AUFARBEITUNG 16.06.2015

Srebrenica: Gedenken in Wien und Linz

© Buzić / KOSMO
Am vergangenen Wochenende fanden die Srebrenica-Tage in Wien (Dani Srebrenice u Beču) statt. Parallel dazu gab es eine Srebrenica-Konferenz des ZZI (Zentrum der zeitgemäßen Initiativen) in Linz.

„Es gibt Zeiten, wo man sich einfach nur um die Gegenwart und ums Überleben kümmern muss. Aber es gibt auch Zeiten, wo man an der Vergangenheit arbeiten muss. Wir müssen uns heute auch mit der Angst und Wut befassen, die in diesem Kontext sehr berechtigt ist“, erklärte Thomas Wenzel, der als Psychotherapeut für seine Arbeit mit traumatisierten Kriegsopfern aus Bosnien-Herzegowina bekannt ist, am Begin seines Vortrags bei den Srebrenica-Tagen des Vereins "Srebrenica-Wien, Plattform Bosnien-Österreich", die am 13. Juni in Wien stattfanden.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung, mit der man jedes Jahr den Jahrestag des Völkermords von Srebrenica begeht, lag auf den Erfahrungen von Frauen als Opfer von Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina. Neben Thomas Wenzel waren auch die Psychotherapeutinnen Sanela Piralić-Spitzl und Besima Čatić als Expertinnen für traumatisierte Frauen anwesend. Sie berichteten von ihrer Arbeit mit Frauen, die während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina  Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden sind. Unverarbeitete Traumata, so Piralić-Spitzl, äußern sich oft nach Jahren des Schweigens in körperlichen Symptomen, deren wahre Ursache schwer zu erkennen ist.

„Das Schweigen brechen“

Als Zeitzeuginnen waren auch Vertreterinnen von Vereinen anwesend, in denen sich Frauen zusammengefunden haben, die Kriegsopfer geworden sind. Bakira Hasečić, Vorsitzende des Vereins „Žena žrtva rata“ („Frauen als Kriegsopfer“) erzählte von ihrer schwierigen Arbeit, das Schweigen im Nachkriegsbosnien zu brechen. „Wir sind besonders stolz, in unserem Verein Frauen aller Nationalitäten zusammen gebracht zu haben“, so Hasečić.

Zu den emotionalsten Momenten gehörte der Vortag von Magbula Divović, die mit Fetija Đozić als Verterterinnen des Vereins „Mütter von Srebrenica“ („Majke Srebrenice“) angereist war und mit denen KOSMO ein ausführliches Gespräch geführt hat. Dieses Interview wird anlässlich des bevorstehenden 20. Jahrestags des Srebrenica-Massakers am 11. Juli veröffentlicht werden.

„So oft diese Frauen hier sind, vergessen sie nie, auch die Opfer der anderen Seite zu erwähnen, deren Mütter auch ihre Kinder verloren haben. Dafür braucht es Kraft, und dafür bewundere ich sie“, sagte Fahra Salihovic, Vorsitzende und Gründerin von "Srebrenica-Wien, Plattform Bosnien-Österreich" gegenüber KOSMO. Nach dem offiziellen Teil wurden die Teilnehmer und Gäste zu einer Gedenkveranstaltung am Wiener Stephansplatz eingeladen.

ZZI: Srebrenica-Tagung in Linz

Bei der Srebrenica-Konferenz des Vereins ZZI (Zentrum der zeitgemäßen Initiativen), die letzten Freitag in Linz stattfand, waren Experten und Zeitzeugen vor Ort. Unter den Gästen befanden sich auch Stanislava Zajović vom Verein „Žene u crnom“ („Frauen in Schwarz“) aus Serbien sowie Zumra Šehomerović, Überlebende von Srebrenica. Die Teilnehmer unternahmen auch einen Besuch in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

KOSMO-Redaktion

„Man muss alle Opfer würdigen“

„Bosnische Frauen sind etwas Besonderes“


Kinder aus Srebrenica singen für den Papst

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