KULTUR 10.03.2015

„Serbiens Architektur spiegelt seine Geschichte wider“

© Wiener Städtische Versicherungsverein/APA-Fotoservice/Preiss
Die neue Ausstellung im Ringturm der Wiener Städtischen Versicherung widmet sich der Architektur in Serbien. Alle Kunstliebhaber haben bis 2. April Zeit, die Schau „Serbien – Stadt als regionaler Kontext für Architektur“ zu besuchen. KOSMO sprach mit Adolph Stiller, einem der Kuratoren dieser Ausstellung.


KOSMO: Wie ist die Ausstellung mit dem Thema Architektur in Serbien eigentlich zustande gekommen?

Adolph Stiller:
Für die Vienna Insurance Group und deren Ausstellungsreihe „Architektur im Ringturm“ kuratiere ich seit über 10 Jahren Ausstellungen zum Thema Ost- und Südosteuropa. Das hängt mit der Präsenz der VIG in diesen Ländern zusammen. Dabei stellen wir natürlich Schritt um Schritt alle Länder des Balkans dar. Vor vier Jahren hatten wir die Hauptstadt Belgrad, da lag es nahe, auch das ganze Land zu präsentieren. Beide Ausstellungen mit ihren Katalogen (und ihren Bauten) sind auch als Einheit zu sehen.

Was erwartet die Besucher in der Ausstellung?

Eine Zusammenschau der wichtigsten Bauten des Landes aus dem 20. Jahrhundert, die es in dieser Art noch niemals – auch in Serbien selbst – noch nicht gegeben hat. Bildtafeln mit Fotos, Plänen, Skizzen und Texten geben dem Publikum Einblick in die vielfältige Baukunst Serbiens.

Was könnte man aus der Architektur Serbiens über die Geschichte des Landes herauslesen?

Sicherlich die bewegte Zeitgeschichte und die enormen Migrationsbewegungen des 20. Jahrhundert innerhalb von Jugoslawien. Alles Bauen ist mit den politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen untrennbar verbunden.

Gibt es eine Periode, die man als „goldenes Zeitalter“ der serbischen Architektur bezeichnen könnte?

Wir sprechen ganz bewusst von „Architektur in Serbien“. Dafür lassen sich für das 20. Jahrhundert sogar zwei „goldene Zeitalter“ ausmachen: die Periode  von der Gründung des unabhängigen Staates der Südslawen nach dem 1. Weltkrieg und dann, länger andauernd, in Nachkriegsjugoslawien, die 1950er und 1960er Jahre.

Woher sind die größten Impulse und Vorbilder für serbische Architekten gekommen?

Architekten waren in Serbien immer sehr informiert, was in der Welt der Architektur anderswo passiert. Mit gewissen Verzögerungen sind so die Einflüsse aus jenen Strömungen gekommen, die im architektonisch-inhaltlichen Diskurs gerade am weitesten voran waren. 

Gibt es etwas, was als spezifisch in der dortigen Architektur gilt?

Spezifisch ist sicherlich immer der jeweilige Kontext. Wir haben im Ausstellungstitel den Kontext deshalb hervorgehoben. In den besten Beispielen spezifisch ist der subtile Bezug auf historische Vorbilder. Für die Nachkriegszeit ist der in allen Zentren gepflegte, öffentliche Wohnbau von Bedeutung sowie die Dimensionen vieler öffentlicher Bauten, die sich nach den damaligen Zahlen des Gesamtjugoslawien richteten und heute oft überdimensioniert wirken. 

Interview: Uroš Miloradović / KOSMO


Serbische Architektur im Wiener Ringturm

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