ETHNO-JAZZER VOM BALKAN 29.11.2013

Turbofolkfreie Zone

© zVg.
KOSMO traf die Ethno-Jazzerin Matilda Leko zum Gespräch. Die junge Sängerin und Komponistin sprach mit uns über ihre Wurzeln am Balkan, das Leben als Musikerin und den Unterschied zwischen Ethnomusik und Turbofolk. Teil 1 unserer Serie „Ethno-Jazzer vom Balkan“.

KOSMO: Matilda, wie bist du zur Musik gekommen?

Matilda Leko: Ich bin als Gastarbeiterkind in Wien geboren worden. Meine Mutter stammt aus Bela Crkva, mein Vater ist in Novi Sad aufgewachsen – seine Familie ist aus der Herzegowina. Von Mamas Seite habe ich auch ein bisschen Romablut in meinen Adern. Daher ist die Musikalität sicher schon in meinen Genen angelegt. Meine Mama ist eine sehr gute Volksliedersängerin, und meine Oma mütterlicherseits auch. Mein Vater liebte Musik und hat mich ständig gedrängt, etwas zu singen. Aber die Musikalität habe ich von meiner Mutter geerbt.

In Wien bist du auch Musikprofessorin. Wo arbeitest du und wer sind deine Studenten?

Ich arbeite am Konservatorium Prayner in Wien. Ich unterrichte schon seit 11 Jahren Jazzgesang. Die Studenten kommen aus allen Ecken der Welt, aus China, dem Iran, Serbien, Kroatien, Bosnien, England, Russland, Österreich etc. Am zahlreichsten sind natürlich die Österreicher.

Du komponierst auch eigene Lieder und hast eine CD herausgegeben?

Das Album heißt „Different Point of View“ und außer einem sind alle Lieder meine eigenen Kompositionen. Die erste Komposition habe ich als Diplomarbeit 2002 geschrieben. Seitdem komponiere ich ständig, manchmal auch für die Bühne. Einige Stücke sind eher Mainstream-Jazz, während andere sehr modern sind. Ich habe auch typische Wiener Altstadtlieder geschrieben, die eine politische, gesellschaftskritische Botschaft tragen. Das neue Album, an dem ich arbeite, ist vom Balkan und von der Romamusik inspiriert. Es wird auch bekannte alte Lieder in neuem Arrangement enthalten.

Was hältst du von der Ethnomusik vom Balkan?

Das kommt drauf an, was man unter dieser Musik versteht. Wenn man Turbofolk meint, vergiss es. Aber die echte, wahre Musik des Balkan ist etwas ganz anderes.
 
Kannst du von der Musik leben?

Sehr schwer, denn ich bin keine kommerzielle Komponistin. Wien ist nicht gerade eine Jazz-Stadt. Mit Balkan-Musik kommt man hier besser durch. Noch immer. Ich muss mich umschulen lassen (lacht). Von meiner Arbeit als Professorin an der Schule kann ich irgendwie leben, aber von der Musik alleine nicht.

Mögen die Österreicher unsere Ethnomusik und verstehen sie sie?

Die Österreicher lieben dieses Feuer. Denn das haben wir. Ob sie es verstehen? Manche vielleicht.  Aber auch, wenn sie es nicht verstehen, lieben sie es. Es berührt sie, sagen sie. Aber wen auch nicht?

Interview: Zoran Radojković Pile

www.matildaleko.com

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