PORTRAIT 05.12.2013

Pionier der Integrationsarbeit

© Ljubiša Buzić / KOSMO
Über zwanzig Jahre war Borko Ivanković im Wiener Integrationsfonds und bei der Magistratsabteilung 17 eine aktive Ansprechperson für Migranten und ihre Probleme. KOSMO traf den Pionier der Integrationsarbeit anlässlich seiner Pensionierung zum Gespräch.


Auf dem Küchentisch steht ein Laptop, daneben einige Papiere, auf der Sitzbank stapeln sich Bücher zu Geschichte und Kultur Österreichs und des Balkan. Ganz von seiner Arbeit trennen kann sich der frische Pensionär noch immer nicht. „Eigentlich dachte ich, ich hätte jetzt weniger zu tun“, lacht Borko Ivanković. Nach zwanzig Jahren als Ansprechperson für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien wird er immer noch regelmäßig kontaktiert und um Rat gebeten. „Neulich rief mich ein junger Bosnier an, der eine Theatervorstellung in Wien organisieren wollte und Rat suchte. Da kann ich natürlich nicht `nein´sagen“, erklärt der 65-Jährige. Wie vielen Menschen er schon geholfen hat, kann er gar nicht sagen. An seinem wöchentlichen Newsletter mit Veranstaltungstipps für die ex-jugoslawische Community, den er für die MA 17 gemacht hat, arbeitet er privat weiter. Die Stelle wurde nicht nachbesetzte, der Newsletter wäre eingestellt worden.

„Nur vorübergehend gekommen“

Als er Ende der 1970er Jahre, nach seinem Germanistikstudium und einigen Jahren Erfahrung als Übersetzer und Redakteur beim Radio Belgrad  nach Wien kam, ahnte er nicht, dass er hier bleiben würde. „So ging es vielen Landsleuten damals“, erklärt er etwas wehmütig.

Wien war eine aufregende Stadt für den damals 30-Jährigen, der als Dolmetscher in der jugoslawischen Botschaft arbeitete. Schnell war er in den jugoslawischen Communitys und Kulturvereinen vernetzt. Als er Anfang der 1980er seinen Dienst in Österreich verlängern wollte, wurde ihm das nicht erlaubt. Das hatte – davon ist er überzeugt –  sicher auch damit zu tun, dass er damals in einer Beziehung mit einer Österreicherin lebte. Das war in Belgrad nicht gerne gesehen. Borko entschied sich dennoch, als freiberuflicher Übersetzer in Wien zu bleiben. Die Österreicherin, mit der er damals zusammen war, ist heute seine Frau. Die beiden haben drei mittlerweile erwachsene Kinder.

Erste Schritte einer Integrationspolitik

Er war ein Kenner des jugoslawischen Kulturlebens in Wien, als er 1989 angesprochen wurde, bei einer neuen Fernsehsendung des ORF mitzuwirken. Die Sendung hieß „Heimat, fremde Heimat“ und gestaltete erstmals Beiträge für die migrantischen Communitys in ihrer Muttersprache.

„Damals begann man, langsam etwas zu tun“, erzählt Ivanković. „Dem Staat wurde klar, dass die Leute, die als Gastarbeiter gekommen waren, mittlerweile ihre Familien nachholten und sich hier ein Leben aufbauten.“ Gleichzeitig wurden die Spannungen zwischen Zuwanderern und Alteingesessenen immer mehr zum medialen und politischen Thema.

Schon 1992 hatte die Wiener Landesregierung unter dem Slogan „Wir alle sind Wien“ den Wiener Integrationsfonds gegründet. Im Wiener Integrationsfonds war Borko Ivanković eine Ansprechperson für Migranten und deren Probleme. Vier Tage die Woche gab er Beratungen in rechtlichen Fragen. Meistens ging es um Themen wie Wohnrecht, Arbeitserlaubnis oder Familienzusammenführung. Einmal die Woche ging man hinaus in die Communitys um im Rahmen der Interkulturellen Schlichtungsstelle in den Wohnhäusern zu helfen. Die Konflikte drehten sich meistens um dieselben Dinge: fußballspielende Kinder im Hof, Mülltrennung oder die Benutzung der damals in vielen Wiener Altbauten üblichen Etagentoiletten. „Unsere Initiative, auf den Müllcontainern zweisprachige Beschriftungen anzubringen wurde sofort abgelehnt“, erzählt der Pensionär „Man sagte uns bei der MA48, dass man keinen Sprachendschungel wollte.“

Heute hat sich einiges verändert, aber es gibt immer noch viele Probleme, das weiß Borko Ivanković. Was ihn am meisten stört ist die schwache Partizipation seiner Landsleute im politischen und sozialen Leben. „Die Menschen sollten sich wenigstens dort engagieren, wo sie wohnen und arbeiten, in den Betrieben und Elternvereinen“, das erwartet sich Borko von der nachkommenden Generation.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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Borko.ivankovic@infopoint-diaspora.at

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