ist schon unterwegs. Der Widerstand der Eltern hat sie nur noch mehr zusammengeschweißt.

Bilja ist immer noch vom Verhalten ihrer Eltern enttäuscht. „Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, habe ich meine Mutter angerufen, um es ihr zu erzählen. Aber sie begann, mich anzuschreien und zu verfluchen. Ich werde ihr niemals verzeihen, dass sie mein Baby ein ‚verfluchtes Schiptarenbalg’ genannt hat.“ Bei diesen letzten Worten kann Bilja ihre Tränen nicht zurückhalten.

Vera Marjanović / KOSMO

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook