POLITIK 15.05.2015

Serbien rehabilitiert Tschetnik-Führer Mihajlovic

© Wikipedia
Ein Belgrader Gericht hat gestern den einstigen Tschetnik-Kommandant und königlich-jugoslawischen Offizier Draža Mihajlović rehabilitiert. Das Urteil sorgt für Aufregung in Serbien und in der ganzen Region.

Mit der Entscheidung des Gerichts wurde das Todesurteil für Mihajlović aus dem Jahr 1946 aufgehoben. Das Urteil, welches endgültig ist und gegen welches keine Berufung eingelegt werden kann, gibt Mihajlović posthum ebenso seine damals entzogenen Bürgerrechte zurück. „Das damalige Urteil sei aus politischen und ideologischen Gründen gefällt worden“, so das Gericht. Der Rehabilitierungsantrag wurde im Jahr 2006 vom Enkel des einstigen Tschetnik-Kommandanten gestellt.

Dačić: "Eine Schande"


Die Rehabilitierung Mihajlovićs sorgt für Aufregung in der ganzen Region. Während es aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina noch kein offizielles Statement zur Rehabilitierung des Tschetnik-Führers gibt, spalten sich in Serbien ebenso die Geister. So bezeichnete Ivica Dačić, Obmann der Sozialistischen Partei Serbiens und Innenminister des Landes, die Entscheidung als „eine Schande“.  Kritiker des Urteils erinnern an die Gräueltaten der Tschetniks im Zweiten Weltkrieg, während Partisanen-Verbände die Kollaboration der Tschetniks mit den Nazis betonen.

Šešelj feierte bis tief in die Nacht

Gleichzeitig wurde die Urteilsverkündung in extrem nationalistischen Kreisen in Serbien bis tief in die Nacht gefeiert. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich viele nationalistische Gruppierungen, unter anderem auch der kontroverse Anführer der Serbischen Radikalen Partei Vojislav Šešelj.
 
Mihajlović war von 1941-1943 Kriegsminister der Exilregierung des Königreichs Jugoslawiens. Seine großserbischen Verbände (Tschetniks) kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen die kommunistischen Partisanen des späteren Staatsgründers Josip Broz Tito (1892-1980).

KOSMO-Redaktion

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