KOMMENTAR 27.10.2014

Und ob ich mich auskenne!

© zVg.
Komplimente, die man als Zuwanderer in Österreich hinsichtlich seiner Sprach- oder Landeskundekenntnisse bekommt, gehören leider oft zur positiven Diskriminierung. Ein Kommentar von KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić.


 „Sie kennen sich hier so gut aus!“, bekommt man als gut integrierter Zuwanderer in Österreich oft zu hören. „Sie sprechen ja so gut Deutsch, als wären Sie hier geboren!“, wäre noch so ein Kompliment, das man oft mit einer Dose der Verwunderung ausspricht. Dabei gibt es bei den meisten hier lebenden Zuwandererinnen und Zuwanderern kaum Grund zum Wundern. Sie sind längst ein Teil der österreichischen Bevölkerung geworden, ihre oft von der Politik verlangten Leistungen wurden bereits seit Jahrzehnten erbracht: Heutzutage gibt es Dutzende Branchen in Österreich, die ohne Zuwanderer schlicht und einfach zum Erliegen gekommen wären.

Menschen, die im Ausland geboren wurden, ihre Kinder und Enkelkinder haben Österreich längst zum Mittelpunkt ihres Lebensinteresses gewählt. Ihr substanzieller Beitrag zum Wohlstand Österreichs ist in zahlreichen Statistiken des Sozialministeriums und der Wirtschaftskammer nachzulesen. Mit ihrer Akzeptanz in dieser Gesellschaft hapert es aber immer noch – obwohl in den letzen Jahren das Thema Migration und Integration in der Öffentlichkeit deutlich positiver besetzt wurde als noch vor einigen Jahren.

Gönnerhafte Komplimente

Komplimente, die man als Zuwanderer in Österreich hinsichtlich seiner Sprach- oder Landeskundekenntnisse bekommt, gehören leider oft zur positiven Diskriminierung. Dahinter steht oft eine falsche Erwartungshaltung der Mehrheitsgesellschaft, manchmal vielleicht auch ein Misstrauen den zugewanderten Personen gegenüber. Dabei muss eigentlich klar sein: In der heutigen globalisierten Welt ist ein Migrationshintergrund nichts Ungewöhnliches, sondern vielmehr etwas Stinknormales.

Das Bild der Gastarbeiter, das die Migration in Österreich jahrzehntelang geprägt hat, ist längst obsolet geworden: Die Kinder und Enkelkinder dieser Gastarbeiter sind heutzutage Österreicher, die sich in ihrem Land selbstverständlich sehr gut auskennen. Die Vielfalt der österreichischen Gesellschaft ist selbstverständlich – diese Selbstverständlichkeit muss man akzeptieren: in der Schule, in den Medien und im öffentlichen Diskurs. Erst dann werden wir aus dem Miteinander viel mehr Potenzial schöpfen können, das dieses Land unbedingt braucht.

Nedad Memić / KOSMO

Erstveröffentlichung: http://fischundfleisch.at

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