SATIRE 30.10.2014

Rosenkriege im Gemeindebau

© zVg.
Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“ – diesmal: Rosenkriege im Gemeindebau.


Nachdem meine Großmutter Rosa schon viele Jahrzehnte als Gastarbeiterin in Österreich gelebt hatte, hörte sie zum ersten Mal von einem Gerücht, wonach es hier Politiker gäbe, die bereit wären etwas zu zahlen, wenn man sich ihrer Partei anschließt. Besonders jene Kandidaten, hieß es, die eine migrantische Herkunft haben, wären heiß begehrt.

Zuerst dachte Rosa an eine saftige Schweinehälfte vom Spieß. Dann dachte sie wiederum, dass es vielleicht besser wäre, einen neuen Duschvorhang zu verlangen, nur um es sich wenig später zu überlegen, und in ihrer Gier ein 6-teiliges Topf-Set, aus High-Tech-Material von der NASA zu wünschen. Nach längerem Hin und Her, entschloss sie sich letztendlich für ein Plasma-TV-Gerät. 

Berauscht von den süßen Versprechungen dieses guten Geschäfts, sah sich Rosa in ihrer Fantasie schon mit den Füßen auf dem Tisch und der Fernbedienung für den Riesenfernseher in der Hand, mit der sie souverän über ein unendlich großes Programm herrschen würde. Doch plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie gar keine Ahnung hatte, wohin man denn nun gehen musste, um das erträumte Plasma-Gerät zu bekommen. Deshalb überredete sie ihre Landsfrau und Namensvetterin Rosa, eine gutherzige und einfache, aber etwas furchtsame Frau, herauszufinden, welche Fernseher-Modelle denn in den jeweiligen Parteien angeboten werden.

Als sich ihre Nachbrain Rosa nach einigen Tagen immer noch nicht mit den Ergebnissen ihrer Recherche gemeldet hatte, entschied meine Großmutter, ihr einen unangekündigten Besuch abzustatten. Sie klingelte an der Tür. Es öffnete ihr eine ganz neue, verwandelte und viel kühnere Rosa. Alles an ihr roch nach Rebellion.

„Nun, was ist aus meinem Plasma geworden, Rosa?“, fragte irritierend meine Großmutter.

„Wir von den NEOS kaufen keine Mitglieder mit Fernsehgeräten, Töpfen oder Schweinehälften“, erwiderte Rosa, an einem überdimensional großen Joint paffend. Aus dem Wohnzimmer hörte man Reggae-Musik.

 „Wir setzen uns für Legalisierung ein! Ich habe drei Tage im Wald mit dem Parteiobmann meditiert und eine Erleuchtung erlebt“, schloss die Nachbarin Rosa und schlug ihre Tür wieder zu.

Von diesem Tag an wuchs in meiner Großmutter ein unfassbarer Hass gegen ihre Nachbarin Rosa, und aus lauter Trotz trat sie den Blauen bei – rachsüchtig und aus bitterer Überzeugung, ohne irgendeine Belohnung, denn auch sie mögen keine frechen und aufsässigen Ausländer. Und so begann der langjährige Streit zweier alter Damen, der in Analen des Gemeindebaus als „die Rosenkriege“ eingegangen ist. 

Uroš Miloradović / KOSMO

Tekst na srpskom:
Rat Ruža



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