OLYMPIA 07.02.2014

Sarajevo 1984 - ein Rückblick

© zVg.
Vučko wird dreißig - Eine der größten Sportveranstaltung, die jemals in Bosnien-Herzegowina und im damaligen Jugoslawien stattfand jährt sich zum dreißigsten Mal.


Viele erinnern sich an den 8. Februar 1984 als Sanda Dubravčić, die beste Eiskunstläuferin des ehemaligen Jugoslawien, im Stadion in Sarajevo die olympische Flamme entzündete. Noch mehr erinnern sich an „Vučko“, das Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Sarajevo. Die sympathische Karikatur eines Wolfs wurde unter 1.200 Vorschlägen als Maskottchen ausgewählt. Vučkos Schöpfer ist Jože Trobec, ein Slowene, Graphikdesigner aus Kranj.

Dreißig Jahre sind seit den olympischen Winterspielen in Sarajevo vergangen. Auch heuer feiert man, wie jedes Jahr, mit dem Kulturfestival „Sarajevska zima“ (Sarajevoer Winter) die Austragung der olympischen Winterspiele in Sarajevo. Wir blicken dreißig Jahre zurück:

Jugoslawien übertraf Österreich

Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Skirennen und Eishockey waren keine Disziplinen, in denen Jugoslawien bei den Spielen 1984 Medaillenchancen hatte. Aber zu jener Zeit gab es im Land einige sehr gute Skispringer und vor allem Abfahrtsläufer von Weltklasse. Sie alle waren Slowenen, allen voran Bojan Križaj und Jure Franko.

Jure Franko aus Nova Gorica wurde in Sarajevo Vierter nach dem ersten Durchgang im Riesenslalom. Im zweiten Lauf erzielte er die Bestzeit – und das brachte ihm die Silbermedaille! Jugoslawien jubelte. Vielen ist noch der Text eines Fantransparents in Erinnerung, das man auf den Fernsehbildschirmen sehen konnte: »Wir lieben Jurek mehr als Burek!«

Interessanterweise schnitt Jugoslawien mit dieser Silbermedaille von Jure Franko nach gewonnen Medaillen insgesamt besser ab als Österreich. Österreich errang mit Anton Steiner als Drittem in der Abfahrt in Sarajevo nur eine einzige Bronzemedaille – heute unvorstellbar.

Der Glanz untergehender Staaten

Ostdeutschland (die DDR) und die Sowjetunion (die UdSSR) errangen 1984 in Sarajevo die meisten Medaillen. Nicht ganz zehn Jahre später verschwanden die DDR und die UdSSR ebenso von der Landkarte wie auch die SFRJ (Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien) und die CSSR (die Tschechoslowakei), die bei einigen Sportarten auf Schnee und Eis ebenfalls eine Großmacht war.

Die UdSSR holte in Sarajevo 25 Medaillen eine mehr als die DDR, die aber dafür die meisten Goldmedaillen errang. Die ostdeutschen Frauen errangen neun von insgesamt 12 Medaillen im Eisschnelllauf. Es bleibt ein Zweifel, ob auch hier unerlaubte Mittel im Spiel waren, Doping. Nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 und der Vereinigung mit Westdeutschland stellte sich heraus, dass 10.000 – 12.000 Sportler und Sportlerinnen in das staatliche Dopingprogramm der DDR eingebunden waren.

Die Periode der großen Veränderungen

In den drei Jahrzehnten seit den seit den Olympischen Winterspielen in Sarajevo hat sich vieles verändert, nicht nur auf der politischen Landkarte Europas, sondern auch auf der Karte des internationalen Sports. In den 1980-er Jahren herrschte noch die Regel, dass ausschließlich Amateure bei Olympischen Spielen antreten durften. Viele Sportler, die damals bereits Profis waren, schafften es, diese Vorschrift zu umgehen. Zum Beispiel standen im Westen viele Sportler in „Beschäftigungsverhältnissen“ bei einem Arbeitgeber, der ihnen die Ausrüstung produzierte oder ihr Sponsor war, während die Spitzensportler in der UdSSR und anderen Staaten des sozialistischen Einparteiensystems meistens im „Militärdienst“ standen, Offiziere der Roten Armee waren und Ähnliches.

Ruinen vergangener Zeiten

Die Winterspiele 1984 sorgten für eine erhebliche Aufwertung des Wintersportangebots Sarajevos und seiner Umgebung, der Gebirge Jahorina, Bjelašnica, Igman und Trebević. Die bosnische Metropole und ihr Umland schafften es nach den Spielen dennoch nicht, zu Wintersportzentren großen Kalibers zu werden.

In der olympischen Halle Zetra wurden in den 1980-er Jahren noch verschiedene internationale Eissportveranstaltungen ausgetragen, aber viele andere olympische Objekte in Sarajevo wie die Bob- und Rodelbahn und die Sprungschanze fielen schon bald dem Zerfall Jugoslawiens und dem Bosnienkrieg zum Opfer.

In Sarajevo besteht heute das kantonale öffentliche Unternehmen ZOI84 mit 140 Angestellten, das sich darum bemüht, den olympischen Ruhm Sarajevos wieder aufleben zu lassen. Vor zwei Jahren wurde Sarajevo als Austragungsort des Europäischen Olympischen Jugend-Winterfestivals (EYOWF) ausgewählt, das 2017 stattfinden wird. Wir warten, was die Zukunft der Wintersportregion Sarajevo bringen wird.

Milan Ilić / KOSMO

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