INTEGRATION 11.03.2015

Stadt Wien dokumentiert Leben der Gastarbeiter

© KOSMO
Mit dem Pilotprojekt „Migration sammeln“, soll die Bedeutung der Gastarbeiter in Wien gewürdigt werden.


„Danke für den Mut, ihr Land zu verlassen und unsere Stadt zu gestalten“, sagte Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger heute, an die Generation der Gastarbeiter der 1960er und 1970er Jahre gewandt. Anlass war die Präsentation des Projekts „Migration sammeln“ im Wien Museum am Karlsplatz. Bei dem Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit der Stadt Wien, des Wien Museums, der Initiative Minderheiten, des Forschungszentrums für historische Minderheiten und des Archivs der Migration.
Vida Bakondy, Leiterin des Projekts „Migration sammeln“, und ihr Team werden bis zum Sommer 2016 eine Sammlung anlegen, die das Leben und die Geschichte der Wiener Migranten ab den 1960er Jahren dokumentieren soll. Das Projekt soll auch eine Selbstpräsentation der Zuwanderer ermöglichen, deren Bild bisher meist von Fremdzuschreibungen geprägt war.

Aufruf, die eigene Geschichte zu sammeln

 „Anhand einfacher Alltagsgegenstände können überraschende historische Zusammenhänge dargestellt werden“, erklärt Ljubomir Bratić, der das Archiv der Migration bei dem Projekt vertritt. Eine Musikkassette, die eine Belgrader Bank in den 1980er Jahren als Werbegeschenk für jugoslawische Gastarbeiter im Ausland herstellte, zeigt etwa, dass Gastarbeiter bis Ende der 1970er Jahre kein Recht hatten, bei einer österreichischen Bank einen Kredit zu bekommen.

Bratić hofft auf eine rege Beteiligung der migrantischen Communitys: „Es ist wichtig, dass Zuwanderer ein Bewusstsein für ihre eigene Geschichte bekommen“, sagte Bratić zu KOSMO. „Wir hoffen vor allem, dass Migrantenmedien darüber berichten und sich Menschen aus den Communitys bei uns melden“.

Stadtmuseen übernehmen eine wichtige Rolle

Auch Wolfgang Kos, Direktor des Wien Museums, betonte die Bedeutung der Zuwanderer in der österreichischen und insbesondere der Wiener Geschichte. Ob und in welcher Form die Sammlung im Wien Museum zu sehen sein wird, hängt von den Ergebnissen dieses Pilotprojekts zusammen, wie der Museumsdirektor erklärt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde die erste Gastarbeitergeneration in Wien mit den Feierlichkeiten rund um das 50-Jahr-Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Österreich und der Türkei im Jahr 1964 und Jugoslawien 1965 geehrt.

KOSMO-Redaktion

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