KOSMO-SERIE 03.09.2014

Unsere Wunderkinder

© KOSMO / Radule BoĹľinović
Sie haben besondere Talente in der Musik, Kunst, Mathematik oder im Sport. Statt mit Spielzeug beschäftigen sie sich lieber mit der Wissenschaft. KOSMO ist stolz, einige besonders begabte Kinder aus unserer Community vorzustellen. Teil 1 der KOSMO-Serie über unsere Wunderkinder mit dem Geschwisterpaar Miloš und Milica.


In den Biographien weltbekannter Wissenschaftler, Künstler und Sportler steht oft, dass sie sich schon in früher Kindheit von ihren Altersgenossen unterschieden. Das gilt auch für die kleinen Genies aus unserer Region in Wien, die mit ihren Fähigkeiten die Erwachsenen begeistern, aber auch beunruhigen. Denn sie beherrschen (fast) alles, einschließlich ihrer schulischen Anforderungen, mit Leichtigkeit.

Miloš Stosiek (9) - Eine Fantasie, die begeistert

Die sprühenden Einfälle dieses kleinen Burschen möchte man am liebsten alle aufschreiben. Seine Sätze sind bewundernswert durchdacht und unwahrscheinlich humorvoll. Er überrascht sogar seine Eltern Nataša Stosiek, eine bekannte Pianistin, und Tobias Stosiek, einen bekannten Cellisten, beide Universitätsprofessoren, jeden Tag aufs Neue. Miloš kommt gerade in die vierte Klasse, ist ein hervorragender Schüler und besucht parallel dazu auch die Musikschule.

„Ich habe nur Einser außer im Stricken. Aber häkeln kann ich besser. Im Sport spiele ich am liebsten Fangen mit den anderen Kindern, denn ich bin ein schneller Läufer. Aber ich bin auch ein sehr guter Mathematiker. Aber das heißt nicht, dass die Mathematik mein Beruf werden soll. Ich will Cellist oder Schauspieler werden“, erzählt Miloš mit der Eloquenz eines Erwachsenen. „Cello spielt auch mein Vater und die Schauspielerei gefällt mir wegen Liam Neeson. Er spielt in „Krieg der Sterne“, ist 61 Jahre alt und 193 cm groß“, schüttelt Miloš die Daten seines Idols aus dem Ärmel.

Star Wars und mathematische Musik

Dieses Wunder von einem Kind hat mit vier Jahren sein Cello in die Hand bekommen. Er sagt, er habe es damals nicht besonders gemocht, aber: „Auf jeden Fall habe ich es weniger gemocht als heute.“ Er tritt bei Schulkonzerten auf und hat Österreich gemeinsam mit seiner Schwester Milica im vergangenen Herbst beim Kinderfestival Radost Evrope in Belgrad vertreten. Vor einigen Jahren hat Miloš mathematisch Noten geschrieben, d.h. er hat sein eigenes Notensystem für das Klavier erfunden. Gerne neckt er seine Schwester ein bisschen und sagt: „Die Geige ist OK, aber ein bisschen langweilig. Ich mag die Musik von Tschaikowsky. Ich mag auch John Williams, der für „Krieg der Sterne“ komponiert hat“, verrät Miloš, der zwar den Kultfilm liebt, nicht aber den wirklichen Krieg.

Das Hobby dieses Buben ist es, Comics zu zeichnen. Er erfindet Helden von anderen Planeten und ihre Dialoge. Im Vertrauen erzählt er, dass er beim Schreiben Rechtschreibfehler macht, aber er verspricht voller Ernst, sich zu bessern. Seine neueste selbst erfundene Figur ist ein Superheld, der mit Fell bewachsen ist, das ihm Macht verleiht. „Das Zeichnen wird mein Leben lang ein Hobby bleiben. Vielleicht könnte ich meine Comics verkaufen, das ist eine gute Idee. Ich habe viel Zeit zum Spielen, aber zu Hause will keiner mit mir spielen, denn alle haben immer etwas zu tun, und das sind dumme Sachen. Sie üben ihre Instrumente, deswegen ist mir langweilig und dann zeichne ich meine Comics“, beklagt sich Miloš.

Milica Zulus (15) - Die Geige als Zukunft

Miloš haut auch eine ältere Schwester, die schon in frühester Kindheit ein seltenes Talent für das Geigenspiel gezeigt. Die 15-jährige Milica Zulus hat viele internationale Wettbewerbe gewonnen und tritt in berühmten Konzerthallen auf. Die Fachleute sagen ihr eine große Karriere voraus.

„Meine Oma hat mir das Instrument in die Hand gedrückt, als ich vier war. Am Anfang war das nur ein Kratzen mit dem Bogen, aber mit viereinhalb habe ich begonnen, die Geige spielen zu lernen, und das war für mich ein schönes Spiel“, sagt Milica. Heute ist das Instrument mit diesem jungen Mädchen fast verwachsen und sie weiß schon, dass die Geige ihr zukünftiger Beruf sein wird.

„Ich habe vor, mich mit 16, an der Fakultät für Musik einzuschreiben. Ich glaube, dass ich dazu fähig und bereit bin“, ist die junge Künstlerin überzeugt. Milica beteuert, dass ihr die Musik nichts von ihrer Kindheit genommen hat, denn sie hatte immer Zeit, auch mit anderen Kindern zu spielen. Ihre beste Freundin, mit der sie seit der ersten Klasse unzertrennlich ist, macht keine Musik, aber sie verstehen sich trotzdem ausgezeichnet.

Keine Zeit fĂĽr normale Dinge

„Als ich noch ganz klein war, habe ich manchmal gesagt, dass ich von der Musik genug habe, aber jetzt kommt das nicht mehr vor. Die Musik ist für mich das Himmelstor“, erklärt Milica. Natürlich denke sie dabei an die klassische Musik, denn Popsongs höre sie gar nicht. „Manchmal höre ich mir irgendwelche Jazz- oder Swing-Nummern an, aber den Turbo-Folk, den meine Generation heute hört, mag ich gar nicht. Ich analysiere gerne hochwertige Musik, alles andere klingt für mich komisch“, betont Milica Zulus mit einer Ernsthaftigkeit, die man bei ihrem Alter nicht erwarten würde.

Ihr Vorbild ist in jeder Hinsicht die Mutter, Nataša Veljković, eine weltbekannte Pianistin. „Meine Mama hat keine Zeit für Hausarbeit oder andere normale Dinge, denn sie macht intensiv Musik, und ich möchte so werden wie sie. Sie hilft mir viel mit ihren Ratschlägen, aber ich versuche auch, Miloš zu helfen, obwohl der nicht auf mich hören will“, schließt Milica und fügt hinzu, dass jeder sich selbst als etwas Besonderes sieht und dass das normal ist, dass sie sich jedoch nicht als Wunderkind empfindet.

Vera Marjanović / KOSMO

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