PORTRAIT 02.12.2014

Unser Brückenbauer

© KOSMO / Radule Božinović
Mladen Mijatović (29) macht seit sieben Jahren Karriere in der blauen Uniform. Er ist der Experte der Wiener Polizei, wenn es um Kontakte zu Minderheiten wie der BKS-Community geht.


Gegenseitige Vorurteile stellen oft eine Barriere im Verhältnis zwischen Polizisten und Minderheiten dar. Um ein besseres Miteinander und einen offenen, barrierefreien Dialog zwischen Polizei und Minderheiten zu fördern, gibt es seit dem Mai 2010 bei der Bundespolizeidirektion Wien ein Referat für Minderheitenkontakte. Unter den sieben Mitarbeitern des Referats ist auch Inspektor Mladen Mijatović (29), ein bosnischer Kroate, der schon seit sieben Jahren als Polizist arbeitet.

Dass Inspektor Mijatović mit seinem kulturellen Know-How ein Gewinn für die Wiener Polizei ist, konnten sowohl Kollegen als auch Bürger schon zu Beginn seiner Karriere merken. „Es gab schon Situationen in denen ich merkte, dass ich durch meine kulturelle und sprachliche Kompetenz deeskalierend wirken konnte. Einmal war beispielsweise ein Fall von häuslicher Gewalt in Favoriten, wo ich alleine durch meine Sprachkenntnisse die Situation beruhigen konnte“, sagt Mijatović, der sich heute im Referat für Minderheitenkontakte vor allem auf die Fälle aus der BKS-Community spezialisiert hat.

Polizisten lernen neue Sitten

„Seit zwei Jahren bin ich hier im Referat. Unsere Aufgabe ist es, die Kommunikation zwischen den Minderheitencommunitys und der Polizei zu verbessern. Ich werde natürlich oft als Sachbearbeiter für bosnische/kroatische/serbische Angelegenheiten in Anspruch genommen, aber ich habe auch sehr viel Kontakt auch zu anderen Communitys“, erklärt uns der junge Kroate am Anfang des Gesprächs.

„Der Kontakt zu den Vereinen ist uns wichtig. Wir wollen nicht erst dann agieren, wenn etwas passiert, sondern auch präventiv wirken und zu den wichtigsten Institutionen und Vereinen immer einen guten Draht haben. Und wir wollen das Image der Polizei bei den Communitys verbessern, indem wir auf Menschen offen zugehen“, erklärt der junge Polizist. Interkulturelle Kompetenz spielt dabei eine große Rolle: Mittlerweile lernen auch immer mehr Polizisten über die Eigenheiten, Bräuche und Sitten der jeweiligen Kulturkreise, die in Wien leben.  


Serbische Ballnächte und Workshops mit Kindern

Ob es Workshops in Schulen, Besuche in Moscheen, interkulturelle Schulungen für Polizisten oder serbische Ballnächte sind: Mladen Mijatović ist ständig im Dienste der Polizei unterwegs und spricht mit den Vertretern der Community. Der offene Dialog ist laut ihm das Fundament einer guten Beziehung zwischen den beiden Seiten. „Am schönsten ist es natürlich bei den Workshops in den Schulen, wenn Migrantenkinder auf mich zugehen und sehen, dass jemand mit kroatischen Wurzeln eine Karriere bei der Polizei macht“, sagt Mijatović, der von Außenminister Sebastian Kurz aufgrund seiner Leistungen zum Integrationsbotschafter ernannt wurde.

„Das ist mein Traumjob“

Lange träumte er von einer Karriere bei der Polizei. Mit 22 Jahren wagte er den Schritt und meldete sich für die Aufnahmeprüfung bei der Sicherheitsakademie: Es ist sein Traumjob. Dass sich mittlerweile immer mehr Österreicher mit Migrationshintergrund für den Beruf des Polizisten interessieren, bestätigt uns auch der bosnische Kroate, der 1992 als Flüchtling nach Österreich kam. „Als ich noch auf der Sicherheitsakademie war, waren nicht viele Kollegen aus dem bosnischen, kroatischen und serbischen Raum. Jetzt ändert sich das mittlerweile und viele junge Kollegen kommen aus Ex-Jugoslawien“, erklärt uns Mijatović.

Abgesehen von der Krisensicherheit, die der Job des Polizisten mit sich bringt, liebt Mijatović vor allem die Abwechslung im Alltag und die Vielfalt der Möglichkeit, die ihm diese Karriere eröffnet hat. „Wenn man Abwechslung bei der Polizei sucht, muss man nicht den Betrieb oder das Unternehmen wechseln. Man kann sich ständig weiterbilden und hat die Möglichkeit, immer einen Schritt weiter zu gehen“, so Mijatović abschließend.  

Petar Rosandić / KOSMO

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