INTERVIEW 13.01.2015

„Turbofolk ist nicht mein Ding“

© zVg.
Keine HipHop Party ohne DJ Lil Dirty. Der gebürtige Mazedonier Ivo Zaričin prägt seit Jahren die Grazer Partyszene und sprach mit uns über Herausforderungen im Job und die balkanische Musikszene.


KOSMO: DJ, Plattenboss, Marketing-Manager. Du scheinst ein Allroundtalent zu sein...


Ivo Zaričin: Ein wenig, ja. Unter der Woche werde ich meist selber gebucht und lege auf, am Wochenende veranstalte ich Partys und generell bin ich für das Programm und Marketing in der Thalia zuständig kümmere mich um die PR des Nagelstudios meiner Frau und das Wichtigste– ich bin zweifacher Vater. Doch meine Frau und ich sind schon gut eingespielt, somit bekommen wir auch alles gut unter den Hut, obwohl es oft eine Herausforderung ist.

Was ist die Herausforderung am DJ-Sein?

Man muss die Gäste beobachten, abchecken wer da ist und wie sich die Stimmung entwickelt. Und du musst jung bleiben. Du musst mit der Party mitgehen und Gas geben. Hier muss ich aber gestehen, dass das nächtliche Partyleben oft an mir nagt da ich am nächsten Tag fit für meine Kinder sein will. Außerdem sehe ich mich als DJ oder Veranstalter oft als Sozialarbeiter.

Inwiefern als Sozialarbeiter?


Ich verstehe viele Probleme der jungen Leute. Ich war selber einer von den Ausländern der in Lokale nicht hineinkam und Stress hatte. Ich kann mich gut in die Jugend hineinversetzen - egal ob Jugo, Afghane, Türke oder sonst was. Wir alle sind nach Österreich gekommen und müssen unseren Platz hier finden, das ist für die Jugend oft nicht leicht.

Wie wichtig ist es, seine Wurzeln zu achten?

Sehr wichtig. Ich muss wissen wo ich herkomme um mir klar zu werden, wo ich hinwill. Meine Kinder wachsen auch zweisprachig auf und wir fahren jährlich nach Mazedonien. Meine Eltern pflegen auch die orthodoxen Traditionen, die meinen Kindern dadurch geläufig sind, obwohl wir beispielsweise den 24.12. auch feiern. Mir ist Religion aber nicht wichtig, die Feste feiere ich eher meinen Eltern zuliebe.

Konntest du bei deinen Veranstaltungen Konfrontationen unter verschiedenen Balkanländern beobachten?

Nein, eigentlich kaum. Ich gehe offen auf Menschen zu. Ohne Vorurteile. Das sollen meine Gäste auch tun. Ich wuchs in den 90ern damit auf, dass sich die Grazer Migranten aus Exjugoslawien untereinander verbündet haben. Wir waren alle gleich.

Sind deine Veranstaltungen und Mixes auf die Balkan-Community ausgelegt?

Nein, gar nicht. Ich mache Hip Hop und R’n’B. Für jeden der es mag. Ich hatte es mit einigen Balkanpartys versucht, doch die Leute erschienen mir da eher undankbar und ich mag diese neuen Turbofolk Nummern einfach nicht. So alte Rockklassiker sind ja noch was, aber die Musik die von der Balkaa-Diaspora verlangt wird, ist einfach nicht mein Ding. Mir kommt oft vor, dass jeder der ein wenig Mixen kann am Balkan gleich als DJ gefeiert wird, obwohl das Ganze unprofessionell über die Bühne geht. Wenn man Qualität will, steckt da verdammt viel Arbeit dahinter und das sieht die exjugoslawische Community oft nicht.

Kannst du dir vorstellen eines Tages an den Balkan zurückzuziehen?

Zurzeit fühle ich mich in Österreich wohl, aber ich würde es nicht ausschließen, wieder zurück nach Mazedonien zu ziehen. Eines ist aber klar, egal wo ich hinziehe, ich werde immer irgendwas im Musikbereich machen.

Interview: Anna-Magdalena Druško / KOSMO

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