HOCHWASSER 27.05.2014

Streit um Hilfslieferungen in Bijeljina

© Peter Provaznik
In den Hochwassergebieten werden immer mehr Vorwürfe gegenüber der politische Führung laut. KOSMO wurde in der bosnischen Stadt Bijeljina selbst Zeuge eines solchen Streits.


Ein KOSMO-Team begleitete den Hilfskonvoi, der vergangenen Donnerstag mit zehn Sattelschleppern von Wien Richtung Bosnien-Herzegowina aufbrach, um die Bevölkerung in den Hochwassergebieten mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen (siehe KOSMO-Bericht). In Bijeljina konnten wir Zeuge der unkooperativen Haltung des dortigen Bürgermeisters werden. Dort hatte Nihad Suljić, freiwilliger Helfer der Spendenaktion aus Wien, die Koordination der Hilfslieferung übernommen. Mit einem Team von Helfern verteilte er den Inhalt eines ganzen Sattelschleppers in Bijeljina und Umgebung. „Die Situation der Menschen war einfach erschütternd. Bis zu unserer Ankunft hatten die Menschen keinerlei Hilfe bekommen“, berichtet Suljić.

Streit um die Hilfsmittel

Das KOSMO-Team nahm in der Zwischenzeit mit Mićo Mićić, dem Bürgermeister der Stadt Bijeljina, Kontakt auf, um ihn einzuladen, mit den Hilfsmannschaften aus Wien zusammenzuarbeiten. Die Reaktion de Bürgermeisters war schlicht unverantwortlich: Er forderte, die gesamte Lieferung selbst zu übernehmen und ohne Mitwirkung der Helfer aus Wien zu verteilen. Andernfalls wollte er sich an der Hilfsaktion nicht beteiligen.

In der Zwischenzeit scheint die Lage in Bijeljina und vor allem in der Umgebung noch dramatischer geworden zu sein. Wie KOSMO erfuhr, hat Bürgermeister Mićić gestern mit dem Hilfsteam Kontakt aufgenommen und um ein Treffen im Laufe des heutigen Tages gebeten.

Zahlreiche Politiker in der Kritik

Mićić ist nicht der einzige Bürgermeister, der durch sein Verhalten angesichts der Flutkatastrophe in die Kritik gerät. Wie Medien berichten, wurde der Bürgermeister der serbischen Stadt Požarevac von den Einwohnern verbal scharf attackiert, als er einige Tage nach dem Abklingen des Hochwassers mit einem Fernsehteam vor Ort war, um sich mit den Hilfskräften zu zeigen.

Auch Milorad Dodik, Präsident der Republika Srpska, Teilgebiet Bosnien-Herzegowinas, und der serbische Staatspräsident Tomislav Nikolić wurden wegen unzureichender Hilfe angesichts der Flutkatastrophe schwer kritisiert.

KOSMO-Redaktion

Wir aktualisieren laufend die aktuellen Informationen über Hilfsaktionen und Spenden für die Hochwasseropfer. Bitte helfen Sie mit.

Mehr zum Thema:

Wien: Konvoi mit zehn Sattelschleppern gestartet. Wir begleiten sie!

Hilfskonvoj nach Serbien startet heute

"Helfen ist unsere Pflicht"


Hilfsaktion für Bosnien und Serbien in Österreich

Nachbar in Not für Flutopfer am Balkan gestartet

Schweiz spendet 2,6 Millionen Euro

Balkanstars helfen mit Geld, Helikoptern und Transporten

Überwältigende Solidarität für Hochwasseropfer

Gefahr durch Seuchen und Minen nach Hochwasser

EU-Hilfe: Eine Milliarde Euro für Serbien

Hochwasser erreicht Kroatien: 15.000 Menschen evakuiert

Erste Hilfsaktion für Bosnien und Serbien

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook