INTERVIEW 05.05.2015

Rapids unbekannte Helden

© KOSMO / Radule Božinović
Obwohl Danijel Krnjeta (30) durch eine Sehstörung und Albinismus beeinträchtigt ist, spielt er im “Special Needs Team” von Rapid Wien professionell Fußball. Über seine beeindruckende Karriere sprach er erstmalig mit KOSMO.


Jeden Dienstag trifft sich auf den Behelfsplätzen neben dem einstigen Gerhard-Hanappi-Stadion das “Special Needs Team” des SK  Rapid Wien, eine Mannschaft aus Spielern mit besonderen Bedürfnissen und Fußballern mit einem körperlichen oder geistigen Handicap. Einer der Schlüsselspieler dieses Teams ist Danijel Krnjeta (30), ein junger Mann, der unter Albinismus leidet und eine 85-prozentige Sehstörung hat. Trotzdem hat dieser Verteidigungsspieler mit Herkunft aus Bačka Palanka (Vojvodina, Serbien) niemals aufgegeben, Sport zu treiben und „normal“ zu leben: Von Kindesbeinen an spielte er im Park Fußball, später trainierte er schwimmen und laufen und beruflich arbeitet er im Call Center der Wiener Universität. Wie viel ihm der Fußball, aber auch der Kontakt und das gemeinsame Spiel mit seinem Team bedeuten, verriet er uns im Interview.

KOSMO: Danijel, wie bist du zum “Special Needs Team” des Wiener Rapid gekommen?

Danijel: Schon als kleiner Junge habe ich angefangen, im Park Fußball zu spielen. Das war nicht leicht für mich, denn die Kinder haben mich gehänselt, weil ich anders war und schlecht sah. Aber ich war schon immer ein Kämpfer, ich habe nicht aufgegeben. Kinder können am Anfang böse sein, aber wenn man sich seinen Platz erkämpft hat, dann wird das normal und man wird angenommen. Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, eines Tages in einem Club zu spielen, in einem Dress, und der Wiener Rapid hat mir diesen Traum erfüllt, als mich sein Scout Jürgen Kerber, der für dieses Team Spieler mit Behinderung suchte, entdeckte. Ich bin überglücklich, dass sich diese Möglichkeit für mich aufgetan hat.

KOSMO: Im Training habe ich gesehen, dass deine Mitspieler und du euch ständig gegenseitig helft, dass da eine große Gemeinschaft herrscht und dass  dabei fast alle unterschiedliche Handicaps haben. Einige sehen schlecht, andere sind taub und die Dritten haben mentale Probleme…

Ja, und genau das ist der besondere Reiz dieses Teams. Mir rufen die Mitspieler etwas zu, wenn ich vielleicht nicht gut sehe, wo der Ball ist, wenn er zum Beispiel aus der Ecke kommt. Und den Gehörlosen erklären wir Dinge mit Händen und Füßen und helfen ihnen so. Wir sind füreinander da. Gemeinsam siegen wir und gemeinsam verlieren wir, und uns alle verbindet die Liebe zum Ball. Inzwischen sind wir alle dicke Freunde geworden.

Hast du Geschwister? Wie sieht deine Familie deine sportlichen Auftritte?

Ich habe zwei Brüder und eine Schwester. Alle sind stolz auf mich und meine Mutter ist schon öfter zu den Matches gekommen, um zu sehen, wie ich spiele. Ihre Unterstützung und ihr Glaube an mich bedeuten mir viel.

Du bist im zwanzigsten Bezirk aufgewachsen, in dem du auch heute noch lebst. Wie war deine Kindheit in diesem Multikulti-Bezirk?

Ehrlich gesagt, würde ich nicht gerne in einem anderen Bezirk leben. Ich habe den Zwanzigsten liebgewonnen. Hier habe ich in den Parks angefangen, mit Leuten unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten Fußball zu spielen. Das ist vielleicht nicht der wohlhabendste Bezirk, aber ich weiß, dass hier ehrliche und fleißige Menschen leben. Ich würde ihn keinen anderen Bezirk eintauschen.

OK, jetzt wissen wir, wo dein Lieblingsort ist. Noch mehr interessiert mich, wer als Abwehrspieler deine Vorbilder sind.

Ich habe es geliebt, das Spiel von Roberto Carlos, dem berühmten brasilianischen Fußballer, anzuschauen. Genauso habe ich auch Siniša Mihajlović geliebt. Ich mag diesen Spielertyp, denn beide haben einen starken Schuss, genau wie ich. Mein Schuss ist auf dem Platz meine stärkste Waffe. Ich liebe es, Freistöße zu schießen.

Ich habe im Training gesehen, dass du wirklich einen starken Schuss hast. Aber erzähl uns auch, welche Musik in deinem Zimmer „einschlägt“.

Wenn ich etwas lauter höre, dann ist das meistens Heavy Metal oder Rock. Ich mag aber auch Sevdah und einige unserer Volkslieder. Alles hängt von der Stimmung ab, ob ich etwas aus unserer Region hören will oder lieber etwas Alternatives, etwas Modernes.

Hast du eine Botschaft für unsere Leser?

Geht euren Weg, glaubt an euch, egal wie schwer das Leben in manchen Momenten zu sein scheint. Es gibt immer einen Ausweg. Ich habe den Sport gefunden, jemand anders findet vielleicht die Musik und jemand Drittes noch etwas anderes.

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