INTERVIEW: BAD COPY 29.05.2015

„Politik ist uns wurscht“

© Bad Copy
Die gefeierte Belgrader Rap-Band “Bad Copy” spielt am 30.5. im Wiener Camera Club. Die Legenden des Balkanrap haben uns verraten, was das Wiener Publikum erwartet, aber auch, was dieses Trio erneut vereinigt hat und neue Siege suchen lässt.

KOSMO: Um es mit den Worten eures Liedes zu sagen: „este li nam dobri“ („Geht es euch gut“)?

Bad Copy:
Na sicher geht es uns gut. So gut wie Bruce Waynes Diener, wenn die Flasche voll ist.

Ihr kommt zum ersten Mal nach Wien. Wie oft spielt ihr in der Diaspora und warum seid ihr nicht öfter in Wien und anderen europäischen Städten?

Es gab schon öfter Verhandlungen über einen Auftritt gab. Letztendlich ist – wie so oft – nichts passiert. Was Auftritte in der Diaspora betrifft, in Europa oder anderswo, so wissen wir, welche Art von Musik da in den Clubs gespielt wird; wir wissen, wer in der Diaspora aktiv ist. Darum bezweifeln wir, dass wir da häufiger zusammenkommen. Also noch ein Grund mehr, zu diesem Auftritt zu kommen…

Wann wart ihr das letzte Mal in Wien?

Wir waren einmal einen Nachmittag hier. Wir haben ein Bier getrunken und festgestellt, dass man hier viele verschiedene Biere trinken konnte, die es damals in Serbien nicht gab. Jetzt haben auch wir eine größere Auswahl an Bieren und im Gegensatz zu den meisten Ländern der Europäischen Union darf man sich in einer Bar noch eine Zigarette anzünden. Das nächste Mal bleiben wir ein paar Tage hier und sagen euch dann, wie es war.

Aus dem Spot für einen eurer größten Hits, das Lied „Esi mi dobar“, könnte man schließen, dass das eine Art Parodie auf die politische und gesellschaftliche Situation in Serbien ist. Habe ich Recht?

Naja, nicht ganz. Djolo Djolo, der Produzent des Spots, hat einige Leute in den Spot eingebaut, die niemand von uns mag, und dann schien es so, als hätten wir uns da engagiert. Aber um ganz ehrlich zu sein: Das ist uns wurscht.

Auch wenn ihr, wie ihr sagt, keine Gesellschaftskritiker seid, würde es mich interessieren, wie ihr die gesellschaftliche und politische Situation in Serbien seht.

Wie schon gesagt: Sie interessiert uns nicht. Wir sind nur dann Gesellschaftskritiker, wenn man uns den Alkohol verbietet. Es stimmt schon, hier und da streifen wir irgendein Thema, aber das ist nichts Ernsthaftes. Wir leben in Serbien wie in einem Wahlkampf, der niemals endet. In einem Land, das von unfähigen Leuten geführt wird, die im Stande sind, sieben Menschen für ihre Eigenwerbung in den Tod zu schicken, und die dafür nicht verantwortlich gemacht werden.

Seit 2008 war das Projekt Bad Copy komplett auf Eis gelegt. Was hat euch drei wieder zusammengebracht? Ist es, wie es in eurem Lied heißt, „Liebe oder Bier“?


Freundschaft. Wir können auch alleine Bier trinken und Lieder machen, aber schöner ist es doch, wenn wir alle zusammen sind. Und ja, wir haben fünf Jahre gebraucht, um das wirklich zu begreifen. So ist es einfach.

Wie sind die Reaktionen auf das letzte Album? Habt ihr eure Fans wieder begeistern können und auch neue, junge Fans gewinnen können?


Wir hatten nicht erwartet, dass das Album so gut ankommen würde. Wir waren darauf eingestellt, dass all die Älteren inzwischen verheiratet sind und Kinder haben und dass die neue Generation keine Ahnung hat, wer wir sind und was wir da reden. Es hat sich herausgestellt, dass uns sowohl die verheirateten alten Schlingel als  auch ein paar neue Hallodris hören und das ist ein tolles Gefühl. Es geht uns super.

Was hört ihr an Balkanrap im Moment am liebsten?


Legijata, Green Out, LD Pistolero, RNS, Štrajk, Dzaka Nakot, Bruce.

Wird es 2050 in Serbien noch Hiphop geben und wie seht ihr seine Zukunft im Land und in der Region?

Bis dahin werden uns all die kranken Hirne in irgendeinem dritten Weltkrieg vernichten. Es wird ihn wahrscheinlich noch immer geben, aber ob der Sound dann immer noch unserem jetzigen ähnelt? Wohl kaum. Aber wer weiß…

Was sagt eure Familie zu euren Texten?

Gut gemacht!!!

Interview: Petar Rosandić / KOSMO


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