POLITIK 08.10.2013

Phänomen Sebastian Kurz

© BM.I / A. Tuma
Der 27-jährige Integrationsstaatssekretär erhielt bei den Nationalratswahlen bundesweit die meisten Vorzugsstimmen. Wieso Sebastian Kurz noch vor FPÖ-Obmann H.C. Strache steht und was seine Beliebtheit ausmacht.


Integration siegt offenbar doch. Ausländer und Integration sind schon seit langem Reizthemen in Österreich. Dass man dabei nicht nur mit Populismus punkten kann, sondern auch mit konstruktivem Zugang, bewies Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz (ÖVP) bei der vergangenen Nationalratswahl. Kurz bekam am Wahlsonntag die meisten Vorzugsstimmen noch vor den Spitzenkandidaten der großen Parteien.

Als der damals 24-Jährige 2011 Integrationsstaatssekretär wurde, waren die ersten Reaktionen alles andere als vertrauensvoll. So titelte die Krone spöttisch: „Ein junger ‚Geiler‘ wird Staatssekretär“ und bezog sich auf die Wien-Kampagne des damaligen JVP-Obmanns. Wahlkampf-Slogans wie "Schwarz macht geil" oder seine Wien-Streifzüge im  "Geil-o-Mobil" bringt man mit seiner heutigen Person kaum mehr zusammen. Kurz wird längst als seriöser Politiker und junge Hoffnung der ÖVP gehandelt. Seine Beliebtheitswerte sind in den Umfragen schon seit Längerem auf einem Höhenflug. Aber woran liegt das? Wir haben das öffentliche Image des Sebastian Kurz genauer analysiert:


1.    Jugend

Er ist einer der jüngsten in der österreichischen Politik. Ähnlich wie einst bei Karl-Heinz Grasser, ist der Faktor Jugend sicher nicht ganz unwichtig für seine öffentliche Wahrnehmung.

2.    Erfolg

Kurz bedient mit dem Image einer jungen Leistungselite die Sehnsüchte vieler Wähler aus dem bürgerlichen Lager. Sein Erfolgs-Image macht ihn zu jemandem, mit dem sich viele Wähler gerne identifizieren.

3.    Sachlichkeit

Kurz hat unbestritten eine neue Sachlichkeit in die emotional aufgeladene Ausländer-Debatte gebracht. Im Wahlkampf 2010 forderte er noch, dass Predigten in österreichischen Moscheen nur in deutscher Sprache abgehalten werden dürfen. Heute wirken seine Auftritte, etwa bei der Präsentation des jährlichen Integrationsberichts, stets betont sachlich und professionell.

4.    Pragmatismus

Einen ideologischen Pragmatismus zu vertreten trifft bei vielen Wählern genau den Puls der Zeit. In Interviews zeigt Kurz Sympathie für die Grünen oder spricht sich für die Unterstützung von Volksbegehren via Internet aus. Die Studentenproteste im Audimax der Wiener Uni unterstütze der Jus-Student etwa nicht.

5.    Positiv-Themen


Kritiker werfen ihm seine Distanz zu schwierigen Themen vor, die sein Positiv-Image beschädigen könnten. Mit dem Kunstgriff der Trennung von Integration und Asyl schaffte er es etwa, sich von Problemen wie Familienabschiebungen fernzuhalten. Bei all der neuen Positivstimmung bleibt der österreichische Umgang mit Asyl ein negativer Schatten, nicht nur für Mitbürger mit migrantischer Herkunft.

KOSMO-Redaktion

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