FISCHUNDFLEISCH.AT 06.10.2014

„Schluss mit der Freunderlwirtschaft“

© zVg.
KOSMO sprach mit der erfolgreichen Journalistin Silvia Jelinčić, die gerade mit ihrer innovativen Online-Plattform fischundfleisch.at durchstartet. Über Vorurteile in Medienberufen, das Sexleben von Top-Managern und die Zukunft des Journalismus.


KOSMO: Sie sind eine sehr erfolgreiche Wirtschaftsjournalistin. Wie kamen Sie zu dem Beruf?

Silvia Jelinčić:
Ich habe schon während der Uni begonnen bei GoTV zu arbeiten. Danach habe ich beim ORF für die Sendung „Heimat Fremde Heimat“ Internet-Beiträge gemacht. Ich habe Bosnisch/Serbisch/Kroatisch in Kombination mit Wirtschaft studiert und bin nach dem Abschluss nach New York gegangen, um einen Master zu machen. Dort habe ich eine Zeitung namens Croatian Cronicle entdeckt, für die ich auf Englisch geschrieben habe – das war wirklich lustig. Zurück in Wien wollte ich unbedingt für ein Wirtschaftsmagazin im News-Verlag arbeiten. Ich war sehr lange Wirtschaftsjournalistin beim Format und habe viel über Industrie, Handel, Luftfahrt und auch viel über Skandale geschrieben – das war genau meins, das habe ich geliebt – das Aufregende (lacht).

Sie selbst haben Migrationshintergrund, Ihre Eltern stammen aus Kroatien – ist es schwierig, sich als Journalistin in der österreichischen Medienwelt durchzusetzen?


Es ist ein bisschen so, wie die Frage „Ist es schwierig wenn man eine Frau ist?“ - du stößt leider immer wieder auf Vorurteile. Meine Taktik ist, dass ich das komplett ignoriere. Ich denke mir immer: „Du bist auch nicht besser als ich. Egal, was du verdienst, oder wer du bist.“ Ich ignoriere Vorurteile und deshalb existieren sie für mich dann auch nicht. Es funktioniert wirklich.

Sie haben vor ein paar Jahren ein Buch über das Sexleben von Top-Managern und Geschäftsmännern geschrieben. Sind die so viel anders als andere Menschen?

Ja, sind sie schon. Weil die meisten Menschen mit Erfolg und viel Geld nicht umgehen können und dann abheben. Das schlimmste, was so einem Menschen passieren kann, ist, wenn er den Boden unter den Füßen verliert. Manche spielen dann wirklich Gott – und das ist ein Problem. Das spiegelt sich dann auch im Privatleben wider, wo die Leute sich dann teilweise jenseits aller Moral aufführen.

Ihr aktuelles Projekt heißt fischundfleisch.at - was genau ist fischundfleisch?


Dem Journalismus geht es leider sehr schlecht – vor allem den Printmedien. Fischundfleisch ist eine Antwort auf die Zeit in der wir leben. Fischunfleisch ist eine Meinungsplattform, wo jeder mitreden kann und soll. Zusätzlich bieten wir für die besten Beiträge Journalistenjobs an. Wir haben viele Kooperationspartner von Fernseh- und Radiojournalismus bis zu den Printmedien, die Jobs anbieten. Aber es geht uns vor allem darum, dass man auf Missstände aufmerksam macht, und selbst seinen Senf dazu gibt.

Was unterscheidet ihre Seite von einem üblichen Blog?

Du kannst z.B. selbst Inhalte hochladen, in unserer Rubrik „Jetzt ich“. Damit hast du denselben Status, wie sehr bekannte Journalisten, die bei uns bloggen  – wie eine Anneliese Rohrer oder ein Christian Orthner. Du bist mit ORF-Stars, wie Vera Russwurm, Elisabeth Engstler, auf einer Ebene. Wir wollen wirklich guten Leuten eine Plattform bieten.

KOSMO und fischundfleisch werden auch eine Kooperation haben. Was können KOSMO-Leser erwarten?


Sehr viel können sie sich erwarten. Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam die Kraft haben, Dinge zu verändern und zu verbessern. Sonst hätten wir uns diese verrückte Arbeit nicht angetan. Wir Journalisten, die wir das gestartet haben, haben eine Vision. Jeder ist wichtig, egal, ob wer studiert hat, arm ist, reich ist, schwarz, weiß, alles total egal. Bis jetzt haben in diesem Land Freunderlwirtschaft und Vetternwirtschaft regiert. Unsere Meinung wird durch jeden einzelnen so stark, dass das nicht mehr möglich sein wird. Das ist unser Ziel und wir Fische werden es gemeinsam erreichen. Uns gehört die Zukunft und nicht den vielen verlogenen Opportunisten!

Was würden Sie jungen Migranten raten, die beruflich in die Medien wollen?

Das was ich mir auch immer vorgesagt habe: nicht aufgeben! Weitermachen! Und nach jeder Ohrfeige schnell wieder aufstehen und sich nicht verunsichern lassen. Ich würde ihnen raten hartnäckig zu sein und an ihrem Ziel dranzubleiben. Und wenn man zehnmal eine Ohrfeige kriegt, irgendwann wird es klappen! Das war bei mir auch immer so.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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