BILDUNG & BERUF 11.03.2015

„Migrantenkinder haben es nicht leicht“

© Alexander Schuppich / KOSMO
Dragana Rikić ist ein Geheimtipp, wenn Jugendliche aus unserer Community eine Arbeitsstelle suchen. Seit November 2013 hilft sie jungen Arbeitssuchenden mit ihrer Wiener Firma kompoint bei der Suche nach dem richtigen Job, der besten Lehrstelle und dem interessantesten Praktikum. Für unsere Leser gab sie Tipps fürs richtige Bewerben.


KOSMO: Mit welchen Problemen kommen Jugendliche zu ihnen?

Dragana Rikić: Sie kommen aus der Schule und brauchen einen Ansprechpartner, der sich in der Arbeitswelt wirklich gut auskennt. Meistens finden sie keinen passenden Job oder sind viel zu spät dran mit der Suche nach einer Lehrstelle.

Wie können Sie ihnen helfen?

Ich biete dreistündige Seminare an, bei denen die Jugendlichen Informationen über die richtige Bewerbung bekommen. Daneben mache ich auch persönliche Einzelbetreuung und begleite sie durch den gesamten Bewerbungsprozess, bis sie einen Job finden. Ich finde im Gespräch mit den Kindern ihre Interessen und Talente heraus und versuche, das in die Jobsuche zu integrieren.

Wie lange dauert es, bis ihre Klienten eine Stelle finden?

Es gibt Teilnehmer, die haben nach sechs Tagen einen Job. Generell muss man mit vier, fünf Wochen rechnen. Manche kommen im Mai Jugendliche, die im September eine Lehrstelle brauchen. Das ist schon sehr knapp, aber fast immer finden wir etwas.

Bereitet die Schule die Kinder nicht genügend auf diese Art von Selbstständigkeit vor?

Ich denke, dass die Schulen sehr bemüht sind. Aber sie haben Klassen mit 25 Kindern und mehr – da ist es auch nicht so einfach, alles optimal zu gestalten. Bei mir sitzt ein Kind vis-à-vis von mir, mit dem ich drei Stunden arbeite. Das hier ist wirkliche First-Class-Qualität, wo man mit Top-Bewerbungsunterlagen hinausgeht.

Was sind die größten Defizite bei den Bewerbungen und Lebensläufen?

Viele sind sich gar nicht bewusst, welche Informationen für den Arbeitgeber interessant sind. Mache schreiben unter „Interessen“, dass sie gerne Fußball spielen oder Freunde treffen. Wir haben dann z.B. im Gespräch herausgefunden, dass der junge Mann großes Interesse an Soft- und Hardware hat. Oder müssen sie dem Jugendlichen erklären, wieso er beim Bewerbungsfoto kein T-Shirt tragen soll, sondern ein Hemd.

Zu Ihnen kommen meistens Eltern mit Migrationshintergrund, die Hilfe für ihre Kinder suchen. Wie kommt das?

Ich selbst habe Migrationshintergrund und es war damals auch für mich nicht einfach. Die Eltern, kennen niemanden, der ihnen hilft. Sie haben wenig Wissen über die Bewerbung und kaum Netzwerke, um ihren Kindern zu helfen. Es sind tolle Kinder und sehr starke Persönlichkeiten. Es tut mir auch immer weh, wenn sie zu mir kommen und sagen, sie haben schon zwanzig Bewerbungen geschickt und es hat keiner geantwortet.

Es gibt Statistiken, die zeigen, dass Migranten mehr Bewerbungen verschicken müssen als Österreicher. Bemerken Sie das in ihrer Arbeit?

Wenn sich jemand nur aufgrund des Namens gegen sie entscheidet, wäre das traurig. Wahrscheinlich gibt es das, aber ich denke darüber nicht so viel nach. Mir ist wichtig, dass das Kind seine Kompetenzen erfasst, dass die Bewerbung geschickt wird und das Unternehmen die bekommt. Und wenn die Bewerbung passt, dann spielt der Name auch keine Rolle – das hoffe ich zumindest.

Ljubiša Buzić / KOSMO

KOSMO verschenkt an Lehrstellensuchende ein kostenloses Infoseminar bei Jobexpertin Dragana Rikić und kompoint. Melde dich unter gewinnspiel@kosmo.at – Kennwort: kompoint.

Kontakt: www.kompoint.com

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