PANORAMA 07.11.2013

Unsere große Chance

© KOSMO / Radule Božinović
Eine der beliebtesten österreichischen Shows, Die große Chance, hat auch Teilnehmer aus unserer Region. Wir haben das Trio Piller getroffen. Sandra, Danijel und Darko erzählten uns von ihrem Weg von Belgrader Straßenmusikern auf die große Fernsehbühne.


KOSMO: Wie und wann habt ihr begonnen, eure Instrumente zu spielen?

Darko:  Das war so etwa 2002. Unser Vater ist ein Volksmusiker. Er spielt Keyboard und so haben wir begonnen,  er hat uns selbst unterrichtet. Ich konnte „Violine“ nicht einmal richtig aussprechen, sondern habe immer „Vijorina“ gesagt. Später habe ich selbst meine kleine Schwester Sandra ebenfalls auf der Violine unterrichtet, Danijel begann mit der Harmonika und etwa zu derselben Zeit haben wir begonnen, in der Belgrader Fußgängerzone „Knez Mihajlova“ zu spielen.

Ihr habt in Serbien bei der TV-Show „Ich habe Talent“ (Ja imam talenat) mitgemacht und gewonnen. Wer hat euch für die Show angemeldet?

Danijel: Ob Sie es glauben oder nicht, es war Ivan Tasovac persönlich, der Leiter der Belgrader Philharmonie. Er ist mehrmals vorbeigekommen und hat zugehört, wie wir spielen. Später hat er uns auch in die Kinderphilharmonie eingeladen. Er erzählte der Produktion von uns und so kamen wir auf die Bühne der Sendung „Ich habe Talent“. Wir sind glatt durch alle Runden gekommen und im Finale haben die Menschen für uns gestimmt und wir haben gewonnen.

Was habt ihr mit dem Gewinn gemacht?

Danijel: Wir haben eine Wohnung in Belgrad gekauft und uns in Wiener Schulen eingeschrieben. Jetzt studieren wir hier und Sandra geht in eine Musikhauptschule. Wir haben hier ein Ausbildungsstipendium und haben uns um eine Gemeindewohnung beworben. Ich hoffe, dass wir bald eine bekommen werden, denn wir spielen in einem einzigen Zimmer und einem Kabinett. Es ist ein bisschen eng und wir stören uns gegenseitig.

Und du, Sandra, wie war das für dich, als Jüngste?  War es dir unangenehm auf der Straße zu spielen?

Sandra: Wir haben auf der  Straße wir viel gelernt. Wir haben die Angst vor dem Publikum verloren, für die Schule geübt, und gleichzeitig Geld verdient. Damals ging es uns finanziell nicht gut, und so haben wir das Schöne mit dem Nützlichen verbunden. Mir war es überhaupt nicht peinlich, mit meinen Brüdern zu spielen, im Gegenteil, ich war stolz darauf.

Wo war es schwieriger, hier oder in Belgrad? Könnt ihr diese beiden Sendungen vergleichen?

Danijel: Na ja, in Serbien waren wir nervöser, aber wir hatten auch unser eigenes Publikum. Andererseits wissen wir jetzt, was uns erwartet und wie das alles abläuft. Ich glaube, dass die Konkurrenz in Serbien größer war, es waren viel mehr Kandidaten angemeldet, was heißt, es gibt auch mehr Talente.

Wie könnt ihr eigentlich in der kleinen Wohnung üben? Stört man sich da nicht gegenseitig?

Darko: Danijel stört mich ein bisschen mit seiner Harmonika. Das Instrument ist lauter als die Geige, da muss ich halt flüchten. Manchmal gehe ich zum Spielen in die Küche, manchmal ins Kabinett. Irgendwie einigen wir uns immer. Ich selbst spiele täglich fünf, sechs Stunden Geige, meine Schwester etwa zwei und mein Bruder übt viel in der Schule. Manchmal beschweren sich unsere österreichischen Nachbarn über den Lärm, aber was sollen wir machen, wir können nirgendwo anders hin. Jetzt wird es besser, wenn sie uns im Fernsehen sehen.

Ich habe gehört, dass ihr auf Wettbewerben schon viele Preise gewonnen habt und dass du Europameister auf der Harmonika bist?

Danijel: Ja, mein Bruder und ich haben viele Preise gewonnen. Ich war vor einem Monat in Italien in einem kleinen Ort bei Ancona auf dem wichtigsten Wettbewerb der Harmonikaspieler. Es gab dort 24 Teilnehmer aus verschiedenen europäischen Ländern, und ich habe gewonnen. Der Serbe Nikola Kerkez ist Zweiter geworden. Anschließend bin ich 200 Kilometer weiter nach Süden gefahren, nach Lancignano, wo ich ebenfalls gewonnen habe, obwohl die Konkurrenz sehr stark war. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Professor Jovica Đorđević danken, der mich darauf vorbereitet hat.

Darko, du bist auch sehr erfolgreich, wir haben gehört, dass du Assistent an der Akademie geworden bist…

Darko:  Ich bin im Moment am Gustav Mahler Konservatorium bei dem bulgarischen Professor Magister Jevgeni Ševkenov, der auch Dirigent ist. Wir hatten viele Auftritte und halten Seminare, und ja, ich bin sein Assistent. Hier in Wien hatte ich auch einige erste Preise bei verschiedenen Wettbewerben, aber im Moment ist uns die Teilnahme bei der großen Chance am wichtigsten, denn das kann uns in unserer Karriere helfen. Vielleicht werden wir auch hier in Österreich bekannt.

Interview: Zoran Radojković Pile

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