KOMMENTAR 17.12.2014

PEGIDA – Ausrede für offenen Rassismus

© zVg.
Über 15.000 Menschen gehen in Dresden gegen die Islamisierung des Abendlands auf die Straße. Auch in anderen Städten Deutschlands und in Österreich entstehen derzeit PEGIDA-Ableger.


Wer glaubt, dass Ausländerfeindlichkeit und Fremdenangst unbedingt etwas mit den realen Erlebnissen der Betroffenen zu tun haben müssen, bekommt dieser Tage den deutlichsten Gegenbeweis. Ausgerechnet in Dresden formierte sich in den vergangenen Wochen die Bewegung PEGIDA („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Dresden ist die Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen, das einen muslimischen Bevölkerungsanteil von geschätzten 0,1 Prozent aufweist. Das sind etwa 4.000 Menschen. Gegen diese 4.000 ziehen bei den Kundgebungen der PEGIDA mittlerweile über 15.000 auf die Straße. Die Schere zwischen der Panikmache und der realen Situation könnte nicht weiter sein.

Hausgemachte Hysterie

Wenn es um alltäglichen Rassismus geht, war schon immer jeder Vorwand recht, von den zu laut spielenden Migrantenkindern bist zum nicht korrekt getrennten Hausmüll. Die aktuelle rechtspopulistische Bewegung benutzt die medialen Schreckensbilder aus Syrien als Ausrede und würzt sie mit hausgemachter Angst vor Überfremdung. Die willigen Massen folgen der Hetze nur zu gerne, selbst, wenn der Anführer an der Spitze der Bewegung ein verurteilter Krimineller ist. Denn der Organisator der PEGIDA-Kundgebungen Lutz Bachmann wurde wegen 16 Fällen von Einbruch verurteilt und versuchte seiner Haftstrafe durch Flucht nach Kapstadt zu entgehen. Aktuell hat er noch eine Bewährungsstrafe wegen Drogenhandels bis 2015 zu verbüßen.

Und während PEGIDA von Politikern in Deutschland kritisiert wird (Deutschlands Justizminister bezeichnete die PEGIDA-Demonstrationen als "Schande für Deutschland", Kanzlerin Merkel spricht von „Hetze und Verleumdung“) gibt es in Österreich Solidarisierungen von Seiten des FPÖ-Obmanns Strache. "Zur Zeit spazieren über 19.000 Menschen friedlich und demokratisch gegen eine drohende Islamisierung Europas durch Dresden! Gratulation!", schrieb er auf Facebook.

Gratulation, Herr Strache, dafür, dass Sie wieder einmal deutlich zeigen, wofür Sie stehen.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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