INTERVIEW 23.01.2014

NOWKR: „Rassisten treten in Österreich offen auf“

© zVg.
Am 24. Jänner findet wieder der umstrittene Akademikerball (früher WKR-Ball) statt, der von der FPÖ in der Wiener Hofburg veranstaltet wird. KOSMO sprach mit den Organisatoren der Gegendemonstrationen von der Plattform NOWKR.


KOSMO:  Wofür steht für Sie der Akademikerball?

NOWKR: Der Akademikerball gilt allgemein als die Neuauflage des 2012 unter Protest aus der Hofburg geworfenen Balls des Wiener Korporationsrings (WKR) der schlagenden Burschenschaften. Deutschnationale Burschenschafter stehen in Österreich vor allem für völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaust-Leugnung. Sie gelten auch als Kaderstätte und Verbindungsglied zwischen legal organisiertem Rechtsextremismus und der militanten Neonaziszene. Der WKR-Ball hat aber nicht nur österreichweite Relevanz. 2009 endete ein unmittelbar vor dem Ball angesetztes internationales Vernetzungstreffen der Rechten in Wien am Tanzparkett der Hofburg.

Was ist das Ziel der Proteste?

Das Ziel der Proteste ist auf mehrere Ebenen angesetzt. Einerseits geht es uns natürlich darum, den Ball zu verhindern oder zumindest zu stören. Anderseits geht es nicht nur um in der Hofburg feiernden Burschenschafter, sondern um eine Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, welche reaktionäre Ideologien aller Couleur erst hervorbringen.

Aus der Hofburg heißt es, ein Ball wäre nichts Politisches…?

Der Ballabend an sich mag sich tatsächlich unpolitisch präsentieren. Die anwesenden politischen Funktionsträger und deren Netzwerkarbeit sind dies jedoch mitnichten. Deshalb ist es schwer verharmlosend, den Ball als unpolitische Tanzveranstaltung abzutun.

Es gibt im rechten Lager viele versteckte Symbole und Zeichen für Gleichgesinnte. Können Sie uns Beispiele nennen?

Burschenschafter tragen, im Gegensatz zu „Straßennazis“, in den seltensten Fällen einschlägige Symbole. In der Sprache und Rhetorik lassen sich jedoch sehr viele Codes finden, die für deutschnationales oder nationalsozialistisches Gedankengut stehen. Trauriger Weise bedarf das "rechte Lager" in Österreich aber in den meisten Fällen keiner versteckten Zeichen, sondern kann sich in aller Öffentlichkeit präsentieren.

Die FPÖ wirft den Demonstranten Gewaltbereitschaft und Aggression vor und bezeichnet sie sogar als Faschisten. Was sagen Sie dazu?

Hier handelt es sich um eine klassische Strategie der FPÖ, ganz in der Tradition österreichischer Geschichtsleugnung, die Täter-Opfer-Umkehrung. Nach H.C. Straches Aussagen aus dem Jahr 2012, die Ballbesucher seinen "die neuen Juden", passt es nun in diese Argumentation, die Gegendemonstranten zum blind gewalttätigen Mob zu erklären. Derartige Aussagen verhöhnen die tatsächlichen Opfer von Verfolgung und Vernichtung.

Die FPÖ plant eine Kundgebung am Heldenplatz – sozusagen als Gegendemo zur Gegendemo – Wie werden Sie damit umgehen?

Unserer Ansicht nach dient die von der FPÖ angemeldete Kundgebung am Maria-Theresien-Platz als rechtliches Schlupfloch, die Sperrzone um die Hofburg herum zu erweitern. Bei derartigen Kundgebungen kommt es immer wieder zu heftigsten rassistischen und antisemitischen Ausfällen der Redner, sollte die Kundgebung stattfinden, werden wir darauf achten.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSMO


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