KOMMENTAR 29.01.2015

Migrantenkinder: die Sündenböcke der Nation

© zVg.
Dass in Österreich vieles in der Integration nicht funktioniert, ist Tatsache. Dass manche österreichische Politiker den Migrantenkindern alle Schuld in die Schuhe schieben, ist unverantwortlich und populistisch.


Wir wissen es bereits: 2015 ist ein Superwahljahr. Österreichische Politiker aus der Großen Koalition sind auf Stimmenfang, und als Strategie greifen sie wieder zum plumpen Populismus. Das ist schließlich eine Kompetenz, die sie von der FPÖ beigebracht bekamen und als brave Schüler stets wiederholen. Dass ihnen diese bekannte Strategie keine neuen Stimmen bringt, haben die SPÖ und die ÖVP offensichtlich noch nicht kapiert. Bei der SPÖ brennt heuer besonders der Hut – zu viele zuletzt verlorene Wahlen, ein Kanzler mit schwachen Sympathiewerten. So hofft man erneut, durch erhobene Zeigefinger auf das schwächste Glied der Gesellschaft – die Migranten – gewinnt man zumindest die Gunst der Stammwählerschaft.

Ideenlosigkeit und fehlende Antworten auf einen rasanten Bevölkerungswandel charakterisieren seit Jahren die einheimische Politik – Verschärfungen in der Zuwanderungspolitik sind die sichtbarsten Folgen. Manche Politiker der SPÖ und ÖVP vergessen nämlich, dass für die Bildungsmisere in Österreich in erster Linie ihr jahrzehntelanges Hick-Hack um die Bildungsreform verantwortlich ist.

Chancen statt Strafen

Das österreichische Bildungssystem ist immer noch mononational und einsprachig ausgerichtet, sagen Experten. Die größten Opfer dieses veralteten Schulsystems sind die gerade die Migrantenkinder. Oft aus bildungsfernen Schichten, mit Eltern, die kaum bis gar nicht Deutsch können und finanziell nicht in der Lage sind, für ihre Kinder Nachhilfeunterricht zu bezahlen. Von Chancengleichheit für diese Kinder kann in dieser Gesellschaft keine Rede sein. Nun sollen sie noch mit Geldbußen bestraft werden. Bevor die Herrschaften Voves, Niessl und Kurz aus diesen Kindern erneut die Sündenböcke der Nation machen, sollten sie ihnen statt Strafen und Ahndung einen Funken Hoffnung mitgeben. Denn diese Jugendlichen wachsen mit einem Gefühl der Marginalisierung und Hoffnungslosigkeit heran und sehen keinen Ausweg daraus. Meistens können sie aber nichts dafür.

Nedad Memić / KOSMO

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