KULTUR 06.05.2015

„Nema problema“ – die Rückkehr des Balkanizers

© Dejan Sarić
Danko Rabrenović wirft einen amüsanten und manchmal sentimantalen Blick auf seine alte Heimat den Balkan. Am 8. Mai liest er aus seinem neuen Buch„Herzlich wilkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer“ in der Sargfabrik in Wien.


Den Radiohörern in Deutschland ist Danko Rabrenović schon lange ein Begriff. Mit seiner kultigen Sendung „Balkanizer“ nimmt er seit Jahren die kleinen Unterschiede und schrulligen Eigenheiten seiner Landsleute vom Balkan und der Menschen in seiner neuen Heimat aufs Korn. Einem noch größeren Publikum wurde er durch ein Youtube-Videos bekannt, in dem er auf pointierte Art die Schimpfwörter des Balkan und der Deutschen vergleicht („Anal vs. Genital“). Die Aufnahme entstand bei einer Lesung aus seinem ersten Buch „Balkanizer – ein Jugo in Deutschland“, das 2010 erschien. Nun ist der Balkanizer mit einem neuen Buch wieder da.

In mehreren Welten zuhause

Danko Rabrenović wurde als Sohn einer Kroatin und eines Serben im ehemaligen Jugoslawien geboren. Er wuchs in Zagreb auf und lebte lange in Belgrad, die Sommer seiner Kindheit verbrachte er an der kroatischen Adria. Diese drei Orte sind für ihn das, was er Heimat nennt. Und so handeln weite Teile seines neuen Buchs „Herzlich wilkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer“ von genau diesem magischen Dreieck seiner Jugend. Dass die scharfsinnigen und amüsanten Beobachtungen seiner Landsleute ebenso wie der Deutschen nicht fehlen dürfen, ist klar.

In zahlreichen lustigen Anekdoten erklärt uns der „Balkanizer“, die kleinen und großen Unterschiede zwischen dem Balkan und seiner neuen Heimat Deutschland. Wir erfahren, warum „nema problema“ der häufigste Satz der Balkanesen ist („ausgerechnet dort, wo es immer und viele Probleme gibt, sagen alle pausenlos ‚nema problema‘“) und wieso der Balkaner lieber einen schlampigen und unkundigen Handwerker engagiert, als einen Profi zu holen („das wäre komplizierter und unfair“). Ebenso ergründen wir, warum „unten“ alles besser schmeckt als hier, warum man „oben“ einfach keine guten Ćevapčići finden kann und, wo es die schönsten Frauen gibt (in Split!).

Abseits der Balkan-Klischees

Dass das Leben eines Balkanizers nicht nur lustig ist, sondern auch ernste Momente dazu gehören, merkt man an den Stellen, wo er über den Zerfall seiner Heimat, des ehemaligen Jugoslawien und seine Emigration nach Deutschland schreibt. Als echter „Serbo-Kroate“ oder „Kroato-Serbe“ fühlt sich der junge Danko in diesen Jahren vor eine unfreiwillige Wahl gestellt, sich für eine dieser beiden Identitäten zu entscheiden – und beschließt, genau das nicht zu tun. Statt vollends zum Serben oder zum Kroaten zu mutieren, wird er in Deutschland zum Balkanesen. Und – wie wir auf den Seiten des Buchs erfahren – ganz langsam auch zum Deutschen. War es für ihn am Anfang noch kaum nachvollziehbar, dass Deutsche ihre Nachbarn kaum beim Vornamen kennen, so lernt er das vormals unbekannte Konzept der „Privatsphäre“ immer öfter zu schätzen. Schließlich muss es nicht unbedingt sein, dass der Nachbar nach jedem Streit mit der Frau seine Zeit auf deinem Sofa totschlägt.

Der Balkanizer in Wien

Danko Rabrenović liest am 8. Mai in der Wiener Sargfabrik aus seinem neuen Buch „Herzlich wilkommenčić – Heimatgeschichten vom Balkanizer“. Danach gibt es ein Konzert seiner Balkan-Ska-Band Trovači.

Ljubiša Buzić / KOSMO

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