INTERVIEW 02.10.2014

Subotic: "Meine Mission in Afrika"

© Vera Dammberg
Neven Subotić ist mit 20 Millionen Euro einer der teuersten Spieler von Borussia Dortmund und einer der besten Verteidiger der Welt. Mit KOSMO sprach er darüber, wieso es ihm trotzdem wichtiger ist, armen Menschen in Afrika zu helfen und was echter Luxus für ihn bedeutet.

Neben seinem hervorragenden Spiel in der Bundesliga und der Champions League erregt Neven Subotić immer häufiger auch außerhalb des Fußballplatzes Aufmerksamkeit: 2013 hat er mit seiner Stiftung Orte in Mozambique mit Trinkwasser versorgt und in diesem Jahr verbrachte er seinen Urlaub damit, Kindern in Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Welt, zu helfen.

KOSMO: Erst vor kurzem bist du aus Äthiopien zurückgekehrt. Wie war es auf dem afrikanischen Kontinent?

Neven Subotić: Obwohl die Saison schon begonnen hat, stehe ich noch immer unter dem Eindruck dieser Reise. Das ganze Jahr haben wir uns auf diese Aktion vorbereitet, und ich bin froh, dass wir mehrere Brunnen gebaut, einige Sanitärräume angelegt und jedenfalls einem Teil der Bevölkerung das Alltagsleben erleichtert haben. Während sie früher drei Stunden gehen mussten, um Trinkwasser zu holen, sind es jetzt nur noch 15 Minuten Fußmarsch. Das ist unter den Umständen, in denen sie leben, eine große Sache. Für uns in Westeuropa ist das unvorstellbar.

Wie haben dich die afrikanischen Gastgeber aufgenommen?

Obwohl die Leute dort tatsächlich jeden Tag für einen Schluck Wasser und ein Stück Brot kämpfen müssen, war es berührend, wie sie uns aufgenommen haben. Alles, was sie hatten, haben sie auch uns angeboten. Die Herzlichkeit erinnert mich an die Menschen vom Balkan. Besonders berührend war es bei einer Frau, die eine fünfköpfige Familie hat und die auf zwanzig Quadratmetern unter katastrophalen Bedingungen lebt. Sie hat uns sogar Joghurt angeboten, was in Äthiopien echter Luxus ist.

Während des Aufenthalts hast du dort unter bescheidenen Bedingungen ohne Internet gelebt, oft ohne Strom u.s.w. Wolltest du dich nach der anstrengenden Saison nicht lieber irgendwo am Strand erholen?

Mir ist es lieber, meine Zeit zu nutzen, ein Ziel zu haben, statt irgendwo abzuhängen. Einmal habe ich das versucht, aber es hat mir nicht gefallen.

Wann hast du eigentlich diesen Wunsch nach humanitärer Arbeit für dich entdeckt?


Meine Eltern haben Bosnien 1990 verlassen und während der Kriegsjahre alle möglichen Arbeiten angenommen, sind am Abend spät heimgekommen, und das alles mit dem Ziel, unseren Verwandten in Bosnien zu helfen. Am Beispiel meiner Eltern habe ich gelernt, dass es die Hauptaufgabe des Menschen ist, zu helfen. Als ich 2006 aus den USA, wo ich mit meiner Familie sieben Jahre lang gelebt hatte, nach Deutschland zurückgekehrt bin, habe ich begonnen, mich in vielen Projekten für die Kinder in Mainz zu engagieren. Ich bin oft mit den Burschen Fußball spielen gegangen, habe Zeit mit ihnen verbracht und versucht, meine Rolle als Vorbild zu nutzen. Schnell habe ich begriffen, dass mich diese Arbeit bereichert und glücklich macht. Ein Kinderlachen gehört zu dem Schönsten, das es gibt.

Da ich die Balkanmentalität kenne, kann ich mir vorstellen, dass böse Zungen sagen werden, warum Äthiopien und nicht Bosnien…


Die Nationalität oder das Herkunftsland sind mir unwichtig, wenn es darum geht zu helfen. In Äthiopien haben die Menschen nicht einmal die grundlegendsten Dinge. Sie brauchen Hilfe, realistisch gesehen, am nötigsten.

Was ist schöner: ein Finale in der Champions League zu spielen, wenn dir die ganze Welt zuschaut, oder ein Lachen auf dem Gesicht eines armen Kindes in Afrika?

Das sind zwei verschiedene Dinge, aber für mich gibt es keinen Zweifel: das Kinderlachen. Der Fußball ist das Mittel, dass es mir ermöglicht hat, meine Stiftung zu gründen und ihre Arbeit zu finanzieren.

Fußballer deines Kalibers fahren normalerweise die verrücktesten und teuersten Autos. Du bist heute mit einem Mini gekommen. Würdest du von dir selbst sagen, dass du bescheiden bist?

Ich bemühe mich, bescheiden zu bleiben und meinen gesunden Menschenverstand zu bewahren. Früher hatte ich ein teureres Auto, jetzt habe ich einen Mini genommen. Es ist ja schon Luxus, dass du und ich hier sitzen und Kaffee trinken.

Du bist erst vor kurzem auf den Rasen zurückgekehrt, denn du hattest eine schwere Kreuzbandverletzung im Knie. Wie fühlst du dich jetzt?


Manchmal habe ich nach einem Spiel das Gefühl, noch mindestens 45 Minuten weiterlaufen zu können, aber dann muss ich mir zwei Tage später schon wieder Injektionen holen. Bisher geht es gut, ich kann Fußball spielen und das macht mich glücklich.

Was wird aus deiner Karriere in der serbischen Nationalmannschaft? Die hast du im letzten Jahr auf Eis gelegt…

Darüber kann ich noch nichts sagen. Das wird die Zeit zeigen.

Fährst du manchmal nach Banja Luka und wie ist deine Beziehung zu deiner Heimat?

Ich bin gerne in Bosnien und verbringe Zeit mit meiner Familie. Das bedeutet mir viel. Natürlich muss ich es nicht extra betonen: Jeder weiß, wo es die besten Ćevapi der Welt gibt.

Petar Rosandić / KOSMO

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