KOMMENTAR 08.01.2015

Schuld ist immer der andere

© zVg.
Die Kommentarfunktion auf den Newsportalen am Balkan spiegelt das mangelnde Demokratieverständnis der Bevölkerung wider. Das sieht man auch dieser Tage anlässlich des Charlie-Hebdo-Terroranschlags.


Eines der größten Newsportale am Balkan muss derzeit seine Kommentarfunktion vorübergehend abschalten, weil die Reaktionen vieler seiner Leserinnen und Leser auf den gestrigen Terroranschlag von Paris alles andere als Anteilnahme zeigten: Man konnte dort viel lesen, von der Relativierung, über die Rechtfertigung dieses terroristischen Aktes durch andere begangene Verbrechen bis hin zu wildesten Verschwörungstheorien oder gar zur offenen Unterstützung für die Attentäter. Ein besorgniserregendes Bild.

Während die Kritik an der Art und Weise, wie Charlie Hebdo manche Themen behandelte, durchaus angebracht ist, kann und darf man in keinster Weise den brutalen Mord als Antwort auf die politische Unkorrektheit legitimieren – das ist ein Grundsatz der Demokratie. Von dieser Demokratie ist der Balkan noch weit entfernt. Denn auch bei anderen Themen und Leserkommentaren sieht man, dass Selbstreflexion und Selbstkritik bei vielen Bosniaken, Kroaten und Serben leider immer noch nicht existieren. Dieselben, die die Vorkommnisse um Charlie Hebdo relativieren, werden bei anderen Themen – z.B. Kriegsverbrechen aus den 1990er Jahren – protestieren und sich empören, wenn Vertreter einer anderen Gruppe die schwersten Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg in der gleichen Manier relativieren, leugnen oder besserwisserisch von Verschwörungen phantasieren.

Dabei vergessen alle ethnischen und religiösen Gruppen am Balkan, dass genau diese Einseitigkeit in erster Linie ihnen selbst schadet, sie weiter isoliert und an der Peripherie zwischen verschiedenen geopolitischen Interessen positioniert. Man hat immer mehr das Gefühl, dass die Völker des Balkans aus der jüngsten, blutigen Vergangenheit kaum etwas gelernt haben...

Nedad Memić / KOSMO

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