PANORAMA 22.05.2015

Offener Brief an den deutschen Presserat

Nach einem menschenverachtenden und diskriminierenden Bericht über Serbiens Song-Contest-Kandidatin Bojana Stamenov im Magazin Stern legt KOSMO offiziell Beschwerde ein.


Im Namen des mehrsprachigen Magazins KOSMO in Wien, das auch ein Medienpartner der serbischen ESC-2015-Delegation ist, möchten wir zum Bericht des Magazins Stern unter dem Titel „Rock me, dicke serbische Discokugel“, vom 20.Mai 2015 folgende Stellungnahme veröffentlichen:

Als österreichische Journalisten und Medienbeschäftigte, die ihre Wurzeln am Westbalkan haben, protestieren wir ausdrücklich gegen die herabwürdigende Berichterstattung über Serbiens Vertreterin beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) Frau Bojana Stamenov. Wir sind uns bewusst, dass seit Jahren die Berichterstattung rund um den ESC und seine Kandidatinnen und Kandidaten in vielerlei Hinsicht satirisch und humorvoll gestaltet wird. Die Art und Weise, wie Frau Stamenov in diesem Bericht dargestellt wurde, übersteigt jedoch alle Grenzen des guten Geschmacks. Jemanden offen als „dick“ zu titulieren, zeugt von keinem qualitätsvollen Journalismus, sondern ist ein Ausdruck der tiefen Herabwürdigung und Beleidigung einer Person. Die ESC-Kandidatinnen und -Kandidaten werden in erster Linie nach ihrer künstlerischen Leistung und ihrem Bühnenauftritt
bewertet.

Nach dem Auftritt von Frau Stamenov waren die meisten Beobachterinnen und Beobachter des größten Musikevents Europas mehr als einig: Sowohl das Lied als auch die Bühnenperformance reihten das serbische ESC-Team unter die Top-Favoriten. Angesichts dessen das Hauptaugenmerk auf die körperliche Eigenschaften einer Sängerin zu richten, ist nicht nur geschmacklos und äußerst taktlos, sondern lenkt die Leserinnen und Leser auf nicht relevante Aspekte dieses Musikwettbewerbs. Damit hat sich der Stern leider in eine Reihe von Medien gestellt, denen die spektakuläre und leider oft unseriöse Berichterstattung wichtiger ist als objektive und argumentierte Informationsübermittlung.

Die Ziffer 9 des Pressekodex des Deutschen Presserats besagt: „Es widerspricht journalistischer Ethik, mit unangemessenen Darstellungen in Wort und Bild Menschen in ihrer Ehre zu verletzen.“ KOSMO sieht die obige Berichterstattung als klare Verletzung der betreffenden Ziffer des Pressekodex und wird dementsprechend eine Beschwerde beim Deutschen Presserat einlegen.

KOSMO-Redaktion

Stern beleidigt Serbiens Song-Contest-Kandidatin


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