INTERVIEW 11.11.2014

Muslimische Jugend: „Wir müssen Extremismus gemeinsam bekämpfen“

© KOSMO
Was denken bosnische Muslime in Österreich über das neue Islamgesetz, Extremismus und Islamophobie? Wir sprachen mit Zekija Imširpašić von der Muslimischen Jugend Österreich.


Der Islam ist im Moment in Österreich eines der meistdiskutierten Themen – zuletzt gab es sogar eine Demo gegen den Bau einer islamischen Schule in Wien Simmering. Wie fühlt man sich als junge Muslimin dabei?

Zekija Imširpašić: Die Frage ist, aus welcher Perspektive man es betrachtet: Aus der Perspektive der Bosnierin oder der Muslimin oder Österreicherin? Wir bestehen ja aus vielen verschiedenen Identitätsmerkmalen und können nicht nur auf ein einziges reduziert werden. Wenn ich es als Mensch betrachte, finde ich es furchtbar. Egal welcher Herkunft oder Religionszugehörigkeit jemand angehört, finde ich es schrecklich, wenn Menschen an den Pranger gestellt werden.

Die Muslimische Jugend Österreich hat vor kurzem einen alternativen Entwurf zum geplanten neuen Islamgesetz präsentiert. Worin unterscheiden sich diese beiden Entwürfe?

Sie unterscheiden sich in der Hinsicht, dass unser Alternativentwurf vollkommen am Protestanten- und Israeliten-Gesetz orientiert ist. Wir haben die Copy-Paste-Funktion konsequent angewendet, weil wir für die Gleichberechtigung aller Menschen in Österreich sind.

Der Regierungsentwurf verbietet, dass islamische Einrichtungen mit ausländischem Geld finanziert werden. Wie viel Einfluss sollten ausländische Regierungen auf das Leben der Muslime in Österreich haben können?

Ich denke, dass generell ausländische Regierungen nicht wirklich einen Einfluss auf das Leben in Österreich haben. Für einen Menschen aus Ex-Jugoslawien beispielsweise – egal wie viel ex-jugoslawisches Fernsehen er sieht – spielt sich das Leben in Österreich ab. Was in Österreich passiert ist für ihn relevant.

Muslime wurden viel kritisiert weil man von ihnen eine stärkere Distanzierung von den Extremisten fordert. Verstehen Sie die Kritik?

Verstehen wir nicht. Es gibt z.B. eine Aussendung von fast 300 Organisationen in Österreich, die sich gegen die IS aussprechen und sich absolut davon distanzieren. Das wurde nirgendwo von den Medien aufgenommen – das ist ganz eigenartig.

Radikalisierung ist ein Thema, das viele Jugendliche betrifft - es gibt den Fall der zwei jugendlichen Bosnierinnen, die aus Wien nach nach Syrien gegangen sind. Wie kann es so weit kommen?

Studien besagen, dass Radikale religiöse Analphabeten sind. Und das können wir nur bestätigen. Sie haben eigentlich keine religiöse Erziehung bekommen. Fast ein Viertel sind Konvertiten. Das zeigt, dass da ein sehr verzerrtes Islam-Verständnis herrscht.

Was kann man der IS-Propaganda im Internet entgegensetzen, die gezielt auf unzufriedene junge Muslime in westlichen Ländern abzielt?

Radikalisierung betrifft genauso rechtsradikale oder linksradikale Jugendliche. Die Probleme oder die Auslöser für Radikalisierung sind bei allen Jugendlichen dieselben. Deshalb ist unser Konzept ein gesamtgesellschaftliches. Gewalttätige Extremismen müssen wir als Gesellschaft gemeinsam mit allen uns in einer Demokratie zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.

In Presseerklärung der Muslimischen Jugend Österreich schreiben Sie von der „österreichisch-islamischen Identität“. Wie sieht diese aus?

Österreicherin und Muslimin zugleich sein ist kein Widerspruch. Es geht darum, ein selbstbewusstes Auftreten in beiden Richtungen zu haben. Ich glaube, die Jugendlichen muslimischen Glaubens, die hier aufgewachsen sind, tragen diese Identität bereits in sich.

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