MENSCHEN 31.07.2014

Nikola Tesla – zwischen Genie und Wahnsinn

© zVg.
Nikola Tesla war ein komplexes Genie, dessen Scharfsinn zahlreiche Erfindungen hervorgebracht hat. Er hatte aber auch einige Eigenheiten und Charakterzüge, die ihn von „normalen“ Menschen unterschieden.


Nikola Tesla ist ein Mann, nach dem vieles in der Welt benannt wurde – von der offiziellen Maßeinheit für die Stärke eines Magnetfelds (Tesla, abgekürzt T), über Schulen, Institute, Bibliotheken, Siedlungen, Flughäfen, Unternehmen und Rockgruppen bis hin zu Asteroiden und Mondkratern. Er war ein ausgebildeter Ingenieur und ein hervorragender Erfinder. Gleichzeitig war er ein Mensch mit ungewöhnlichen Sinnen und Verhaltensweisen.

Außergewöhnlich scharfe Sinne

“Ich hatte immer außergewöhnliche Augen und Ohren. Ich konnte Gegenstände in der Ferne auch dann klar erkennen, wenn andere nicht einmal ihre Umrisse sahen. In der Kindheit schaffte ich es mehrmals, die Häuser der Nachbarn vor Bränden zu retten, da ich ein leises Knacken gehört hatte, das sie nicht einmal wahrnahmen, und Hilfe rief“, schrieb Tesla selbst in seinen autobiographischen Notizen, die 1919 in der amerikanischen Zeitschrift Electrical Experimenter gedruckt wurden.

Darin heißt es weiter: „In Budapest konnte ich das Schlagen einer Uhr hören, die sich, von meinem Raum aus gesehen, im dritten Zimmer befand. Die Landung einer Fliege auf dem Tisch meines Zimmers nahm mein Ohr als dumpfen Schlag war. Das Geräusch einer Kutsche, die mehrere Meilen entfernt vorbeifuhr, erschütterte meinen ganzen Körper. Das Pfeifen einer Lokomotive in 20 – 30 Meilen Entfernung versetzte die Bank oder den Stuhl, auf dem ich saß, so sehr in Schwingung, das ich unerträglichen Schmerz empfand.“

Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in höheren Stockwerken der New Yorker Wolkenkratzer, umgeben von der permanenten Hektik der Großstadt. Ein „normales“ Leben führte er trotzdem nie.

Konstante Phobien und Zwänge

Tesla war der Meinung, dass eine Beziehung zu einer Frau lediglich eine Störung seiner erfinderischen Tätigkeit darstellen würde. Er war nicht gegen weibliche Gesellschaft, aber er verbrachte sein ganzes Leben im Zöllibat und war „fixiert auf einen latenten Zustand der sexuellen Unterdrückung mit einer Ausrichtung seiner Energie auf das Feld wissenschaftlicher Errungenschaften“, schreibt Marc J. Seifer, Autor des Buchs „Leben und Zeit Nikola Teslas: Biographie eines Genies.“ Unter anderem litt er unter einer Zwangsstörung.

„Ich zählte die Schritte, wenn ich ging, und berechnete den Volumeninhalt von Suppentellern, Kaffeetassen und Lebensmitteln – denn andernfalls hätte ich eine Mahlzeit nicht genießen können“, schrieb Tesla über sich selbst. Sein Verhalten war überaus exzentrisch. Ständig sprach er mit sich selbst, bemerkten seine Mitarbeiter. Tesla war immer sehr elegant gekleidet. Jede Woche kaufte er eine neue Krawatte, immer ausschließlich in Rot und Schwarz. Händeschütteln vermied er, und wenn er es nicht umgehen konnte, war er solange nervös, bis er sich die Hände gewaschen hatte.

Exzentrische Vorgaben

Das Personal des Hotels, in dem er wohnte, musste immer mindestens einen Meter Abstand von ihm halten. Kragen und Taschentücher verwendete er nur einmal, und Handschuhe warf er nach kurzem Gebrauch weg. Im Restaurant des Hotels gab es immer einen Tisch nur für Tesla. Dort mussten immer 18 Servietten liegen. Obwohl das Silberbesteck nach seinen Wünschen sterilisiert war, rieb er jedes Teil vor dem Gebrauch selbst noch einmal mit der Serviette ab. Wenn einmal eine Fliege auf den Tisch flog, musste dieser ganz abgedeckt werden und es mussten neue Teller gebracht werden.

Viele von Teslas Visionen setzten sich durch, und das nicht nur auf dem Gebiet des Wechselstroms und mit Hilfe seiner anderen elektrotechnischen Erfindungen. Vieles hat er vorhergesehen: die Erfindung von Radio und Fernsehen, der kabellosen Telefonie, des Lasers, des Internets, der Roboter, ferngesteuerter Flugobjekte und vieles andere. So demonstrierte Tesla 1898 unter anderem ein kleines ferngesteuertes Boot.

Trotz seiner Neurosen muss betont werden, dass niemand verbissener als Tesla darum kämpfte, jeden Glauben an mystische Erscheinungen zu bekämpfen. „Er fühlte, dass solche Dinge die Probleme nur verschleierten“, schrieben Inez Hunt und Wanetta W. Draper in „Blitze in seiner Hand“, einer weiteren unter den zahlreichen Tesla-Biographien. Bis heute bleibt der geniale Erfinder eine faszinierende und rätselhafte Person.

Milan Ilić / KOSMO

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